Country-Sänger Uwe Schumacher war unter den letzten 20 von 19.000 bei der Casting-Show
Kirchlengern/Berlin. Uwe Schumacher lebte 41 Jahre in Köln, hatte viele Auftritte während der Karnevalszeit. Allerdings nicht mit der Musik, die der 46-Jährige erst seit ein paar Jahren macht. "Dat wa früher nur Karnevals-Mucke", sagt er. Er hat sich der Country-Musik verschrieben und landete im Frühjahr bei der Casting-Show X Factor im Fernsehen. In der vergangenen Woche schied er aus - aber nur, weil er selbst die Bremse zog.
Uwe Schumacher ist in Musik-Kreisen als Solo-Künstler besser bekannt als "Cody", oder mit seiner fünfköpfigen Band, den "Churchtown Cowboys". Der Liebe wegen zog es ihn vor fünf Jahren vom Rhein nach Quernheim. "Ich musste da einfach weg. Mit der Zeit geht Dir auch als Kölner der Karneval auf den Zeiger."
Während seines Jobs als Fernfahrer entdeckte Schumacher Ende der 1980er Jahre seine Liebe zur Country-Musik. Ab 2004 trat er als Cody anfangs allein auf, später auch mit Band in ganz Deutschland.
"Tja, und X Factor", beginnt Cody zu erzählen, "wer die Idee dazu hatte, weiß ich heute auch nicht mehr so genau. Im Grunde dachte ich, ich bin zu alt dafür", strahlt dabei mit einem Augenzwinkern seine Verlobte Marina Kinast an, beide wollen im kommenden Jahr heiraten. Die Idee gefiel ihm im März aber immer besser. "Na ja, also auf zum Casting nach Köln, dachte ich." Mit einem Freund fuhr er zu den Vorausscheidungen des privaten Fernsehsenders - standesgemäß mit einem riesigen amerikanischen Truck, wodurch der Country-Star aus Quernheim schon zum ersten Mal die Show auf seiner Seite hatte und die Fernsehkameras für sich interessierte.
"In dem Vorcasting wurde schon ordentlich ausgesiebt. Da war aber noch nicht die Jury dabei, die man aus dem Fernsehen kennt." Sarah Connor, Till Brönner und George Glueck kamen beim zweiten Mal im Mai dazu. Und auch da kam Cody eine Runde weiter, mit jeweils einer Ja-Stimme von Till Brönner und Sarah Connor. Das war dann das Ticket zum "Boot Camp" in Berlin im August. "Warum das so heißt, weiß ich auch nicht", sagt Cody, der sich zu der Zeit jedenfalls wunderte, dass "sehr sehr gute Sängerinnen und Sänger" ausgefiltert wurden, von denen er erwartet hätte, dass sie einen Spitzenplatz bekommen. Sie hätten nicht den "X Factor" wurde ihnen gesagt. "Aber was das genau heißt, hat niemand von uns erfahren." Viele Tränen habe es von denen gegeben, für die dort in Köln schon Endstation war."Man darf sich X Factor aber nicht vorstellen wie andere Casting-Shows, bei denen die Bewerber abgesaut werden nach Art eines Dieter Bohlen. Die Kritik von den drei Juroren war wirklich konstruktiv." Und bis dahin war für Uwe Schumacher die Casting-Welt noch in Ordnung und er freute sich auf die nächste Runde Ende August in Berlin. Bis dahin trat er auch jedes Mal mit Stücken aus seinem Genre, der Country-Musik auf. Das sollte sich ändern.
Kurz vor dem Boot Camp in Berlin erhielt der Sänger eine Mitteilung per E-Mail. Darin standen die Titel, die er dort in der nächsten und übernächsten Runde vortragen sollte. Und die lagen ihm so gar nicht: "Every Breath You take" von The Police und "I just called to say I love You" von Lionel Richie. Uwe Schumacher griff sofort zum Telefon und ließ die X-Factor-Redaktion wissen, dass das absolut nicht gehe. "Bring die Stücke doch auf Deine eigene Art rüber", so die Antwort aus Berlin.
Schumacher tat es. Und Sarah Connor, die musikalisch aus einer völlig anderen Musik-Generation stammt, war gerade dabei, Cody ihre Zustimmung auszudrücken, wenn auch Jury-Kollege George Glueck anderer Ansicht war. Doch bevor der zu Wort kam, kam Cody ihm zuvor: "Ich verabschiedete mich einfach, weil ich es mit meiner Musik, mit Country-Musik, schaffen wollte. Da wurde mir schnell klar, dass die wieder eine junge Band suchen oder junge Typen mit Schlafzimmerblick." Geärgert hat es den 46-Jährigen dennoch nicht, denn er war unter den letzten 20 von 19.000.
Die Teilnehmer durften während ihrer Aufenthalte in Berlin und Köln nicht fotografieren und den Sendern RTL bzw. Vox war es seit Donnerstagabend trotz mehrfacher Anfrage bis Redaktionsschluss nicht möglich, ein Bild mit Sänger Cody auf der X-Factor-Bühne zur Verfügung zu stellen.
Ein Vertrag mit 24 Seiten
Nachdem sich Uwe Schumacher bei X Factor beworben hat, bekam er zu allererst viel zu lesen. 24 Seiten Vertragsunterlagen der Produktionsfirma Grundy. "Da verkaufst du dich komplett und trittst alle Rechte an deinen Aufnahmen ab", sagt Schumacher. Die Teilnehmer verpflichten sich auch, so lange keine Videos von sich und ihren Auftritten im Internet zu veröffentlichen, bis sie ausgeschieden sind. Bei einem Band-Auftritt der "Churchtown Cowboys" im Frühjahr musste Cody die Gäste bitten, keine Aufnahmen zu machen und ins Netz zu stellen und erklärte das mit seiner Teilnahme bei X Factor. "Die hatten eigentlich alle Verständnis." Er selbst benötigte für seine Aufenthalte in Köln und Berlin nur einige Tage Urlaub.
In der Endphase der Casting-Show kommen die letzten neun Teilnehmer neun Wochen lang nicht mehr nach Hause, weil sie von ihrem Mentor für die Auftritte von morgens bis abends trainiert werden. Sie brauchen unbezahlten Urlaub von ihrem Arbeitgeber, bekommen dafür aber einen finanziellen Ausgleich vom Fernsehsender.