Rödinghausen. Der Rauswurf zweier Schülerinnen aus dem Schulbus am Freitag in Bünde hat eine Flut an Kommentaren im Internet und Leserbriefen hervorgerufen. Teilweise im Minutentakt tippten Leser am Dienstag ihre Meinung in die Tastatur. Am Verhalten der Mädchen und der Busfahrerin scheiden sich die Geister. Andreas Stuke, Rechtsanwalt für Strafrecht in Bünde, stellte indessen klar, dass die Mädchen keinen Betrug begangen haben.
"Wenn Sie Ihre Dauerkarte fürs Schwimmbad vergessen haben kommen Sie auch nicht hinein", argumentiert Andreas B. in seinem Kommentar. Einige Leser erzählen aus ihren Erfahrungen als Busfahrer oder Kontrolleure und scheinen einigen Frust angestaut zu haben: "Ich bin selbst als Kontrolleur unterwegs", schreibt "Kontrolleur", "Sie können sich nicht vorstellen, wie viele ach so brave Schüler täglich unterwegs sind und ganz bewusst versuchen zu betuppen." Wer mit 14 oder 15 bewusst schummele und erwischt werde, müsse dafür einstehen.
Ein paar Stimmen, die auf der Seite der Mädchen stehen, melden sich auch zu Wort: "Ich bin verblüfft über das negative Echo", schreibt Andreas, "ich denke alle, die hier lauthals das Unternehmen in Schutz nehmen, würden noch viel lauter schreien, wenn ihre Kinder betroffen wären. Ich kann das Verhalten der Busfahrerin nicht nachvollziehen." Straftat hin, Straftat her, die Fürsorgepflicht stehe für ihn darüber. "Vergessen wir nicht, es sind Kinder!"
Vater sprach mit Busunternehmen
Achim Wulkow, Ratsherr der Linken, äußert sich in einer Stellungnahme: "Die Kinder hatten das Recht, befördert zu werden." Er beobachte jeden Morgen Autofahrer, die gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. "Kann man bei solchen Vorbildern, bei einem solchen ständigen Nichteinhalten der gesetzlichen Regeln von 14-Jährigen etwas anderes erwarten?" Eine Ermahnung hätte geholfen, die Karte beim nächsten Mal vorzuzeigen, das Recht, nach der Schule nach Hause gebracht zu werden, müsse Vorrang haben.
Die 14-Jährige hat inzwischen ihre Fahrkarte wieder. Gestern Abend ging ihr Vater mit ihr zum Busunternehmen Bollmeyer und sprach mit dem Geschäftsführer Frank Jendrny, sagt die Mutter. Sie hätten anstandslos die Karte wiederbekommen, Herr Jendrny sei sehr nett gewesen. "Aber ich bin entsetzt, dass es eine Busfahrerin gibt, die Kinder raussetzt", sagt die Mutter. Sie finde es bedenklich, dass ein Unternehmen Fahrer einsetze, vor denen die Kinder Angst hätten.
Andreas Stuke, Rechtsanwalt für Strafrecht aus Bünde, erklärt, dass die Mädchen keine Beförderung erschleichen wollten: "Sie haben nicht in der Absicht gehandelt, das Fahrt-Entgeld nicht zu entrichten. Das Mädchen habe eine gültige Dauerfahrkarte, die sie nur nicht vorzeigen konnte. Insofern wäre sie nicht schwarz gefahren. Auch ein Betrugsversuch läge nicht vor: "Die 14-Jährige wusste, dass ihre Freundin zur Fahrt berechtigt ist und wollte ihr aus der Bredouille helfen." Eine Täuschungshandlung läge zwar vor.
"Die Mädchen wollten sich jedoch keinen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschaffen und hätten das Busunternehmen nicht geschädigt." Deshalb liege kein Betrug und keine Straftat vor. Selbst wenn das Busunternehmen Anzeige gestellt hätte wäre nichts passiert.
Bernhard St. schlägt in seinem Kommentar vor, wie eine Situation wie am Freitag in Zukunft vielleicht verhindert werden könnte: "Es liegt an den Busfirmen oder der Stadt, ein System zu schaffen, das auch dann einen Karteninhaber identifizieren kann, wenn dieser seine Karte nicht dabei hat. Das können Namenslisten sein oder auch etwas Elektronisches."