Bünde/Kirchlengern. Das war ein Schreck in den Morgenstunden: Als Nelli Kersten Mittwochvormittag vom Einkaufen zurückkam, schlängelte sich vor ihr etwas über den Weg. Erschrocken wich sie zurück, erkannte sofort, dass es sich keineswegs um eine kleine Blindschleiche handelte. Was da in Richtung Haustür kroch, war eine über einen Meter lange Schlange, vermutlich eine Natter. Dem Halter des Reptils droht nun Ärger.
Der Notruf aus Kirchlengerns Meierhofsiedlung erreichte die Polizei um 9.30 Uhr. Nelli Kersten meldete den Beamten ihren ungewöhnlichen Fund. Vor Ort wurde es den beiden Polizisten dann ziemlich mulmig - niemand konnte sagen, mit welcher Art von Schlange sie es zu tun hatten. Die Feuerwehr rückte an. "Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um ein giftiges Tier handelte", sagte Kirchlengerns stellvertretender Feuerwehrchef Burkhard Schürmann. Ein Feuerwehrmann mit dicken Handschuhen griff beherzt zu und ließ das Reptil in einer blauen Tonne verschwinden.
Mit dem Einsatzwagen wurde die Schlange dann zum Gerätehaus auf dem Hüller gefahren. Dort nahm ein Mitarbeiter des Tierheims in Ahle das Reptil in Empfang. Um welche Art von Schlange es sich handelte, vermochte er nicht zu sagen. "Ein Reptilienexperte wird das Tier unter die Lupe nehmen und es bestimmen", sagte er. Renate Siekkötter vermutet, dass die Schlange aufgrund ihrer Farbgebung einer Nattern-Art zugeordnet werden kann. "Nattern sind zwar aggressiv, aber ungefährlich", erklärte die Vorsitzende des Tierschutzvereins Herford. Zu Hause sei die ungiftige Schlange in einem Gebiet vom Süden der USA bis nach Washington.
Gefährdung für das heimische Ökosystem?
Die Suche nach dem Besitzer der Schlange gestaltete sich bislang erfolglos. Erste Vermutungen, das Reptil könne dem Zirkus Salto, der seit gestern in Kirchlengern campiert, entwischt sein, bestätigten sich nicht. Man vermisse keine Schlange, heißt es von Seiten des Zikus.
"Wenn das Tier unter Artenschutz steht, muss es bei der unteren Landschaftsschutzbehörde in Herford gemeldet sein", gibt der Sprecher des Kreises Herford, Klaus Wöhler, Hoffnung auf ein baldiges Auffinden des Halters. Gleiches gelte für gefährliche Tiere und Arten aus anderen Teilen der Erde. "Diese könnten das heimische Ökosystem gefährden", begründet er. Auf jeden Fall müsse der Besitzer des entflohenen Tieres für den Einsatz aufkommen, so Wöhler abschließend.
Das bestätigt auch Olaf Kollmeier vom Ordnungsamt der Gemeinde Kirchlengern: "Sollte sich der Halter nicht bei uns melden, versuchen wir ihn ausfindig zu machen. Er wird dann die Kosten für den Feuerwehr-Einsatz tragen müssen."