Die Mitarbeiter des Bauhofes, von Waschanlagen, Pferdewirte und Marktbeschicker müssen trotz Minusgraden draußen arbeiten
Bünde/Rödinghausen. Wer kann, geht bei dem kalten Wetter nur kurz raus. Doch einige Leute müssen Stunden in der Kälte verbringen: Zeitungsboten, Bauhofmitarbeiter, Marktbeschicker, Pferdewirte. Die NW hat sie getroffen und gefragt, wie sie sich gegen die Kälte schützen.
"Als ich am Donnerstagmorgen losfuhr, dachte ich, ich fahr auf Holzreifen", sagt Ilona Dietze. Die Kälte hatte das Gummi der Reifen steinhart werden lassen. Minus 12 Grad Celsius zeigte das Thermometer, als sie losfuhr. Dietze ist Zeitungsbotin der Neuen Westfälischen und beginnt um 2 Uhr morgens ihren Dienst.
Donnerstag Morgen hat sie zum ersten Mal ihre Thermostiefel angezogen. Die 55-Jährige hat keinen eigenen Bezirk, sondern fährt die Abonnenten an, die um eine Lieferung so früh wie möglich gebeten haben, weil sie im Schichtdienst arbeiten und vor Schichtbeginn noch einen Blick in die Zeitung werfen wollen. Zudem springt Dietze für kranke Kollegen ein. Bis zu 100 Kilometer legt sie pro Nacht zurück.
Am unangenehmsten findet die angehende Pferdewirtin Jessy Drews, jeden Tag das Eis aus den Wassertrögen zu kippen. Weil bei den Temperaturen die Wasserleitungen der automatischen Tränken einfrieren können, hat Hofbesitzer Thorsten Kuhlmann das Wasser abgestellt. In jeder Box steht nun ein Plastikbottich mit Wasser, das jeden Tag zentimeterdick gefriert. Dank drei Paar Socken sind zumindest Jessys Füße warm. Azubi-Kollege Chrissie trägt vier Schichten Kleidung übereinander – und friert trotzdem. Zwischen dem Misten, Füttern und Fegen wärmen sie sich immer wieder mit heißem Tee und Kaffee auf.
Auf heiße Getränke, warme Gedanken und selbst gestrickte Strümpfe setzt Marktbeschickerin Birgit Gilles. Mit dampfender Tasse in der Hand steht sie hinter der Theke mit Brot und Backwaren. "Wenn ich daran denke, dass in Sibirien minus 57 Grad Celsius sind, bin ich zufrieden mit dem Wetter hier." Solange kein Eis und Schnee auf den Straßen sei, gehe es noch.
Beate und Andreas Landwehr müssen nicht nur sich selbst warm halten, sondern auch das Obst und Gemüse auf dem Stand. Sechs Gasgebläse produzieren heiße Luft, ein Plastikzelt über dem Stand hält die Wärme drinnen und die Kälte draußen. 12 Grad Celsius sind drinnen, wer sich ein paar Minuten aufhält, dem bricht in der dicken Winterjacke der Schweiß aus. "Das Gemüse muss mindestens 10 Grad Celsius warm sein, damit es auch den Nachhauseweg im Auto übersteht", sagt Andreas Landwehr. Auch die Ladefläche der Lkw beheizt er vor dem Transport mit einem Gasgebläse. Zehn bis zwölf Gasflaschen verbraucht er pro Markttag. "Das ist teuer, aber billiger, als die Ware jedes Mal wegschmeißen zu müssen."
Adalbert Janzen, Leiter des Kreisbauhofes Bünde-Dünne, verrichtet mit drei Kollegen an der Häverstraße Gehölzarbeiten. Uwe Klaus steht im Hubsteiger und sägt die unteren Äste der Bäume ab, Bodo Dawidovski schneidet die Böschung frei. "Schlechtes Wetter kennen wir nicht", sagt Janzen, "wir sind es gewohnt, draußen zu arbeiten."
Um sieben Uhr morgens fangen sie an. Vor der Kälte schützen sie sich mit Kleidung in mehreren Schichten, Schal, Mütze und Handschuhen. Die Pause verbringen die Männer im Bulli, "der hat eine Standheizung", oder im Bauhof, wenn der Arbeitsort in der Nähe ist. Auch Löcher in den Straßen, die durch den Frost entstanden sind, flicken sie im Winter. Für das Schneeräumen sind die Männer vom Kreisbauhof ebenfalls zuständig. Los geht es dann nachts um drei Uhr, "damit die Straßen frei sind, wenn der Berufsverkehr einsetzt", sagt Janzen.
Zeitungsbotin Ilona Dietze hat immer etwas zu essen und zu trinken im Auto dabei, falls sie mal irgendwo hängenbleibt. So wie vergangenen Winter, als sie im Schnee blieb. "Da lob’ ich mir dieses Wetter ohne Eis und Schnee", sagt sie.