Neuer Fleisch-Skandal: Kreisveterinäramt warnt vor Panikmache, aber Verbraucher sind verunsichert
VON JENS MÖLLER UND WIEBKE EICHLER
Bünde. Alle Jahre wieder im Januar: Die Schlagzeilen sprechen von einem neuen Lebensmittelskandal. Ob nun Rind, Schwein oder Huhn - jede neue Ekelmeldung verunsichert die Verbraucher. Diesmal wurden resistente Bakterienstämme auf Hähnchenfleisch entdeckt. Doch auch diese Meldung ist mit Vorsicht zu genießen.
"Keime auf Masthähnchenfleisch sind eine biologische Tatsache", sagt Reinhard Zwingelberg von der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Kreises Herford. Umstritten ist allerdings, ob die Belastung gesundheitsgefährdend ist.
Dies gilt vor allem für resistente Keime, die immun gegen Antibiotika sind. Laut einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschatz (BUND) ist jedes zweite Hähnchenstück mit antibiotikaresistenten Keimen verseucht. Zwingelberg hat aber ein Problem mit der Studie: "Keiner weiß, wie und woher der BUND genau die Proben hat."
Auch Zwingelberg und seine Kollegen kontrollieren - jeden Schlachthof und Schlachter. Der nationale Rückstandskontrollplan habe nur auf weniger als einem Prozent der Fleischproben beanstandenswerte Keimansammlungen gefunden, sagt der Veterinär.
Die Verbraucher sind dennoch verunsichert. Manchen haben die Nachrichten den Appetit verdorben. "Wir haben einen starken Umsatzrückgang", sagt Helmut Löffler, Inhaber des Bünder Schnellimbiss "Quick Inn".
Dabei bräuchten sich seine Kunden keine Gedanken über die Qualität seiner Grillhähnchen machen, betont er. "In 38 Jahren hatte ich noch nie Probleme mit Lebensmitteln. Ich habe nur Frischware. Die wird streng kontrolliert und kommt in versiegelten Kartons."
Andere profitieren von der Skepsis der Verbraucher. "Wir haben bisher immer durch solche Skandale gewonnen", sagt Margret Döring, Seniorchefin eines Fleischstandes auf dem Bünder Wochenmarkt. Wenn unappetitliche Nachrichten über Massenware aus dem Supermarkt auftauche, kämen die Menschen wieder auf den Markt.
"Im Supermarkt kann ihnen niemand etwas über das Fleisch erzählen", findet Döring. "Wir schlachten dagegen selbst und stehen hinter unserer Ware."
Auch die Klingel an der Tür von Matthias Wibbelers Hofladens bimmelt häufiger, wenn wieder über verseuchte Lebensmittel berichtet wird. So auch jetzt. "Wir haben im Moment einige Neukunden", berichtet er. "Viele denken jetzt bewusster über das Essen nach, aber das hält nur eine gewisse Zeit an." Wibbelers Hähnchen in der Kühltheke kommen aus dem eigenen Stall.
Antibiotika bekämen die Tiere nur, wenn sie krank sind. "Sie können Geflügelfleisch nicht keimfrei produzieren", sagt Wibbeler. "Darauf muss man bei der Zubereitung immer achten."
Das betont auch Lebensmittelkontrolleur Zwingelberg vom Kreis Herford. "Die Keimbelastung ist eben hoch. Auf den Verpackungen stehen darum stets Hygienehinweise. Wenn man die befolgt, kann die Aufnahme von Keimen über das Essen verringert werden."
Das Fleisch muss stets durchgegart werden. Schneidebrett und Messer müssen gewaschen werden, bevor sie mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommen. Etwas Besonderes ist das nicht, vielmehr notwendiger Standard: "Dass weiß eigentlich jede Hausfrau", sagt Marget Döring.
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