Kirchlengern/Kreis Herford. Was macht man nach der Schule? Studieren, sagen die Einen. Arbeiten, sagen andere. Doch es gibt noch ganz andere. Solche "anderen" sind Lisa Schildan und Philipp Schneider, sie absolvieren ein freiwilliges ökologisches Jahr in der biologischen Station Ravensberg in Kirchlengern.
"In der Schule wusste fast niemand, was das überhaupt ist", sagt der neunzehnjährige Philipp, wie seinen Mitschülern geht es vielen. Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist längst nicht so bekannt wie sein Pendant, das Freiwillige Soziale Jahr. Philipp nennt das FÖJ "Soziales Jahr für den Naturschutz". Seit dem 1. August arbeitet er zusammen mit Lisa bei der biologischen Station. Zusammen mit den Mitarbeitern des Herrenhauses wirken sie vor allem an großen Projekten in der Region mit.
"Wir bekämpfen beispielsweise die Herkulesstauden im Kreis oder erfassen die Kopfweiden.", erklärt die Siebzehnjährige. Neben der praktischen Arbeit in der Natur arbeiten die Beiden am Computer. "Anders als ein Zivildienstleistender machen wir auch Büroarbeit", erklärt Philipp. "Wir führen Buchungen durch, machen Pressearbeit und gestalten die Homepage."
Freiwilliges ökologisches Jahr
Seit 1995 wird in Nordrhein-Westfalen das FÖJ angeboten. Junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren erleben zwischen dem 1. August und dem 31. Juli des nachfolgenden Jahres einige ökologische Tätigkeiten und betreiben Naturschutz.
In NRW gibt es 200 Plätze für das FÖJ, wovon 40 Plätze von den biologischen Stationen angeboten werden. Zahlreichen Interessenten ist es nicht möglich, ein FÖJ zu absolvieren, so dass die Landesregierung eine Aufstockung des Bildungs- und Orientierungsjahres plant. Für das FÖJ ist kein Schulabschluss erforderlich. Die Absolventen erhalten je nach Entfernung zur Einsatzstelle ein Taschengeld, das mindestens 250 Euro beträgt.
In den zwölf Monaten des FÖJ nehmen sie außerdem an fünf Seminaren teil. "Solche Seminare dauern gut fünf Tage", sagt Lisa. "Themen sind dort zum Beispiel die Umweltproblematik oder die Land- und Forstwirtschaft." An diesen Seminaren nehmen "FÖJler" aus ganz Westfalen teil und tauschen sich aus.
Ein ökologisches Jahr absolvieren Jugendliche aus verschiedenen Gründen. "Manche wissen einfach nicht, was sie nach der Schule machen sollen", sagt Stationsleiter Klaus Nottmeyer. Bei Lisa und Philipp ist das nicht der Fall. Lisa war in einer Umweltgruppe aktiv, als sie noch zur Schule ging. Nach ihrer mittleren Reife bewarb sie sich folgerichtig für ein FÖJ in Kirchlengern.
Philipp hatte sein Bildungs- und Orientierungsjahr schon Monate vorher geplant: "Im Herbst letzten Jahres entschloss ich mich für ein FÖJ." Nach dem Abitur im Sommer gönnte er sich keine Ruhepause. Er selbst bezeichnet sich als "grünen Menschen" und plant "eventuell ein Studium im Umweltingenieurswesen." Auch Lisa ist sicher, nach dem Jahr weiter im biologischen Bereich zu bleiben, in welcher Form, wisse sie noch nicht.
Ein typischer Arbeitstag der Beiden beginnt morgens mit einer Dienstbesprechung und endet am späten Nachmittag. Sie lernen verschiedene ökologische Berufe kennen und arbeiten stets zusammen. "Wir sind quasi ein Team", sagt Lisa und lächelt.
In der Station haben beide einen Betreuer, der die Hälfte der Woche für sie da ist. "Außer Herrn Nottmeyer und uns ist kaum jemand an fünf Tagen der Woche hier", erklärt Philipp. Honoriert wird die Arbeit mit einem Taschengeld, das vom Land NRW sowie zum Teil von der Station finanziert wird.
Am Ende des FÖJ erhalten Lisa und Philipp eine Bescheinigung und ein Zeugnis, außerdem ersetzt das FÖJ zwei Semester einer Universität, falls die Beiden in dem Gebiet weiter studieren wollen. Lisa sieht seit ihrem ökologischen Jahr die Natur mit anderen Augen: "Man achtet in vielen Kleinigkeiten mehr auf die Umwelt und die umliegenden Pflanzen." Auch Philipp merkt, "wie umweltschonend man selbst und die anderen Menschen leben."