Kreis Herford. Viele Aussteller waren mit zwiespältigen Gefühlen zu dieser Messe gefahren, in Sorge wegen der Krise, des Wetters und der Aufnahmebereitschaft ihrer Kunden für Neuigkeiten. Doch nach dem dritten Tag der Möbelzuliefer-Plattform ZOW gab es in den Messehallen in Bad Salzuflen meist entspannte Gesichter. Die Neuigkeiten-Schau im Möbelland OWL behauptet ihre Unentbehrlichkeit.
Es war die 16. Ausgabe der als regionale Ideenplattform gestarteten und längst in internationale Dimensionen vorgestoßenen Branchenveranstaltung für Möbelindustrie und Innenausbau - und die erste nach der glanzvollen Wiederauferstehung der Kölner Weltleitmesse Interzum. Zugleich war es eine Messe im Jahr 1 nach der schwersten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte.
Doch Krisenstimmung hätte man vergeblich gesucht: Alle wichtigen "Player" der Branche waren da, kein wichtiger Abnehmer von Ideen der Möbelzulieferer fehlte.
Konrad Landwehr ist 71 Jahre alt, stellt mit 35 Mitarbeitern in Herford-Falkendiek seit zehn Jahren mit Folien beschichtete Fronten her und ist zum ersten Mal auf der ZOW. Viele Besucher bleiben stehen, betrachten seine gerundeten Teile und befühlen die Struktur einer mehrfach gefrästen Relief-Front. "Wir sind hier absolut richtig", sagt er - und freut sich über viele Gespräche, in denen er "Qualität und Pünktlichkeit" seiner Produkte und die Leistungsfähigkeit seiner drei Pressen, darunter eine Hochglanzpresse, beschreiben kann.
"Alle wollen unser neues Material haben", sagt Henrik Otto (Otto Vertriebs GmbH, Herford) und zeigt auf eine Möbelfront, in der man sich gern spiegelt, die man gern anfasst - und die man, so seine Botschaft, besser verarbeiten (schneiden, bohren) kann als vergleichbare Böden aus Glas.
Zu den leuchtendsten Erkenntnissen dieser Messe zählt der endgültige Durchbruch der LED-Technologie. Viele führende Hersteller von Lichtsystemen für Möbel und Innenausbau sitzen im Kreis Herford - von Hera über Klebe und Wessel bis Elektra.
Ihre Botschaft: Die neue LED-Generation ist noch heller, noch intensiver und im Sinne der Nachhaltigkeit langlebiger und weniger Energie verbrauchend. "Sehen Sie unsere Flächenleuchten", sagt Birgitt Vogt (Elektra, Enger), "hier gibt es keine störenden Lichtpunkte mehr, und die Flächenausleuchtung ist gleichmäßig und weich".
Die großen Beschlägehersteller haben sich abgesprochen, ihre Neuigkeiten künftig auf der Interzum zu zeigen. Doch kleine Extras gibt es auch auf der ZOW. Am Stand des österreichischen Beschlagherstellers Blum (Deutschland-Vertriebssitz Herford) zeigt Hubert Schwartz einen pfiffig konstruiertes Schneidegerät für Klarsichtfolien, der in einen Blum-Schubkasten integriert ist. Das Ende der Folie klebt bei bloßem Auflegen fest, so dass die Rolle leicht aufgerollt und abgetrennt werden kann.
Neue Orga-Systeme für Schubkästen sind auch bei Hettich (Kirchlengern) zu sehen, ebenso weiter entwickelte Dämpfungssysteme für Auszüge - und nicht zuletzt auch Möbelgriffe.
Über prominentes Interesse an seinen aus HDL-Schichtstoff gefertigten Möbelgriffen freut sich Detlef Wachendorf, dessen Firma in Luckenwalde produziert, aber von Herford aus geführt wird. D-Beschlag beschäftigt immerhin 125 Mitarbeiter; die Verlagerung des Vertriebssitzes nach Herford 2007 habe man nicht bereut, verrät er.
Eine Premiere liefert Katrin Neelsen der ZOW: Erstmals präsentiert die Macherin des in Bünde beheimateten Branchennetzwerks "Servicepoint A30" eine Produktlinie aus aufeinander abgestimmten Fronten, Oberflächen, Profilen, Beleuchtungen und allerlei Zubehör. 14 Mittelständler arbeiten in ihrem Netzwerk mit.
Doch die Servicepoint-Macher sind noch nicht zufrieden. "Wir können uns gut vorstellen", sagt Katrin Neelsen, "dass demnächst auch Partner für Fußböden und Raumtextilien zu uns stoßen werden".