Wohnhaus in Rödinghausen fiel in Sekunden in Schutt und Asche / Kriminalpolizei ermittelt
Rödinghausen/Kreis Herford. Gestern Nachmittag war die Stelle, an der in Rödinghausen an Heiligabend noch ein Einfamilienhaus stand, traurige Attraktion für Schaulustige. In der Nacht zu Sonntag gab es um kurz vor halb vier eine heftige Explosion. Sekunden später war das Haus nur noch ein Haufen Schutt. 16 Menschen haben darin gewohnt. Niemand war zu Hause.
Nach offiziellen Angaben von Polizei und Gemeinde sind unter der Adresse an der Ecke Parkstraße/Hambachweg acht Erwachsene und acht Kinder gemeldet, die sich derzeit offenbar in den Ferien befinden.
Direkte Nachbarn und auch Anwohner im weiteren Umfeld des Hauses schreckten in der Nacht zum ersten Weihnachtstag hoch. Um 3.29 Uhr meldete einer von ihnen der Feuerwehrleitstelle: "Hausbrand nach Explosion." Sechs Minuten später war die erste Löschgruppe der Rödinghauser Feuerwehr vor Ort - und sah das Ausmaß des Unglücks.
Auch ein gelbes Kinderfahrrad
Von den Außenmauern des Wohnhauses stand nichts mehr, das Dach lag in Gänze auf dem brennenden Haufen, in der Auffahrt stand ein nicht mehr zugelassener silbergrauer Mercedes Kombi bedeckt von Steinen, Glas, Fensterrahmen und Dachziegeln. Von der Parkstraße aus war zwischen den Trümmern Kinderbettwäsche zu erkennen, auch ein gelbes Kinderfahrrad lag darunter.
Kurze Zeit später waren 220 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Rödinghausen, Bünde, des Kreises Herford und aus Eilshausen, des DRK und des THW vor Ort im Einsatz. Ein Suchtrupp mit Spürhunden der Rettungsstaffel OWL stellte nach den Löscharbeiten fest, dass sich niemand in dem Haus befand.
Pro Minute verteilte die Feuerwehr 6.000 Liter Wasser auf die Unglücksstelle. Wasser, das später wieder aus den Kellerräumen herausgepumpt werden musste, um auch dort nach Personen zu suchen. Eine verbindliche Entwarnung gab es erst am Sonntagabend um 18 Uhr.
Sieben Häuser mit Wasser gekühlt
Durch die Wucht der Explosion wurden zwar umliegende Häuser in relativ geringem Umfang in Mitleidenschaft gezogen, jedoch waren Hitze und Rauch so stark, dass die Feuerwehr sieben Häuser mit Wasser kühlte und evakuierte.
Bei einem direkt angrenzenden Haus platzte eine Glasscheibe in der Haustür und ein Rolladen verformte sich durch die Hitze. 14 Menschen wurden während des Einsatzes bis zum späten Vormittag in der Aula der Gesamtschule Rödinghausen vom DRK und von Notfallseelsorgern betreut. Drei weitere Personen fanden unterdessen Unterkunft bei Verwandten.
Ein Anwohner berichtete gestern, er habe gegen halb vier "kerzengerade im Bett gesessen". Er war der Meinung, es sei das eigene Haus, das gerade einbräche. "Ich dachte nur: Schnell raus hier." Dann sah er aus dem Fenster und erschrak. "Das hier ist wie ein kleiner Ground Zero", sagte er nachdenklich und wohl wissend, wie viel Glück er und seine Nachbarn hatten.
Durch die Wucht von den Beinen gerissen
Ein anderer habe in der Sekunde der Explosion auf dem Balkon in Richtung der Unglücksstelle gestanden, um eine Zigarette zu rauchen und sei durch die Wucht von den Beinen gerissen worden.
"Wir wissen nicht, was diese Explosion ausgelöst hat", sagte Joachim Thater-Klas, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde am frühen Sonntagmorgen. Nach der großen Explosion nahmen Feuerwehrleute zu Beginn der Löscharbeiten weitere kleine Explosionen aus dem Innern der Brandstelle wahr.
Ob die Besitzer des Hauses mittlerweile erreicht wurden, ist noch unklar. Die Kriminalpolizei ermittelt nun in alle Richtungen und schließt derzeit auch eine Straftat nicht aus. Heute beginnend werden Brandermittler ihre Arbeit aufnehmen.
Zur Aufklärung der Umstände sucht die Polizei Zeugen, die eventuell Angaben über verdächtige Personen machen können. Hinweise erbittet die Kriminalpolizei Herford unter Tel.: (0 52 21) 8 88-0.