Der Frühling lockt die Bünder vor die Tür / Trimm-Dich-Pfad feiert 40. Geburtstag
Bünde. Die ersten Sonnenstrahlen nach dem eisigen Winter machen Lust auf Sport. Corinna Gorys-Könemann genießt walkend das gute Wetter. "Zwar hielt uns auch der Frost nicht ab – doch nun macht’s wieder doppelt Spaß", findet die Bünder Medizinerin, die mit ihrer Nordic-Walking- Truppe nun wieder Gas gibt. Die Lust am Sport im Freien hat Tradition: Der berühmte Trimm-Dich-Pfad feiert seinen 40sten Geburtstag.
"Man trimmt sich wieder. Im Wald und auf der Heide", so das Motto, als der Deutsche Sportbund (DSB) 1970 ein Konzept vorstellte, das einer gemütlich gewordenen Wohlstandsgesellschaft Beine machen sollte: Der Trimm-Dich-Pfad war geboren. Und obwohl Trimmen heute Aerobic, Walking oder Fitness heißt, steigt mit dem nahenden Frühling die Lust, dem Winterspeck den Kampf anzusagen.
Corinna Gorys-Könemann – damals Teenagerin – erinnert sich noch gut an die großangelegte Kampagne in Radio und TV, und an Trimm-Anlagen, die auch in Bünde aus dem Boden sprossen.
Ausgiebiges Schwitzen in der Öffentlichkeit – bis dato eher belächelt – wurde salonfähig. Der Oldenburger Sportwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Dieckert war Mitentwickler der Trimm-Kampagne. Die NW sprach mit ihm über die Erfolge: "Wenn ich zuvor im Wald joggen ging, feuerte man mich oft spöttisch an". Doch die Werbung habe Ruf des Sports an der frischen Luft verbessert.
Belächelt wurden anfangs auch die Nordic-Walker. "Manche wollten wissen, wo meine Skier abgeblieben seien", erinnert sich Gorys-Könemann und schmunzelt. Inzwischen ist das walken eine Volkssportart.
Ähnlich erfolgreich war dér "Trimm-Dich"–Aufruf: "Zwei Jahre nach Anlaufen der Aktion wussten 93 Prozent der Deutschen, was Trimmen ist – nur 92 Prozent kannten Coca Cola", so Dieckert. Ein Boom, der bis heute anhält. Gerade jetzt, da die Tage länger werden und die dicken Pullis in den Schrank wandern, hechelt mancher willig seinen Traummaßen entgegen. Bünder Fitness-Studios berichten von steigendem Zulauf je näher der Sommer kommt. "Der Februar war unser bislang stärkster Monat", sagt Mustafa Kurt, Betreiber des Bünder Studios "Injoy". Ähnliches verzeichnet "Fit and Sun" in der Rödinghauser Straße.
Der Ehrgeiz erhält Einzug in die Elsestadt – doch die Experten bremsen Übereifrige. "Noch ist genügend Zeit, um bis zum Sommer fit zu werden. Überanstrengung ist unbedingt zu vermeiden", sagt "Injoy"-Inhaber Kurt. Eine gesunde Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining hält er für die beste Lösung. "Als Anfänger je zwei Trainingseinheiten in der Woche", rät er. Allerdings nützte ausgefeiltes Training nichts, wenn die Ernährung auf der Strecke bleibe. "Ausgewogenheit ist dabei Trumpf", sagt Yvonne Lutz. Das heißt: Morgens Kohlenhydrate – Vollkornbrot und Müsli etwa. Mittags bieten sich Kartoffeln, Nudeln oder Reis an, dazu Eiweißhaltiges. "Abends sollte man auf Kohlenhydrate hingegen verzichten", rät Lutz.