Bünde. Bei Kerzenschein und Glühwein sitzen an die 20 Besucher der Villa Kunterbunt bis in die frühen Morgenstunden des allerletzten Tages am Standort Franz-Werfel-Straße zusammen. Da waren der Ofen schon abgebaut, das Stromkabel schon gekappt. "In den fast sieben Jahren in den Containern haben wir das Improvisieren gelernt", sagt Sonja Skrobek vom Verein Jugendzentrum Bünde, der die Villa trägt.
Die Stimmung ist eher ruhig, wie überhaupt die Zeit am Standort ohne größere Probleme verlaufen war. Anfangs seien die Container nur als minderwertiger Ersatz für das abgerissene Haus an der Herforder Straße verstanden worden, sagt Hauke Schneider, der schon den Abriss der Herforder Straße mit ansehen musste.
In den sieben Jahren - in einem Jugendzentrum seien das mindestens zwei Generationen von Besuchern und Besucherinnen - seien die Container trotz der beschränkten Möglichkeiten und der eigentlich unzumutbaren hygienischen Zustände den Nutzern durchaus ans Herz gewachsen.
Trotzdem kreisen die Diskussionen weniger um den anstehenden Abriss am folgenden Morgen als um die Frage "wie weiter?" Drei mögliche Standorte seien zur Zeit in der Prüfung, welche, das will keiner der Sprecher oder Sprecherinnen sagen. Zu oft haben sie die Erfahrung gemacht, dass kurz vor einer Unterzeichnung eines Mietvertrags Indiskretionen dazu geführt hätten, dass eigentlich schon gelöst geglaubte Probleme dazu geführt hätten, dass Zusagen für einen neuen Standort kurz vor Vertragsunterzeichnung wieder zurückgezogen worden seien.
Der Verein verhandele mit dem Jugendamt um eine Erhöhung der Zuschüsse, um neue Räume anmieten zu können. Ende vergangenen Jahres sei ein Betrag in Aussicht gestellt worden, das konkrete Angebot liege jedoch weit darunter. Selbst die ursprünglich angedeutete höhere Summe wäre aber weit von einer gesicherten Finanzierung entfernt gewesen. Deshalb wirbt der Verein weiter um regelmäßige Spenden, pflegt Kontakte zu möglichen Vermietern und Verwaltung und hofft dabei auf eine schnelle Lösung.
Die Lage sei jedoch kaum mit der nach dem Abriss der Herforder Straße zu vergleichen, sagt Schneider. Damals habe es viele Besucher der Villa, aber nur einen sehr kleinen harten Kern gegeben. Heute gebe es mehr Leute, die hinter der Forderung nach einem selbst verwalteten Zentrum als politischem Ort und Ort unkommerzieller Kultur stehen. Was die gesuchten Räume angeht, zeigen sich die jungen Leute flexibel. Es gehe nicht nur um Konzerte, sondern auch Cafébetrieb, Galerie, Werkstätten oder andere eher ruhige Nutzungsmöglichkeiten seien denkbar. Am nächsten Morgen ist jedoch nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart Thema. Im ersten Schneetreiben rollt ein Kran heran und hebt die Container auf einen Tieflader. Es ist kalt, oft muss der Gasbrenner die zusammengefrorenen Elemente gängig machen. Drei Fahrten und fast sieben Stunden dauert es, bis die Container an ihrem Zwischenlager angekommen sind. Aus dem Dreck unter den Containern zieht Jakob eine Platte hervor, die aus sieben Jahren
gepressten und jetzt gefrorenem Müll besteht. "Schade, dass wir das nicht konservieren können", sagt er. Dann schmeißt er den Pressmüll in den blauen Sack: "Jetzt geht es darum, nach vorne zu sehen."