Zwei Frauen wollen nur eines: Ihre Pfusch-Implantate aus Frankreich wieder loswerden
Bünde/Kirchlengern. Es war für sie die Erfüllung ihres größten Traums. Vor fünf Jahren, als sie noch 19 war, ließ sich Miriam* aus Bünde Silikonimplantate in ihre Brust einsetzen. "Ich hatte so gut wie keine Oberweite", erzählt sie. Den Eingriff ließ sie in Norddeutschland vornehmen. Dann vor ein paar Wochen der Schock: Auch ihre Implantate stammen vom französischen Hersteller PIP und enthalten minderwertiges Silikon.
Miriam hat sich extra keine Klinik im Ausland gesucht, hat auf die Plastischen Chirurgen in Deutschland vertraut. Dafür war sie auch bereit, etwas mehr Geld auf den Tisch zu legen. 6.300 Euro kostete die Implantation von 300 Milliliter großen Silikonkissen auf jeder Brustseite. "Dafür habe ich damals einen Kredit aufgenommen", sagt sie.
Doch dann der Schock, als die ersten Schlagzeilen über den Konzern PIP aufkamen – und seit dem die Angst vor den Auswirkungen. Denn das auslaufende Silikongel kann Entzündungen im Brustgewebe oder in den Lymphbahnen hervorrufen. Die Frauenärztin von Miriam hat bei einer Untersuchung festgestellt, dass sich bereits Dellen in den Kissen befinden. Doch es muss nicht erst zu einem Riss kommen. Dieses Gel wird auch aus den Kissen "ausgeschwitzt" und kann so in den Körper eindringen.
Einen Schock bekam auch die 21-jährige Carolin* aus Kirchlengern. Auch sie ließ sich Silikon in ihre Brust implantieren. 350 Milliliter auf jeder Seite. 4.500 Euro zahlte sie und sie nahm wie Miriam einen Kredit dafür auf. Die Operation fand in Prag statt. "Ich dachte, ich wäre nicht betroffen, weil ich extra teure Kissen ausgewählt hatte", erzählte sie im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Freundinnen von ihr tragen auch Implantate, hätten für die Kissen allein aber weniger bezahlt.
"Mich hat jedes 1.000 Euro gekostet – ohne Eingriff", sagt Carolin. Ihre Freundinnen hätten zwischen 250 und 500 Euro pro Kissen gezahlt, haben dafür aber hochwertige Implantate erhalten.. Auch bei Carolin hat eine Untersuchung ergeben, dass ihre Silikonkissen Unregelmäßigkeiten aufweisen. In der linken Brust verspürt sie seit einiger Zeit Schmerzen. Dort kapselt sich bereits Muskelgewebe in der Brust ab. Ein Zeichen dafür, dass sich der Organismus an dieser Stelle gegen etwas wehrt.
Beide Frauen wollen nur eines: Schnell heraus mit dem Billigsilikon aus dem Körper. Doch die Kosten für eine Explantation können sie derzeit nicht selbst tragen und eine erste Anfrage bei ihrer Krankenkasse brachte auch keine Hoffnung. "Die Kosten für die Entfernung ihrer Implantate können wir leider nicht übernehmen", hieß es. Doch nach Bekanntwerden der Problematik mit den PIP-Kissen vor einigen Wochen herrschte bei nahezu allen Krankenkassen eine Art Ausnahmezustand. Überall überlegte man, wie man mit der Übernahme der Kosten für die eigenen Kunden umgehen soll.
So sei es anfangs dazu gekommen, dass Mitarbeiter unterschiedlich auf Anfragen bezüglich der PIP-Kissen reagiert hätten, weil sich der Sachstand täglich geändert habe, so Michael Pfeiffer, Sprecher der BKK MH Plus, bei der beide Frauen versichert sind. "Ohne Ausnahme übernimmt die Kasse die Entfernung der Implantate, weil dies der Krankheitsvorsorge dient", so Pfeiffer.
Die Frauenärzte von Miriam und Carolin hatten beiden aber schon angekündigt, dass das Brustgewebe seit der Implantation stark gedehnt wurde und die Haut nach der Entfernung der Kissen unschön herunterhängen würde. Ob dies als medizinischer Grund genügt, sich auch an dem Einsetzen neuer Kissen zu beteiligen, lässt sich laut Pfeiffer nicht pauschal sagen. "Wir müssen hier in jedem Einzelfall prüfen."
Die Übernahme der Kosten für die Implantation neuer Kissen sehen viele Medizin-Juristen allerdings bei den Kassen. So sagt beispielsweise Fachanwältin Erika Leimkühler aus Herford: "Durch den Einsatz neuer Implantate wird wieder der Zustand hergestellt, der vor Eintritt eines medizinischen Problems bestand." Allerdings könnten die Patientinnen nicht erwarten, sich ihren Arzt, oder die Marke des Implantats aussuchen zu dürfen.
Miriam und Carolin hoffen nun auf einen positiven Bescheid ihrer Krankenkasse.
*Namen geändert