Telekom und Telecom – eine Frau lässt sich das Verwirrspiel zweier Telefonanbieter nicht gefallen
Bünde/Kirchlengern. Mancher hätte auf die paar Euro gepfiffen. Nicht so Friedegunde Girod. Als die 58-Jährige im Oktober letzten Jahres eine ungewünschte "Auftragsbestätigung" der Deutschen Telekom erhielt, setzte sie sich zur Wehr. Der Kampf ums Prinzip dauert bis heute an.
"Als wir aus dem Urlaub zurück kamen, fanden wir ein Schreiben der Deutschen Telekom im Briefkasten", erzählt die Frau aus Kirchlengern, "wir wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass unser Betreiber für Ferngespräche demnächst ,unserem Wunsch vom 13. Oktober entsprechend’ die ,Telecom’ sei." Der feine Unterschied fiel Girod sofort auf: Der Telekommunikationsriese schreibt sich bekanntlich mit "k", beim neuen Anbieter befand sich stattdessen ein "c" im Namen.
Der Buchstabe an sich bereitete den Girods kein Kopfzerbrechen – allein die Tatsache, dass es im Vorfeld niemals ein Gespräch mit irgendeinem der beiden Telefonanbieter gegeben hatte, machte sie skeptisch. "Am 13. Oktober waren wir schon lange im Urlaub – und zurück kamen wir erst eine Woche später", sagt Girod.
Die Kirchlengeranerin rief denn auch sofort bei der Deutschen Telekom an, um zu erklären, dass ein Anbieterwechsel niemals gewünscht war. Dazu Telekomsprecher George-Steven McKinney: "Wenn wir von einem Mitbewerber ein Schreiben bekommen, das uns den Auftrag eines Kunden mitteilt, sind wir gesetzlich verpflichtet, den zu erfüllen – die Richtigkeit dürfen wir nicht hinterfragen."
Girod hingegen hinterfragte viel: "Man konnte uns kein Telefongespräch mit dem anderen Anbieter nachweisen und sicherte uns zu, den Wechsel zum nächstmöglichen Zeitpunkt wieder rückgängig zu machen", erklärt sie. Kurz darauf erhielt sie ein Schreiben, in dem sie als Rückkehrer zur Deutschen Telekom freundlich begrüßt wurde.
Mit der Wartezeit war Girod aber nicht einverstanden. "Ich hatte doch keinen anderen Vertrag abgeschlossen – warum sollte ich da noch warten, um wieder zum alten Anbieter zu wechseln?" Sie wollte eine sofortige Rückkehr. Wieder rief Girod bei der Telekom an, man versicherte ihr, dass der Wechsel schnellstmöglich vollzogen würde. Girod wartete, rief an, wartete, rief an – und wartete.
Ärgerlich suchte sie Anfang November den T-Punkt in Bünde auf und ließ Dampf ab. "Dort riet man mir, einen Vertrag zu kündigen, den ich nie abgeschlossen hatte", sagt Girod und schüttelt den Kopf. Immerhin: Vom nächsten Tag an konnte Girod wieder über das Netz der Telekom telefonieren.
Im Januar flatterte dann aber eine Rechnung der "Telecom mit c" ins Haus. "Das war das erste Schreiben überhaupt, das wir von denen bekommen haben", sagt Girod. Absender war der Abrechnungs-Dienstleister "Mr. Nexnet". Der Gesamtbetrag: 11,86 Euro. Während mancher hier eingelenkt hätte, verweigerte Girod die Zahlung. Prompt schickte Mr. Nexnet eine Mahnung mit neun Euro Zuschlag. Auch die zahlten die Eheleute nicht. Stattdessen bombardierte Girod die Telekom mit Briefen und Anrufen, in denen sie die Übernahme sämtlicher Kosten forderte, "die durch den falschen Auftrag und Ihre Unflexibilität entstanden sind".
Und tatsächlich: Im letzten Gespräch vor zwei Tagen wurde ihr eine Gutschrift in Höhe der letzten Telefonrechnung zugesichert. Die Mahnung von Mr. Nexnet soll das Ehepaar von diesem Geld bezahlen. Ein annehmbarer Deal, wie die beiden finden. Was die Telekom letztlich zum Einlenken bewogen hat, weiß Girod selbst nicht genau. "Und ob ich das Geld wirklich kriege, weiß ich auch nicht." Falls nicht, kämpft sie weiter. Zu zahlen – wie es die meisten anderen täten – das kommt für Friedegunde Girod nicht in Frage. Noch ein feiner Unterschied.