Bünde/Kreis Herford. Ein Blitz und das Foto ist im Kasten. "Dunkler Dacia, Tempo 67", knistert es aus einem Funkgerät, und sofort geht die rote Kelle hoch. Hauptkommissar Ludger Busch winkt den Wagen aus dem Verkehr. Ein Verwarngeld wird fällig. David Gowling zahlt ohne zu murren. "Wie blöd bin ich eigentlich? Ich hatte doch in der Zeitung von der Kontrollaktion gelesen", sagt er. Die Erinnerung kommt für den 47-Jährigen zu spät.
Landesweit hatte Innenminister Ralf Jäger (SPD) zu der Aktion "Brems dich – rette Leben" aufgerufen. Mehr als 300 Polizisten waren in ganz OWL unterwegs. Einige Dutzend Beamte legten seit Freitagmorgen, 6 Uhr, auch im Kreis Herford eine Sonderschicht für den 24-stündigen Blitzmarathon ein. Ihren eindeutigen Auftrag beschrieb der Direktionsleiter Verkehr der Kreispolizeibehörde Herford, Björn Brocks, so: "Wir werden jedes entdeckte Fehlverhalten konsequent verfolgen und damit ein deutliches Signal gegen Raserei setzen."
Hintergrund der Aktion war ein deutlicher Anstieg der Unfallzahlen in NRW. Auch im Kreis Herford ging der Trend nach oben: In den vergangenen Jahren kamen neun Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben – trauriger Höchstwert seit 2007 (10 Verkehrstote).
Im Vorfeld der Aktion hatte es allerdings Kritik gehagelt: Bei Minusgraden würden die Geräte nicht funktionieren, der große Aufwand sei umsonst. "Im zweistelligen Minusbereich kann es für die empfindlichen Messgeräte kritisch werden", sagte Brocks. An einem Kontrollpunkt konnten die Beamten tatsächlich schon kurz nach Dienstbeginn ihre Sachen wieder einpacken. Grund dafür sei aber nicht die Kälte, sondern ein technischer Defekt gewesen, sagt Brocks. Bis zum Nachmittag hätten das verbliebene Radarmessgerät und die zehn Laserpistolen aber fehlerfrei gemessen.
So ertappten die Beamten bis 13 Uhr bereits 152 Geschwindigkeitssünder. Sie mussten zahlen. Bei zwei Fahrern, so Polizeisprecher Uwe Maser, reichte das aber nicht aus. "Sie haben Fahrverbote erhalten. Die höchste Überschreitung wurde in Rödinghausen mit 82 Stundenkilometern innerhalb der geschlossenen Ortschaft gemessen. In einem dritten Fall wurde ein Gurtverstoß festgestellt."
Angelika Schmidt vom Straßenverkehrsamt machte aus einem Bulli teure Bilder. Sie war von gestern früh 6 Uhr bis zum frühen Nachmittag an verschiedenen Stellen in Enger, Hiddenhausen und Bünde unterwegs. Dann rückte sie um 22 Uhr noch einmal aus.
"Man merkt, dass die Fahrer durch die Ankündigung gewarnt sind", erzählte sie. An der Lübbecker Straße in Bünde löste ihre Kamera zwischen 11.15 und 12 Uhr bei 195 vorbeifahrenden Autos lediglich drei Mal aus. "Alles Verstöße im Bußgeldbereich", sagt Schmidt. "Seinen Führerschein musste bei meinen Messungen noch keiner lassen."
Die Polizeioberkommissare Birgit Ostmeier und Dirk Albrecht von der Bünder Polizei waren von 6 bis 14 Uhr mit der Laser-Pistole in Bünde unterwegs. Im Tempo-30-Bereich auf der Wilhelmstraße habe es "leichte Übertretungen" gegeben. An ihrer letzten Station gestern an der Weseler Straße hätten sie gemerkt, dass die Fahrer gewarnt waren – durch Medien und lichthupenden Gegenverkehr. "Aber was soll’s", sagte Dirk Albrecht. "So lange sie ordnungsgemäß fahren, kann uns das im Sinne der Verkehrssicherheit nur recht sein."
Ralf Collatz, Sprecher des ADAC in OWL, hält die Messung per Lasergerät für sinnvoller. "Geschwindigkeitskontrollen sind nur nachhaltig, wenn die Beamten die Verkehrssünder direkt mit dem Vergehen konfrontieren. Wenn der Bußgeldbescheid erst nach Wochen ins Haus flattert, geht der pädagogische Effekt verloren", sagte Collatz.