Bünde. Vergangenen Freitag stiegen zwei Freundinnen nach der Schule in den Bus. Die eine fand ihre Busfahrkarte nicht, da steckte die andere ihr ihre Karte heimlich zu. Das sah die Busfahrerin, zog die Karte ein und setzte die Beiden vor die Tür. Die Mutter ist empört, das Busunternehmen sieht kein Fehlverhalten der Fahrerin.
"Die Busfahrer können doch nicht Kinder vor die Tür setzen", ereifert sich die Mutter. "Ich muss mich darauf verlassen können, dass mein Kind von der Schule nach Hause kommt." Sie wohnen in Rödinghausen, vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Bünde, wo ihre 14-jährige Tochter zur Schule geht, ein weiter Weg.
Die Freundin der Tochter rief mit dem Handy ihre Mutter an, die die Beiden an der Schule abholte. "Ich bin nicht immer erreichbar, weil ich in Wechselschicht arbeite", sagt die Mutter der 14-Jährigen. "Was wäre, wenn meine Tochter mich in so einem Fall nicht erreicht?"
"Die Beiden wollten die Beförderung erschleichen und haben die Fahrkarte missbräuchlich genutzt, das ist eine Straftat", sagt Frank Jendrny, Geschäftsführer der Omnibus-Verkehrs-Gesellschaft Eduard Bollmeyer mbH & Co. KG, die den Schulbus zum Schulzentrum Nord fährt. Für ihn hat sich die Busfahrerin richtig verhalten. Ohne Fahrausweis bestehe keine Beförderungspflicht. "Das Ticket bezahlen die Eltern zu Beginn des Schuljahres, die Freundin meiner Tochter wäre nicht schwarz gefahren", argumentiert die Mutter. Das müsse die Busfahrerin doch wissen. Außerdem habe das Mädchen die Karte morgens noch gehabt.
"Unsere 35 Fahrer befördern täglich 1.000 Schülerinnen und Schüler und sind auf wechselnden Linien unterwegs, da kennen sie nicht jedes Kind", sagt Jendrny. Morgens fahre ein anderer Fahrer als mittags. "Nur Kinder, die weiter weg wohnen, bekommen von der Schule einen Fahrausweis, an dem sich die Eltern beteiligen", erklärt Volker Beinke von der Stadtverkehrsgesellschaft.
Nicht jedes Kind habe automatisch eine Monats-Fahrkarte. Auch in seinen Augen hat die Busfahrerin richtig gehandelt. "Die Karte weiterzugeben ist nicht in Ordnung", sagt er. Angesichts des Alters der Kinder (14 und 15) und dass die Fahrerin sie vor der Schule ausgesetzt hat, wäre das vertretbar. "Auf freier Strecke würden wir keine Kinder aussetzen", versichert Jendrny. Morgens und im Winter würden sie Kinder auch ohne Fahrausweis mitnehmen.
"Die Beiden hatten Angst, der Fahrerin die Wahrheit zu sagen, weil sie öfter im Schulbus laut wird", sagt die Mutter. "Über die Fahrerin hat sich noch niemand beschwert", sagt Jendrny. "In einer Großstadt würde das Busunternehmen Anzeige erstatten." Doch das will Jendrny nicht. Er wünscht sich ein Gespräch mit der 14-Jährigen. Wenn sie einsähe, dass sie sich falsch verhalten hat, bekäme sie ihre Fahrkarte wieder. "Wir reißen niemandem den Kopf ab."
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