Der Sommer-Schlussverkauf bietet modisches für kleine Geldbörsen: Ein Selbstversuch mit 100 Euro
Bünde. Der Juli neigt sich dem Ende - in den Geschäften läuft der Sommer-Schlussverkauf auf Hochtouren. Modefreunde geben sich in Bünder Boutiquen die Klinke in die Hand. Hier gibt’s 50 Prozent Rabatt, dort sind es gar 70. Ich mische mich unter die Schnäppchenjäger: Mit hundert Euro in der Tasche halte ich Ausschau nach schicken Teilen zum kleinen Preis.
In den Schaufenstern an der Eschstraße stechen leuchtende "SSV"-Lettern ins Auge. Ein Angebot scheint günstiger als das andere. In meiner Tasche rascheln zwei gelbe Scheine. Bekomme ich dafür ein nettes Outfit für’s Wochenende? Einen Versuch ist es wert. Der Camel-Store lockt mit günstigen Angeboten.
"Wir ziehen demnächst in ein größeres Gebäude am Wellensiekplatz um. Deshalb muss alles raus", sagt Jutta Sajonz. Eine beigefarbene kurze Hose hat es mir angetan, nur teuer sieht sie aus. "Die kann ich Ihnen für 29,95 statt 45,95 Euro anbieten", macht Sajonz mir das Schnäppchen schmackhaft. Dazu passend sucht sie einen schwarzen Gürtel - für 34,95 statt 39,95 Euro - und ein Shirt in lila aus. "Das ist die Kultfarbe des Sommers", weiß Sajonz.
SSV nicht mehr reglementiert
Bis Juli 2004 konnten Schlussverkäufe nicht nach Belieben der Geschäftsbetreiber durchgeführt werden, sondern waren streng an ein Datum gebunden und nur auf Saisonware beschränkt. Heute sind die Rabatt-Zeiten nicht mehr reglementiert. "Das deutsche Wettbewerbsrecht wurde damals als nicht mehr modern angesehen", erklärt Morenike Throl, Rechtsreferentin für die Industrie- und Handelskammer in Ostwestfalen, die Gesetzes-Änderung.
Mit 14,95 statt 19,95 Euro außerdem preiswert. Eine schwarze Bauchtasche für 24,95 statt 29,95 Euro lässt sich damit gut kombinieren. Voilà, fertig ist das sportliche Outfit. So kann ich mich im Sommerurlaub sehen lassen.
Mit insgesamt knapp 105 Euro hätte ich das Budget zwar leicht überschritten, dafür wäre ich komplett neu eingekleidet. Ich behalte das Angebot im Hinterkopf, schlage aber noch nicht zu. Erstmal sehen, was die Konkurrenz bereithält. Denn auch im Bünder Modehaus wartet Verlockendes. Geschäftsführer Jörg Nietzsche steht mir bei meiner Suche kompetent zur Seite.
Im Erdgeschoss lockt edler Zwirn. "Dieses Stück haben wir um sechzig Prozent reduziert", sagt Nietzsche zu einem schwarzen Anzug, der mir auf Anhieb gefällt. 59,95 statt 129,95 Euro für piekfeine Abend-Garderobe. Damit ist das Budget noch lange nicht erschöpft. "Perfekt kombinierbar mit einem unifarbenen Oberhemd", rät Nietzsche. Besonders die Farben lila, türkis und flieder lägen hoch im Kurs. Der Fachmann nimmt Maß - und bremst die Euphorie.
Leider ist meine Größe bereits ausverkauft. "Und bevor ich Ihnen etwas verkaufe, das nicht gut sitzt, lassen wir es lieber", sagt Nietzsche. Vielleicht werden wir im ersten Stock des Hauses fündig. Hier gibt’s sportliche Männermode. Der Kundenberater weist auf ein Oberhemd aus gröberem Stoff, das zu dem dunklen Anzug-Sakko prima aussieht. Das Hemd ist von 39,95 auf 19,95 Euro reduziert. "Dazu eine Stoffhose oder lässige Jeans und ein lockeres Halstuch", empfiehlt Nietzsche. Passt ausgezeichnet, denke ich und liege mit knapp 96 Euro noch vier Euro unter meinem Maximum.
Skeptisch | FOTO: PATRICK MENZEL
Auch dieses Angebot präge ich mir ein, bleibe aber aufgeschlossen für weitere Schnäppchen. Ein schmuckes Polohemd fehlt in meinem Schrank, finde ich und stöbere in der Boutique Anna Niemeyer. Ein Türkisfarbenes ist um 30 Prozent reduziert - kostet aber immer noch 59 Euro. "Qualität hat ihren Preis", sagt Annegret Peitsmeyer. Ich gebe ihr recht, wollte aber doch etwas mehr abstauben. So schaue ich noch bei Matrix vorbei.
"Ich glaube, da haben wir das Richtige", sagt Anett Wehr. Mit einer mittellangen Cargo-Hose in beige und einem lila-rot karierten Oberhemd trifft sie meinen Geschmack. Beides zusammen für rund 50 statt der regulären 90 Euro. Dazu wären noch Sneaker für 49,95 Euro drin. Nach diesem Einkaufsbummel ist klar: Sparen fällt beim SSV leicht und Optik sowie Qualität stimmen. Wirklich schwer wird erst, sich für ein Angebot zu entscheiden.