Revell unangefochtener Marktführer in Deutschland / Mit Leonardo Da Vinci beginnt neue Ära
Bünde. Nur ungern gewährt Ulrich Taubert Besuchern Einblick sein geheimes Arbeitszimmer. Schließlich klebt der Chefentwickler in der Bünder Revell-Zentrale Modelle zusammen, die erst in ein, zwei Jahren auf den Markt kommen sollen - die sind natürlich Top-Secret. Ein Geheimnis wird Taubert dennoch lüften.
Ulrich Taubert führte schon Panzerarmeen an, als Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg das Licht der Welt noch nicht einmal erblickt hatte. Doch der 57-Jährige ist Kriegsdienstverweigerer - die Legionen fuhren im Miniaturmaßstab durch den Garten seines Elternhauses. Seit mehr als 40 Jahren baut Taubert für Revell Miniaturen zusammen und ist somit maßgeblich am Erfolg des traditionsreichen Unternehmens beteiligt.
Die Geschichte von Revell, sie ist auch die Geschichte einer großen Leidenschaft, die Anfang der vierziger Jahre in den USA begann (s.Info-Kasten). Erst 1947 kam Unternehmensgründer Lewis H. Glaser auf die Idee, aus mehreren Kunststoffteilen ein maßstabsgetreues Auto zu fertigen - die Geburtsstunde des Plastikmodellbaus. Schon 1956 übersprang die Begeisterung für das neue Hobby den "großen Teich" und revolutionierte die Freizeitbeschäftigung ungezählter Bastler und Sammler. In jenem Jahr wurde das deutsche Tochterunternehmen, die Revell Plastics GmbH in Bielefeld gegründet. Nur ein Jahr später verlegte das Unternehmen seinen Firmensitz nach Bünde.
"Aus den Hallen einer ehemaligen Zigarrenfabrik heraus wurden zunächst ausschließlich importierte Original-Bausätze aus den USA und Großbritannien in Deutschland und dem benachbarten Ausland vertrieben", erklärt Taubert. Erste eigene Bausätze wurden in den frühen siebziger Jahren in Bünde entwickelt. Mit der Ausweitung der Produktpalette veränderte sich auch das Unternehmen. Nach einigen Eigentümerwechseln und einem zwischenzeitlichen Gang an die Börse löste sich die deutsche Revell-Tochter im Jahr 2006 von seiner amerikanischen Muttergesellschaft und wurde unter der Leitung von Hans-Ulrich Remfert selbständig. Mit rund 80 Prozent Marktanteil ist die Revell GmbH & Co. KG heute unangefochtener Marktführer in Deutschland. Und das hat sie nicht zuletzt auch dem dem feinen Gespür ihres Chefentwicklers zu verdanken. Denn Ulrich Taubert hat sie alle begleitet, die Porsches und Ferraris, den Airbus A380, der eher als Modell im Verkaufsregal stand, als er in Realität am Himmel seine Kreise zog.
Am Anfang steht dabei immer die Idee, die Entscheidung, ob denn nun aus dem neuen Auto ein Modell werden soll oder es bei einer Studie bleibt. Marktforschung betreiben die Bünder nicht: "Das kommt alles aus dem Bauch", sagt Taubert, der schon oft den richtigen Riecher bewies: Der Fahrzeugfan setzte sich für die Modell-Umsetzung der legendären "BMW Isetta" ein. "Wer soll so einen Mist kaufen?", fragte sein Chef. Doch Taubert setzte sich durch - die "Isetta" wurde zu einem einem der meistverkauften Revell-Modelle überhaupt. Auf einen ähnlichen Erfolg hofft der Entwickler auch bei seinem neusten Clou: Erstmals in der Firmengeschichte bringt Revell in diesem Jahr Bausätze aus Holz auf den Markt. In Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum in Mailand hat Ulrich Taubert detailgetreue Funktionsmodelle der Maschinen Leonardo da Vincis entwickelt.