Erfolgreicher Bünder Schauspieler, Musiker und Autor bringt "Goscior" auf die Bühne
Bünde. Von familiärer Vorbelastung kann nicht wirklich die Rede sein. "Mein Vater war Fernmeldetechniker, meine Mutter Kassiererin im Supermarkt", sagt Frank Felicetti. Er selbst erwärmte sich früh für die Kunst und versuchte sein Glück als Musiker und Schauspieler – mittlerweile mit großem Erfolg. Nächsten Samstag geht sein neues Stück "Goscior – Der Zwischenweltler" im Mainfranken-Theater in Würzburg über die Bühne.
"Dass ich mich in Bünde nicht beruflich verwirklichen könnte, wurde mir schnell klar", sagt der Bünder, der seinen klangvollen Nachnamen den Ur-Urgroßeltern aus Südtirol verdankt. Mit 30 verschlug es ihn nach Berlin. "Dort habe ich all mein Geld in Schauspiel- und Gesangsunterricht investiert", sagt der 48-Jährige. Die Investition sollte sich lohnen. Felicetti wurde schnell für die Hamburger Buddy-Holly-Show engagiert und fühlte sich in der Folge auch noch auf weiteren deutschen Bühnen zuhause. Kehrseite der Medaille: "Ich arbeite zuviel – in den letzten 25 Jahren habe ich nur einmal Urlaub gemacht."
Dafür sieht er viel vom Land: Zurzeit hält Felicetti sich in Würzburg auf. Am Samstag wird im dortigen Mainfrankentheater das Fantasy-Musical "Goscior" (gesprochen: Gooschor) uraufgeführt. Felicetti ist nicht nur einer der Hauptdarsteller, sondern hat alle Teile der bereits fertigen Trilogie selbst geschrieben und auch die Musik komponiert. Acht Jahre hat er dafür benötigt. "Ich habe sogar die Geheimsprache ,Chrrnij’ entwickelt, die die Kobolde sprechen werden", sagt Felicetti. "Da saß ich nicht besoffen in der Kneipe – da habe ich mich richtig mit Mathematik beschäftigt", sagt er und lacht. Über die Mainpost, so Felicetti, könne sich der interessierte Theaterfreund seit einiger Zeit sogar mit dem Vokabular und der Aussprache von "Chrrnij" vertraut machen.
So schnarchig, wie der Name der Sprache suggerieren mag, ist der Plot nicht: Ein junger kobold-gläubiger Mann namens George lässt aus Liebe zu seiner Freundin einen Waldkristall mitgehen und wird von den Kobolden dafür bestraft: Fortan muss er sein Leben als Zwischenweltler "Goscior" – Koboldsprache für "Georg" – meistern. Das bringt für den jungen Mann nicht nur Nachteile mit sich: "Er beherrscht die Sprache, lernt unterschiedliche Gesellschaftsschichten kennen und fühlt sich nach einiger Zeit ganz wohl in seiner neuen Haut", sagt Felicetti. Viel mehr möchte der Allround-Künstler nicht verraten.
Die samstägliche Premiere in Würzburg, so Felicetti, sei so gut wie ausverkauft, insgesamt werde es 19 äußerst farbenprächtige Vorstellungen geben, Felicetti erwartet insgesamt um die 15.000 Zuschauer. Er hofft, dass das Stück danach auch noch auf anderen Bühnen aufgeführt wird. Die Voraussetzungen dafür stehen gut: "Auf Englisch wurde das Stück schon übersetzt", sagt er, "die Aussprache der Koboldsprache ändert sich nur geringfügig."
Beruflich hat Felicetti mit Bünde nichts mehr am Hut. Am 10. März wird der Zwischenweltler aber zum Geburtstag seines Sohnes hierher kommen. Dann kann er sich vielleicht von seinem Bruder durch die Gegend fahren lassen. Der lebt und arbeitet nach wie vor in Bünde – als Taxifahrer. Nicht alle Familienmitglieder tanzen so aus der Reihe, wie Frank Felicetti.