Anwohner der Borriesstraße vom Lärm der rumpelnden Lkw geplagt / Risse in der Hauswand entdeckt
Bünde. Bevor der Wecker klingelt, liegen bei Paul Holznagel und Marion Dörfler die Nerven blank. Es ist 4.15 Uhr in der Früh, draußen rumpeln die Lkw über die Buckelpiste vor ihrer Haustür. Erwischen die Schwerlaster eines der zahlreichen Schlaglöcher auf der Borriesstraße, klappert, rüttelt, schüttelt und rumst es gewaltig in ihrem Zimmer. Eine Beschwerde beim Landesbetrieb Straßen NRW blieb erfolglos. Der Grund: Für eine Reparatur der Straße sei kein Geld da.
Paul Holznagel und Marion Dörfler wohnen seit Jahren an der Borriesstraße 47. Der normale alltägliche Verkehrslärm hat sie bisher nie gestört. "Den hören wir längst nicht mehr", sagt das Paar. Doch das, was sich nun vor ihrer Haustür abspielt, wollen sie nicht länger tolerieren. Schnee und Eis haben der Straße im Winter besonders auf Höhe des Baufachzentrums Fretthold zugesetzt und den Asphalt regelrecht aufgesprengt. Die vielen Lkw auf der Strecke haben diesen Effekt noch verstärkt. Die notdürftig geflickten Löcher sind längst wieder mehrere Zentimeter tief – fährt hier ein Lkw drüber, vibriert laut Marion Dörfler die Kaffeetasse auf ihrem Wohnzimmertisch.
Ein paar Häuser weiter wohnt Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch. Auch seine Familie ist vom Lärm geplagt: Ich stehe morgens senkrecht im Bett, wenn unbeladene Lkw hier rüber fahren", sagte er vor kurzem. Selbst Sven Johanning, Pressesprecher der Regionalniederlassung OWL des Landesbetriebes NRW Bielefeld, ist die Sache offenbar unangenehm. "Es ist natürlich ein Problem", gibt er zu. "Aber wir können nicht alles machen, was wir machen sollten und müssten – dafür fehlen uns die Mittel." Man könne sich derzeit nur auf die notwendigsten Reparaturen beschränken, bedauert Johanning. Paul Holznagel will diese Erklärung nicht gelten lassen. "Die Lautstärke hier ist der Wahnsinn. Das können die doch nicht einfach ignorieren", sagt er und verweist darauf, dass er schließlich regelmäßig Steuern zahle.
Seine Frau macht sich indes Sorgen um das Haus. Oben im Flur und im Schlafzimmer sind ihr kürzlich Risse in den Wänden aufgefallen. "Die könnten durch die Vibrationen entstanden sein", vermutet sie. Holznagel befürchtet darüber hinaus, dass durch die regelmäßigen Erschütterungen die Abwasser-Kanäle unterm Haus beschädigt werden könnten. Vor allem weil er, wie alle Hausbesitzer laut Landeswasserschutzgesetz, bis zum Jahr 2015 dafür sorgen muss, dass die Anschlüsse auf dem eigenen Grundstück dicht sind. Das Paar erwägt nun, einen Gutachter kommen zu lassen, der die Risse und die Erschütterungen näher unter die Lupe nimmt.