Kreis Herford. Nach dem Tod eines Besuchers hat Superintendent Michael Krause am Samstag die Krisensynode des Kirchenkreises Herford abgebrochen. Statt die Affäre um die geheime 50-Millionen-Euro-Rücklage aufzuarbeiten, standen die 160 Synodalen dicht gedrängt in der Cafeteria des Lutherhauses, um für einen Verstorbenen zu beten.
In der Mittagspause war der Besucher, ein früherer Presbyter, Synodaler und Laienprediger, ein aktives Mitglied der evangelischen Kirche, zusammen gebrochen. "Er war krank, wollte aber die Beratungen unbedingt verfolgen", sagt eine Freundin.
Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Besuchers feststellen. Eine Pfarrerin kümmerte sich um die Ehefrau. Krause bat die Versammelten zur Andacht, brach dann nach Vaterunser und Segen die Synode ab. "Dieses Ereignis hat uns die Brille wieder richtig herum aufgesetzt", sagte die Herforder Pfarrerin Katarina Kenter-Töns. Am Vormittag hatten die Synodalen einen halbstündigen Bericht des Superintendenten mit demonstrativem Beifall aufgenommen. Krause sprach von dem Sondervermögen als von einer "sonderbaren Geschichte, die den Kirchenkreis, seine Gemeinden und Einrichtungen derzeit in ein schlechtes Licht rückt".
Es handele sich eindeutig um Verstöße gegen die Kirchenordnung. Die der Kirche wichtigen Grundsätze von Transparenz und und Beteiligung seien nicht beachtet worden - "auch wenn diejenigen, die das Vermögen eingerichtet und jene, die die Anlage fortgeführt haben, jeweils in guter Absicht handelten". Krause rief zu umfassender Aufklärung und zu einem gemeinsamen Neuanfang auf. Kritisch bemerkte er, dass zahlreiche anonyme Briefe, zum Teil mit Insider-Wissen über das Geschehen, im Umlauf seien: "Eine verdunkelte Vorgehensweise kann ihrem Wesen nach nicht zur Aufklärung beitragen".
Wie Krause bekräftigte auch Landeskirchenrat Dr. Thomas Heinrich, dass das Schweigen über das Sondervermögen als Verstoß gegen Kirchenrecht zu werten sei. "Sparen als Selbstzweck kennt das kirchliche Finanzrecht nicht". Künftige Zinsen dürften allenfalls zum Ausgleich der Inflation weiter angespart werden, müssten sonst in den Haushaltsplan eingestellt werden. Dann trat die Synodalassessorin (Stellvertreterin des Superintendenten) Pfarrerin Brigitte Janssens ans Pult.
Sie verlas im Namen des für seine Verschwiegenheit heftig kritisierten Kreissynodalvorstands (KSV) eine vorbereitete Erklärung: "Dafür, dass wir vom Sondervermögen gewusst haben und uns dennoch in die Tradition und Geschichte des Schweigens haben hinein nehmen lassen, bitten wir Sie als Gremium wie auch als einzelne KSV-Mitglieder um Entschuldigung".
Alle acht KSV-Mitglieder erklärten ihren Rücktritt. Bis zum Neuwahl auf einer Sondersynode Anfang Mai werden die jeweiligen persönlichen Vertreter den KSV bilden. Für die Aussprache waren zwei Stunden angesetzt. Doch es kommt anders: Am kommenden Freitag, 19 Uhr, soll die Synode fortgesetzt werden.
Zinsen schon fest eingeplant
Bereits mit dem Haushaltsplan 2011 will der Kirchenkreis die Zinserträge aus dem 50-Millionen-Euro-Sondervermögen in Höhe von 1,5 Millionen Euro als Einnahme verbuchen – und ausgeben. Das sieht der Etat-Entwurf vor, der der Kreissynode am Samstag vorgelegt wurde.
Ohne diese Einnahme stünde der Kirchenkreis vor einer neuen Spardebatte, sagte Landeskirchenrat Dr. Thomas Heinrich am Morgen vor der Presse. Laut Etatentwurf steigen gegenüber dem Jahr 2009 die Ausgaben der Finanzgemeinschaft um 1,3 auf 15,8 Millionen Euro, während die Einnahmen aus der Kirchensteuer zu 2009 um 0,5 Millionen Euro zurück gehen.
Nach wie vor ist unklar, wie das 1967 gebildete geheime Sondermögen in den Anfangsjahren so hohe Renditen bringen konnte. Es lägen nicht mehr alle Belege vor, berichtete Heinrich, der bis 1998 eine Durchschnittsrendite von 13 Prozent errechnet hat.
Zwei kirchliche Verwaltungsfachleute im Ruhestand aus Unna und Gladbeck sollen bei der Neuordnung des Finanzwesens für eine Übergangszeit Superintendent Krause zur Seite stehen: Hans-Georg Klohn (63) und Gerd Wiescher (60).