Ennigloherin wundert sich über Straßenbeleuchtung am hellichten Tag / Nachts wird Licht gedimmt
Bünde-Ennigloh. Als Anita Schneiders Enkel vor gut einem Jahr am frühen Mittag von der Schule nach Hause kam, wunderte er sich über die Straßenlaternen, die brannten. Seitdem leuchteten etwa fünf Mal in der Ennigloher Hochstraße mitten am Tag die Laternen. Dafür gibt es eine einfache Erklärung, wie sich nun herausstellte.
"Mein Enkel war ganz irritiert", erzählt Anita Schneider (Name geändert). "In der Schule lernen sie, Energie zu sparen, und zu Hause brennen am hellichten Tage die Straßenlaternen. Das ist doch Stromverschwendung. Und es zahlen die Bürger." Sie rief bei der Stadt an, weil sie ihrem Enkel erklären wollte, warum das so ist.
Doch von einem Mitarbeiter des Bürgerbüros bekam sie die Auskunft, das sei Sache von Eon, die Stadt habe nichts damit zu tun. "Vielleicht baut Eon damit Überkapazitäten ab?", vermutet Schneider. Vergangene Woche, als sie vormittags vom einkaufen wiederkam, brannten die Lichter wieder.
"Es passiert überall mal, dass die Straßenbeleuchtung am hellichten Tage brennt", sagt Heinfred Wehmer von der Stadt Bünde. Er arbeitet in der Straßenbau-Abteilung und ist zuständig für die Straßenbeleuchtung. Wenn Anwohner defekte Lampen melden, schaltet die Stadt in der betreffenden Straße das Licht ein, damit der Wartungstrupp von Eon sieht, welche Lampe er austauschen muss. Da mehrere Straßen an einem Schaltkreis hängen, leuchtet gleich das halbe Viertel.
Wenn Wehmer und Kollegen die Straßenbeleuchtung nicht per Hand einschalten, geht sie automatisch ein und aus. In jedem Stadtviertel gibt es einen Dämmerungsschalter, der die Lampen anspringen lässt, wenn es dunkel wird und sie ausschaltet, wenn der Morgen graut.
5.300 Straßenlaternen stehen in Bünde. Sie verteilen sich auf 256 Kilometer befestigte Straßen, die sich durch die Stadt schlängeln. Damit sie auch im Dunkeln hell erleuchtet sind, zahlt die Stadt pro Jahr eine Stromrechnung von 300.000 Euro. Um diese Kosten zu reduzieren, dreht die Stadt das Licht zwischen 22 und 6 Uhr morgens herunter. In den alten Straßenlaternen leuchtet statt zwei 125 Watt-Lampen nur noch eine, die neuen Laternen werden von 100 auf 70 Watt gedimmt. Wehmer schätzt, dass so ein Drittel weniger Strom verbraucht wird.
Weiter reduziert werden die Kosten, indem die alten Quecksilber-Dampflampen durch Natrium-Dampflampen ersetzt werden. Eine EU-Verordnung verbietet die alten Laternen ab 2015.
Dass in Bünde nachts die Laternen ausgeschaltet werden, wie es Herford seit zwei Wochen ausprobiert, hält Wehmer für unwahrscheinlich: "Rödinghausen hat das vor ein paar Jahren ausprobiert, Kirchlengern bereits vor 20 Jahren. Nach einem Vierteljahr wurde es wieder rückgängig gemacht. Das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit ist so groß, dass sie erleuchtete Straßen auch nachts fordern."
Neue Laternen sparen Strom und Geld
In Anliegerstraßen stellt die Stadt seit 20 Jahren Kompakt-Leuchtstofflampen mit 18 bis 24 Watt auf, sagt Heinfred Wehmer von der Abteilung Planen und Bauen.
Nur an Hauptverkehrsstraßen wie der Lübbecker Straße, Enger Straße, Gerhart-Hauptmann-Straße oder der Brunnenallee und Kreuzungen stehen noch Quecksilberdampflampen, die das giftige flüssige Metall enthalten. Im Juni 2009 hatte der Rat der Stadt Bünde beschlossen, diese 582 Lampen auszutauschen.
Seit Oktober wurden 398 Laternen ausgewechselt, bis Ende des Jahres will Wehmer die restlichen 184 austauschen. 250.000 Euro kostet das, 200.000 Euro davon decken Mittel des Konjunktur-Pakets-II, 50.000 Euro zahlt die Stadt.
In den alten Lampen spenden zwei Leuchtkörper à 125 Watt Licht, in den neuen nur ein Körper à 70 oder 100 Watt. Allein in der Gerhart-Hauptmann-Straße werden so pro Jahr 24.380 Euro Stromkosten eingespart, das sind 39 Prozent. 33 Lampen wurden hier getauscht, nach weniger als vier Jahren wird sich die Investition in die Umrüstung amortisiert haben.