Bünde. Kinder allein den Weg zur Grundschule antreten zu lassen, kostet Eltern oft schon Überwindung. Doch ist die meist näher am Zuhause als die weiterführende Schule. Das Gymnasium am Markt lässt mit Beginn des Schuljahres gut die Hälfte der Fünftklässler, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, von älteren Schülern, den Fahrradscouts, begleiten - bereits im vierten Jahr mit Erfolg.
Die Zehn- und Elfjährigen finden es "einfach cool", morgens von den Großen abgeholt und mittags wieder nach Hause gebracht zu werden. Eine Woche lang fahren sie in Kolonne, pro Scout fünf Schüler. Größere Gruppen, die in der selben Gegend in Bünde oder Umgebung wohnen werden von entsprechend mehr Aufpassern begleitet. "Von den 120 jetzt eingeschulten Fünftklässlern haben sich die Eltern von 50 Schülern entschieden, ihr Kind begleiten zu lassen", erklärt Lehrer Christian Kowalewsky, der das Projekt koordiniert. "Das gibt sowohl Eltern wie Kindern, aber auch uns als Schule ein gutes, sicheres Gefühl."
Rund um das Marktgymnasium herum bietet sich dann eine Woche nach Ferienende ein interessantes Schauspiel auf den Straßen, wenn die mit neongelber Weste ausgestatteten Scouts ihre Gruppen anführen und besonders an Gefahrenstellen einwirken. Die "Großen" sind allesamt Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 10 und 11. Gegen 7.45 Uhr steuern diese Gruppen aus allen Himmelsrichtungen das Gymnasium an.
Die Scouts
Als Fahrradscout sind am Marktgymnasium aktiv: Renate Boldt, Laura Finkemeier, Jennifer Hegenbart, Yvonne Heinrich, Domenica Tölke, Kathleen Wulf, Anita Budamert, Magnus Dreyer, Annika Schmiedlau, Maximilian Valdorf, Maxim Busse, Pascal Fetting, Andre Esau, Asko und Björn Köhn, Karoline Oestreich, Madeline Schmolke und Merle Semmelmann.
Am Ende des vergangenen Schuljahres haben sich 18 Schülerinnen und Schüler dazu bereit erklärt, diese ehren- wie verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. "Ein gewisser planerischer Aufwand ist dann die Aufteilung der Gruppen und Festlegung der Routen anhand des Stadtplans", sagt Christian Kowalewsky. Die Scouts sind daraufhin mit den Eltern in Kontakt getreten und haben Abholzeiten und Treffpunkte festgelegt, die meist in unmittelbarer Nähe zu Haus oder Wohnung liegen.
Zuvor belegten alle Scouts eine Zusatzausbildung bei der Polizei. "Dort wurden uns dann noch einmal die Unfallschwerpunkte und generell die Gefahrenstellen im Straßenverkehr auf unseren Routen nahe gelegt", sagt die 16-jährige Domenica Tölke. "Uns wurde dabei auch bewusst gemacht, dass wir mit unserem Verhalten bei den Fünftklässlern auch als Vorbild gelten und ihnen im Grunde schon dadurch eine Orientierungshilfe geben", ergänzt Kathleen Wulf (16).
In den ersten vier Tagen dieser Woche gab es in keiner Gruppe Probleme oder Gefahrensituationen. Sollte mal ein Fünftklässler mit seinem Rad aus der Reihe tanzen, "dann reicht es schon, wenn wir nur kurz seinen Namen rufen", sagt Domenica, die mit Kathleen gemeinsam eine größere Gruppe von acht Schülern begleitet. Sie legen einen Weg von nur einigen Minuten zurück, aber es gibt auch die Ausnahmen.
Eine Kleingruppe fährt morgens wie mittags die Strecke zwischen Rödinghausen und Bünde. Eine gute dreiviertel Stunde dauert eine Fahrt. "Von der Elternseite gibt es viel positive Resonanz", so Christian Kowalewsky. "Sie freuen sich darüber, dass ihre Kinder den neuen ungewohnten und weiteren Schulweg auf diese Weise gut kennen lernen und selbstbewusst und sicher zur Schule und wieder nach Hause kommen."
Die Fahrradscouts sind Teil der schon bundesweit prämierten Aktion "It’s cool to bike to School". Weitere Erfolge am Marktgymnasium sind die Einführung von sicheren Abstellplätzen mit chipgesteuerten Türen, die Fünfhausenstraße als Fahrradstraße und der jährliche Fahrradaktionstag für die gesamte Jahrgangsstufe 7 der Schule. Eine Broschüre für alle Eltern dient als Planungshilfe zur Auswahl des sichersten Schulweges.
Weitere Fahrradabstellplätze sind geplant. Denn knapp 50 Prozent der 1.200 Schüler am Marktgymnasium kommen im Sommer per Rad - im Winter sind es beachtliche 40 Prozent.