Die Bünder haben vom Winter die Nase voll und holen sich den Frühling einfach nach Hause
Bünde. Die Sonne hatte Hoffnungen geweckt. Reichlich zeigte sie sich am Anfang der Woche am Himmel über dem Bünder Land. Der ein oder andere frohlockte: Der Frühling ist endlich da! Leider nicht. Für heute ist Schnee angesagt, die Thermometer zeigen weiter Minusgrade – doch die Bünder lassen sich davon nicht mehr beeindrucken.
"Wie soll ich Ihre Blumen einpacken", fragt Katharina Homburg ihre Kundin. "Warm", antwortet diese. Es sind drei Grad Minus. Trotzdem stehen die Blumeneimer mit Narzissen, Tulpen und Zweigen schon vor dem Geschäft von Blumen Risse. "Vor einem Jahr haben unsere Kunden den Frühling für draußen gekauft. In diesem Jahr kaufen sie ihn noch für drin", sagt Homburg. Die Nachfrage nach Frühlingsblühern sei groß.
"Tulpen verkaufen wir im Moment besonders viel, aber auch Primeln im Topf." Gerade so, als keimte in den Bündern die Hoffnung, dass die Primeln dann doch bald aus dem Topf im Wohnzimmerfenster in die Gartenerde gesetzt werden können. Homberg selbst hat einen eigenen Favoriten, der sie das Wintergrau vergessen lässt: Einen Strauß gemischter Tulpen mit Heidelbeerzweigen dazwischen.
Auch im Schaufenster von Blue Line hat seit einer Woche der Frühling Einzug gehalten. Saftiger Rasen überzieht die Stühle, die als Dekoration dienen und von dem Frühlingssinnbild – nämlich wieder einmal Tulpen – eingerahmt werden. "Für uns war klar, dass wir frühlnigshaft dekorieren, selbst wenn draußen immer noch der Winter herrscht", sagt Inhaberin Rixa Pösse. "Wir wollen die Menschen motivieren."
Es scheint zu funktionieren: "Nach einem Wollpullover fragt mich niemand mehr. Die Kundinnen wollen leichte Sachen." Vor allem Aquatöne und Weiß verkauften sich gut, dazu blumige Muster und leichte Stoffe. "Leinen, eigentlich ein typischer Sommerstoff, geht momentan häufig über die Ladentheke. Vielleicht ein Indiz dafür, wie sehr die Bünder den Winter satt haben."
Ein sicheres Zeichen, dass der Frühling vor der Tür steht, ist eigentlich die Rückkehr der Inhaber italienischer Eiscafés. Roberto Pacini und sein Team haben bereits seit einigen Wochen wieder geöffnet, doch die Kunden ordern lieber Kaffee und Kuchen als einen Eisbecher. "Vor einem Jahr konnten die Bünder Mitte März an einigen Tagen schon im Freien sitzen und ihr Eis genießen", sagt Pacini. "Ich warte wie alle hier auf den Frühling. Die Stimmung in der Stadt ist gleich viel besser, wenn die Sonne scheint." Besonders beliebtes Frühlingseis bei den Elsestädtern: Cremiges Sahneeis. Es schmeckt wärmer als Fruchteis.