Bünde. Schlüssel werden verzweifelt vermisst – Fahrräder eher nicht. Das ist die Erfahrung des Ordnungsamtes, das zweimal im Jahr die Funde versteigert. Ab 14 Uhr kommen heute in der Tiefgarage des Bünder Rathauses auch ungewöhnliche Fundstücke unter den Hammer.
Ein Luftfilter von der Größe einer Waschmaschinentrommel, eine grün-weiß gestreifte Markise und eine komplette Gartenmöbelgarnitur – das sind nicht unbedingt Dinge, die man im Fundbüro der Stadt Bünde vermuten würde. Und doch gehören sie zu den Stücken, die heute unter den Hammer kommen.
"Die meisten Sachen werden ins Fundbüro gebracht. Einige bekommen wir von der Polizei", sagt Kerstin Wobker. Sie ist im Ordnungsamt auch verantwortlich für die Fundsachen. "Den Luftfilter haben wir von der Polizei. Er ist aus einem fahrenden Kleintransporter gefallen."
Ein halbes Jahr lag der ungebrauchte Filter für große Lkws zusammen mit den anderen Fundsachen im Keller des Rathauses, doch die Besitzer holten ihre verlorenen Gegenstände nicht wieder ab. Deswegen wird für sie heute Nachmittag ein neuer Eigentümer gesucht. Die Startgebote liegen bei einem Euro – oder bei fünf Euro für die Fahrräder. Hier hat der geneigte Bieter die größte Auswahl: 55 Drahtesel aller Farben, Größen und Ausstattungen hängen seit Monaten in der Tiefgarage, ohne vermisst zu werden. "Die Räder gehen meist so zwischen 10 und 50 Euro weg", sagt Wobker.
Besonders heiß umkämpft wird wohl der Zuschlag für ein blaues Moped der Firma Schwalbe sein. "Mehrere Interessenten haben schon im Vorfeld angerufen und nach dem Zustand der Maschine gefragt", sagt Wobker. Das Ordnungsamt könne diese Fragen nicht allzu detailliert beantworten, da die Mitarbeiter Fundsachen nicht auf deren Beschaffenheit prüfen. "Wir suchen lediglich nach Hinweisen, die uns auf den Besitzer bringen können."Das Nummernschild des Mopeds sei schon lange abgelaufen gewesen – der aktuelle Halter nicht mehr zu ermitteln.
Besser ging es Wobker und ihren Kollegen mit einem Fotoapparat. "Auf den gespeicherten Fotos war ein Ausweis gut zu erkennen", erzählt sie. Die Eigentümer waren schnell ermittelt und freuten sich über die Rückgabe ihres Fotoapparats. "Sie hatten befürchtet, ihre Erinnerungsfotos seien dahin." Auch abgegebene Portmonees könnten dank Ausweis meist ihren Besitzern zurück gebracht werden.
Fundsachen, die die Ordnungsbeamten nicht zuordnen können, landen schließlich bei der Versteigerung – oder im Müll. So erging es etwa einem Gebiss, das vor einigen Jahren im Fundbüro abgegeben wurde. "Es wurde von seinem Besitzer bestimmt vermisst", sagt Wobker lachend. "Aber abgeholt hat er es nicht. Ein gebrauchtes Gebiss können wir aber wirklich nicht versteigern." Wer sich überraschen lassen will, kann auf die Wundertüte bieten. Sie wurde vom Schwimmbad befüllt und enthält meist Modeschmuck. Aber auch Brillen oder Brillenetuis seien schon dabei gewesen. Der Inhalt ist eben eine Überraschung.