Kirchlengern/Minden. Notruf aus der Oberbauerschafter Straße. Auf dem Gelände der Klosterbauerschafter Alttraktorenfreunde ist es zu einem Unfall gekommen. Die Retter rasen los – und sind schnell an der richtigen Adresse. Aber leider in der Gemeinde Hüllhorst und somit im falschen Kreis. Die 112 wurde per Handy aus der Oberbauerschafter Straße in Kirchlengern (Kreis Herford) alarmiert.
Dienstagmorgen, 9.36 Uhr: Alttraktorenfreunde-Chef Fred Eikötter findet seinen Vereinskollegen Heinz W. am Fuße einer Kellertreppe. Der 77-Jährige ist bewusstlos, aus einer Wunde am Hinterkopf rinnt Blut. Eikötter wählt mit seinem Handy die 112 und läuft in der Leitstelle in Minden auf. Er beantwortet dem Disponenten die fünf W-Fragen (Kasten) und weist darauf hin, dass der Einsatzort an der Oberbauerschafter Straße im Kirchlengerner Ortsteil Klosterbauerschaft liegt. "Eine präzise Angabe, so wie ich es in meinem Beruf gelernt habe", sagt der seit sieben Wochen pensionierte Feuerwehrmann.
Um 9.54 Uhr – 18 Minuten nach dem Notruf – meldet sich die Leitstelle auf Eikötters Handy zurück und erkundigt sich nach der genauen Adresse. Die Rettungskräfte hätten den Einsatzort auf dem Gebiet der Gemeinde Hüllhorst gesucht, habe ihm der Disponent mitgeteilt, sagt Eikötter. Er greift zum Handy, ruft seine ehemaligen Kollegen der Feuerwache Bünde an und fordert vorsorglich eine weitere Notarzt- und Rettungswagenbesatzung an. Die trifft um 10.16 Uhr an der Oberbauerschafter Straße in Kirchlengern ein. Fast zeitgleich biegen auch die Retter aus dem Kreis Minden-Lübbecke auf das Gelände der Alttraktorenfreunde ein. Exakt 40 Minuten sind seit ihrer Alarmierung vergangen.
Tim Upheber, Leiter der Kreisleitstelle Minden-Lübbecke, bedauert diese Verzögerung. Wie es genau dazu gekommen ist, vermochte er gestern nicht zu sagen. Er habe noch nicht mit dem zuständigen Disponenten über den Einsatz gesprochen, sagte Upheber. "Das Problem gleicher Straßennamen in benachbarten Kommunen oder Kreisen ist unseren Disponenten bekannt. Grundsätzlich sollten die Kollegen schon die exakte Adresse erfragen", sagte Upheber. Nur äußerst selten passieren nach seinen Angaben Fälle wie die von Dienstagmorgen: Aus Randgebieten benachbarter Kreise wird die 112 gewählt – und der Anrufer landet in der Leitstelle in Minden. Falls dann in der Hektik nicht geklärt wird, ob der Anruf aus dem Kreis Minden-Lübbecke oder aus der Nachbarschaft kommt und zusätzlich auch noch Straßennamen identisch sind, passiert es, dass die Retter falsch fahren.
"In diesem Fall ist noch einmal alles gut gegangen. Heinz W. erholt sich im Krankenhaus von seinem Sturz. Bei einem Herzinfarkt wären 40 Minuten jedoch eine zu lange Zeit", sagt Eikötter.

















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