Rödinghausen/Kreis Herford. Aktenordner, Visitenkarten, Geschäftsunterlagen und Teile des in Rödinghausen in der Nacht zu Sonntag explodierten und abgebrannten Wohnhauses verteilen sich auf den Nachbargrundstücken. Anwohner räumen in ihren Gärten auf – einige schütteln mit dem Kopf. Es gibt einiges, worauf sich nicht nur die Nachbarn der Trockenbaufirma, die in dem Gebäude Parkstraße 18 ihren Sitz hatte, einen Reim machen.
Gestern waren mehrere Versicherungsmitarbeiter damit beschäftigt, die Schäden an den umliegenden Gebäuden aufzunehmen. Bei einer Anwohnerin befinden sich Löcher in den Rollläden, Fensterglas ist gesprungen. Ein anderer hat ein Loch im Dach seines Schuppens, und auch das Garagendach hat Schaden genommen.
Die drei Brüder Pjeter, Prenk und Mark Z., gebürtig aus dem Kosovo, wohnten mit ihren Familien in dem Haus, in dem sich auch das Büro ihrer Trockenbaufirma befand. Sie befinden sich derzeit im Urlaub im Kosovo. "Wo sollen denn die Menschen nur hin, wenn sie wieder da sind?", fragt eine ältere Dame. Das weitere Schicksal der drei Familien scheint ungewiss. Nachbarn wissen nicht viel über sie und sagen unisono: "Die Erwachsenen leben eigentlich recht isoliert. Man grüßt sich zwar freundlich. Dabei bleibt es aber auch." Eine Frau erzählt: "Die Kinder sind aber immer sehr nett, fragen, ob sie meinen Hund einmal streicheln dürfen."
Unter der Telefonnummer des Handwerksunternehmens ist eine Weiterleitung auf ein Mobiltelefon eingerichtet. Gestern meldete sich darunter ein Bauleiter der Firma und erklärte: "Ich habe am Montagmorgen davon erfahren und die Familie gleich informiert. Ich bin sehr betroffen."
Rückweg vom Kosovo nach Deutschland nach Familienurlaub
Mark Z. befindet sich nach eigener Aussage derzeit auf dem Rückweg vom Kosovo nach Deutschland und hat den Familienurlaub abgebrochen. Die Neue Westfälische hat ihn gestern auf seinem Mobiltelefon erreicht. "Ich befinde mich gerade an der Grenze zu Montenegro und muss mich jetzt zu Hause erst einmal darum kümmern, dass meine Familie eine Unterkunft hat, wenn sie am 7. Januar wieder aus den Ferien zurückkommt", erklärte er. "Die Kinder müssen ja am 9. Januar wieder in die Schule." Am 22. Dezember seien Mark Z., seine Brüder und die Familie zum Urlaub in die alte Heimat gefahren.
Bei Gas eigentlich nur ein Knall
Die Brandermittler werden in den kommenden Tagen vermutlich eine harte Nuss zu knacken haben. Rödinghausens Feuerwehrchef Rudi Altehoff blickt nach der Einsatznachbesprechung von gestern Nachmittag auf eine erfolgreiche Arbeit zurück. "Alle Organisation haben wirklich gut zusammengearbeitet. Von dieser Seite sind wir sehr zufrieden." Rund 230 Einsatzkräfte waren in der Nacht zum zweiten Weihnachtstag vor Ort. Das verlangte ein besonderes Maß an Organisation. Eine reine Gasexplosion zweifelt Altehoff an, ohne den Ermittlern vorgreifen zu wollen. "Normalerweise wäre es bei Gas mit einem Knall erledigt gewesen. Unsere Feuerwehrleute haben aber kurz nach Beginn der Löscharbeiten noch weitere kleine Explosionen wahrgenommen."
Was zu der Explosion geführt haben könnte, könne er sich nicht erklären, sagte Mark Z. gestern. Er hat am Montag sein brennendes Haus im Internet und im Fernsehen gesehen. Feinde, die ihm und seiner Familie das angetan haben könnten, habe er nicht. "Es gab mal den üblichen Ärger mit Mitarbeitern. Aber keiner von denen würde deshalb so etwas tun", so Mark Z., dessen Lebensgefährtin Olga B. Inhaberin des Unternehmens ist.
Die Explosion wirft Fragen auf. Ein Großteil der Trümmer liegt immer noch an der Unglücksstelle, ein weiterer Teil wurde vom Technischen Hilfswerk auf einem Parkplatz der Gesamtschule Rödinghausen gelagert. Dort stehen auch ein Lieferwagen und ein Kleinwagen, die an dem Haus abgestellt waren.
Liefer- und Lastwagen vor dem Haus
Sieht man sich die Trümmer genauer an, fällt auf, dass sich überwiegend nur Teile des eigentlichen Hauses darin befinden. Das sei schon nach den Löscharbeiten aufgefallen, wie gestern ein Mitglied der Feuerwehr äußerte. Kein Hinweis auf Möbel oder weitere Einrichtungsgegenstände. Zumindest verbrannte Reste müssten zu erkennen sein. Nachbarn wollen gesehen haben, dass in einer der Nächte vor Heiligabend eine längere Zeit Liefer- und Lastwagen vor dem Haus beladen wurden, wissen aber nicht, wer das gewesen ist.
An Heiligabend 2008 brannte bereits ein Wohn- und Geschäftshaus an der Engerstraße in Bünde nieder, in dem Z. damals mit seiner Familie lebte. Auch jenem Brand soll nach Berichten von Augenzeugen und Anwohnern um wenige Minuten vor Mitternacht eine Explosion vorausgegangen sein. Die Familien waren seinerzeit ebenfalls im Urlaub. "Damals sprach die Polizei von Brandstiftung", sagte Mark Z. gestern.
Die Kriminalpolizei wird in den kommenden Tagen zur Klärung der Umstände von einem Spezialisten unterstützt, der von der Staatsanwaltschaft zusätzlich angefordert worden ist.