Bünde. Wenn, wie zurzeit, Mineralölkonzerne scheinbar grundlos die Preise für Kraftstoff in die Höhe treiben, bleibt dem Autofahrer nur die Gegen-Offensive: Spritsparen. Ein Selbstversuch zeigt: es klappt - fast elf Prozent weniger Verbrauch - mit minimaler Selbstdisziplin und lediglich geänderter Fahrweise.
"15 Prozent lassen sich einsparen, wenn man einige Dinge beherzigt", sagen Verkehrsexperten. Von einigen Ratschlägen hat man schon gehört (siehe Tipps am Ende des Artikels), aber man hat sie sich selten zu Herzen genommen. "Nach dem nächsten Tanken will ich es wissen", dachte ich mir.
Am Ostermontag, 5. April, tankte ich 49,32 Liter Diesel in meinen Golf TDI, bis der Tank randvoll war und nichts mehr hinein passte. Der Tageskilometerzähler stand bei 897 Kilometern (er wird bei jedem Tank-Stopp auf "0" gestellt). Das macht einen Durchschnittsverbrauch von 5,50 Liter auf 100 Kilometer. Bis dahin entsprach meine Fahrweise: 3. Gang in Ortschaften, hochschalten bei etwa 3.000 Umdrehungen, überholen wo möglich (und erlaubt) und beim Abbremsen vor Ampeln runterschalten und dabei keinen Gang auslassen.
Nie über 1.800 Umdrehungen
Seit dem Tank-Stopp in der vergangenen Woche fristete ich mein Dasein als Autofahrer nicht im Schneckentempo, obwohl ich mich an die Experten-Tipps speziell zur Fahrweise hielt. Die besagen: sofort nach dem Anfahren in den 2. Gang schalten und die Nadel des Drehzahlmessers beim Beschleunigen nie die 1.800 (bei Dieselfahrzeugen) passieren lassen. Durch Orte fuhr ich, wenn nicht "Stop and Go" angesagt war, im 4., meistens im 5. Gang; im höchsten Gang ließ ich den Wagen auch auf längeren Gefällstrecken oder beim Annähern an eine Ampel oder Ortschaft rollen, manchmal bis zu 800 Meter bergab, ohne dabei durch die Schubabschaltung (siehe Infokasten) auch nur einen Tropfen Diesel zu verbrauchen. Überholt hatte ich zwar, allerdings nicht an Stellen, wo ein Runterschalten zum Beschleunigen erforderlich gewesen wäre. Erst kurz vor dem Anhalten hieß: "Kupplung treten, 5. Gang raus".
Gestern stand der Tageskilometerzähler bei 895, als ich auf meiner zurzeit noch täglichen Strecke von meinem Wohnort im Kreis Höxter nach Bünde unterwegs war und an einer Tankstelle bei Bad Salzuflen vorbei fuhr. Um das Ergebnis penibel genau errechnen zu können, fuhr ich noch knapp einen Kilometer weiter, drehte, und fuhr zurück zur Tankstelle, so dass der Kilometerzähler wieder exakt auf 897 stand. Dann stieg die Spannung.Erneutes Volltanken bis zum Anschlag. Als die Überlaufsicherung der Zapfsäule den Treibstofffluss blockierte, legte ich noch zwei kurze Spritzer Diesel nach, bis nichts mehr ging. Da stand die Uhr der Zapfsäule bei 44,15 Liter - 5,17 weniger als eine Woche zuvor. Das entspricht einem Verbrauch von 4,92 Liter auf 100 Kilometer. Eine Ersparnis von satten 10,55 Prozent - und das ganz entspannt, ohne Anstrengung. Denn brauchte ich mit alter Fahrweise in einem Durchschnitt aus fünf Arbeitstagen 84 Minuten für eine Fahrstrecke (immer morgens), lag der Schnitt in der "Sprit-Spar-Woche" bei 87 Minuten. Man benötigt beim moderaten Beschleunigen bis Tempo 100 vielleicht fünf oder sechs Sekunden länger, doch zahlt sich dieser völlig marginale Zeitverlust, wenn man davon überhaupt sprechen kann, aus.
Was sich außer der Fahrweise noch positiv auf den Verbrauch auswirkt und warum es beim Sparen sogar auf Tag und Uhrzeit ankommen kann, zu der man eine Tankstelle ansteuert, steht in unseren Infokästen.
Mittags ist es am günstigsten
Wer die Möglichkeit hat, Tag und Zeitpunkt des Tankens zu wählen, kommt statistisch an einem Montag um 13 Uhr am günstigsten davon. Am teuersten ist der Treibstoff an einem Freitag morgens um 7 Uhr und am Nachmittag gegen 16 Uhr, also zum Wochenende hin und wenn der Berufsverkehr rauscht.
Über den Tag verteilt schwankt der Preis je nach Sorte um bis zu 5 Cent. In der Annahme, dass die meisten Fahrer auf dem Wegzur Arbeit oder auf dem Heimweg tanken, sind zu diesen Zeiten die Preis höher als mittags. Im Wochenvergleich ist der Treibstoffpreis freitags am höchsten, montags am tiefsten. Die Mineralölkonzerne nutzen das höhere Verkehrsaufkommen zu den Wochenenden hin, um ihre Preise dann anzuziehen.
Dieses sind Ergebnisse einer Studie des ADAC, der berechnet hat, dass Vielfahrer (mehr als 30.000 Kilometer) je nach Verbrauch bis zu 200 Euro pro Jahr sparen können, wenn sie konsequent zum günstigsten Zeitpunkt tanken.
So schluckt er weniger
Weniger fahren, günstigere Tankstellen suchen, sparsameres Auto kaufen? Nicht für jeden sind das praktikable Lösungen. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen, die Geld sparen:
- Sofort nach dem Anfahren in den zweiten Gang wechseln und frühzeitig hoch schalten.
- Innerorts im 4./5. Gang fahren spart bis zu 2 Liter auf 100 Kilometer.
- Nicht zurückschalten, solange der Motor ruckelfrei läuft. Ausrollen im 4./5. Gang vor der roten Ampel. Durch die so genannte "Schubabschaltung" bewegt sich bei eingelegtem Gang zwar noch die Mechanik des Motors (Bremswirkung des Motors), allerdings wird kein Treibstoff verbraucht (nicht den Gang herausnehmen oder kuppeln).
- Reifendruck je nach Beladungszustand um 0,2 bar höherpumpen als angegeben. Der Reibungswiderstand wird vermindert. 0,5 bar zu wenig machen etwa 6 Prozent mehr Verbrauch aus. (Druck nur bei kalten Reifen prüfen).
- Die Klimaanlage treibt den Verbrauch um etwa 0,5 bis 2 Liter auf 100 Kilometer hoch.
- Unnötiger Ballast oder ein nicht beladener Dachgepäckträger kosten bis zu 1,5 Liter auf 100 Kilometer.
- Kurzstrecken vermeiden: Ein Benzinmotor verbraucht rund 30 Liter auf 100 Kilometer, wenn er auf die Strecke geht. In der kurzen Startphase läuft der Motor mit "fettem" Gemisch – verbraucht mehr.
- Sparen kann man an vermeintlichen Spritsparmitteln, die man in den Tank wirft. Sie haben laut ADAC keinerlei Auswirkungen auf den Verbrauch. (QUELLE: ADAC)