Bünde. Wer die Produktionshallen des Villiger-Werkes in Dünne betritt, kann Bündes Geschichte geradezu riechen. Der Geruch von Tabak liegt in der Luft. Keine Frage, in der Zigarrenstadt ist auch ein ganz Großer der Tabakwaren-Branche vertreten - die Villiger Söhne GmbH mit einer Produktion an der Landwehrstraße. Seit nunmehr 100 Jahren produziert das Schweizer Familienunternehmen in Deutschland. Ein Jubiläum, das natürlich gefeiert wird - auch in Bünde, obwohl die Zigarrenfabrik hier viel jünger ist.
Als die Villiger Söhne GmbH vor 28 Jahren ihren Neubau in Bünde eröffnete, war ein großer Teil der Zigarrengeschichte bereits geschrieben. Viele Betriebe hatten längst die Segel gestrichen. Bünde ist aber immer noch eine gute Adresse als Zigarrenstadt. Auch für das im idyllischen Städtchen Pfeffikon in der Schweiz gegründete Unternehmen Villiger. In der Welt exklusiver Zigarren und Zigarillos gehört der Name zu den Großen. Seit 100 Jahren produziert das Unternehmen in Deutschland. Seinen Hauptsitz hat es in Waldshut-Tiengen am Fuß des südlichen Schwarzwaldes.
Die Villiger-Gruppe ist ein Familienunternehmen in der vierten Generation, das international tätig ist. Jährlich werden über 800 Millionen Zigarren und Zigarillos produziert. Die Gruppe beschäftigt weltweit 840 Mitarbeiter, in Bünde sind es allein 240, davon sind 180 weiblich. Produziert wird rund um die Uhr in drei Schichten. Geleitet wird die Bünder Fabrik von Ernst-Wilhelm Busse (Technischer Leiter) und Bernd Peppmeier (Werksleiter).
Das Sortiment von Villiger Söhne reicht vom ECO-Cigarillo bis zur exklusiven Havanna in stark limitierter Auflage. Nach eigenen Angaben gehört Villiger zu den größten Importeuren von kubanischen Rohtabaken in Europa und ist zweitgrößter Zigarrenhersteller in der Schweiz. Darüber hinaus werden in der indonesischen Freihandelszone Ngoro Tabakdeckblätter aufbereitet.
Das Unternehmen bündelt die Kräfte im Vertrieb Deutschland und führt die Organisationen der Villiger Söhne GmbH und der El Mundo Del Tabaco Import GmbH unter dem Dach der Villiger Söhne zusammen. El Mundo del Tabaco wurde 1998 mit Sitz in Waldshut-Tiengen gegründet. Die Long-filler-Division der Villiger-Gruppe ist heute einer der führenden Importeure für Premiumzigarren in Deutschland und der Schweiz.
Gesteuert wird das alles von Heinrich Villiger. Dessen Großeltern, Jean und Louise Villiger, legten den Grundstein für das Unternehmen. Heinrich Villiger selbst gilt als einer der erfolgreichsten Unternehmer seiner Branche. Wobei er sich stets auf traditionelle Werte des Mittelstandes rückbesinnt - was vor fünf Jahren die Schlagzeilen vieler Zeitungen füllte. Denn als ein von den Villiger-Gesellschaftern eingesetzter familienfremder Geschäftsführer "betriebsbedingt" 50 Mitarbeiter entlassen wollte, ging das Heinrich Villiger gegen die Ehre. Er machte die Kündigung rückgängig, feuerte den Manager und übernahm mit 80 Jahren höchstpersönlich wieder die Leitung der Gruppe.
Am Wochenende wird der Grandseigneur der Zigarre das Bünder Werk besuchen und mit allen ehemaligen und derzeitigen Mitarbeitern das Jubiläum von Villiger Deutschland feiern. Während dessen gilt es aber auch, den Blick in Richtung Zukunft zu richten. Der Firmenchef zeigte sich besorgt über das Rauchverbot. Die Zigarrenbranche stehe seit den Steuererhöhungen unter Druck. Mit modernen Maschinen sollen die Produktionsmethoden künftig noch wirtschaftlicher werden, kündigt er an.