Bünde. Natürlich sollte gefeiert werden. Getrunken, getanzt und gelacht. Aber hinter der Krankenhausparty in der Wilhelmshöhe steckte ein ernster Hintergrund. Das Deutsche Rote Kreuz wollte testen, wie viel die Besucher der Party über erste Hilfe und das richtige Verhalten in unvorhersehbaren Situationen wissen. Zudem nutzte das DRK die Gelegenheit, neue Mitglieder zu werben.
Am Eingang bekamen die Disko-Gäste Fragebögen in die Hand gedrückt. Mehrere Antworten zum Ankreuzen waren auf den Zetteln zu finden. Manche lustig, manche kniffelig - immer eine richtige Antwort galt es herauszufinden. Eindrucksvoller und wohl auch aufregender waren allerdings die fiktiven Unfälle, die das Team vom DRK an dem Abend inszenierte. Jonas Klocke hatte sich im Vorfeld freiwillig gemeldet. Er mischte sich unter die Gäste, tanzte, feierte und brach dann zusammen. Die Reaktion der Gäste: Große Augen und Ratlosigkeit.
Das Team des DRK schritt gekonnt und routiniert ein. Taten weiterhin so, als läge ein echter Bewusstloser auf der Tanzfläche. Fühlten den Puls, maßen den Blutdruck und stellten die stabile Seitenlage her. Sven Kampeter, Leiter des Bünder DRK, klärte die Gäste dann auf. Erleichterung war zu spüren. Die Theke wurde wieder belagert, Liköre in Spritzen und Mixgetränke aus Infusionsbeuteln bestellt.
Das Thekenteam war passend in OP-Dress gekleidet. Die Besucher, die ebenfalls in Schwesterntracht oder Arztkittel gekommen waren, zeigten Interesse an dem Anliegen des DRK. Viele nutzten den Abend zum Feiern und Tanzen, informierten sich aber auch über ERste-Hilfe-Arbeit und das DRK. Draußen auf dem Vorplatz begutachteten sie die Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuzes, drinnen sorgten Elektrobeats und gelegentlich auch Schlager für die richtige Stimmung. Die wurde so gut, dass sich an der Polonaise, die vom DRK-Team initiiert wurde, zahlreiche Gäste anschlossen.
Gefeiert und trotzdem etwas gelernt, Spaß gehabt und schlauer geworden: Einige Gäste mussten aber nicht mehr viel dazu lernen. Enrico Glinz und Kimberly Schiermeyer beantworteten den Fragebogen ohne Fehler und können sich jetzt über die Teilnahme an einem kostenlosen Erste-Hilfe-Kurs freuen. Nadine Jansen und Danica Sterwerf kreuzten nur eine Antwort falsch an und bekamen einen Autoverbandskasten.
Später am Abend spielte Jonas Klocke noch mal das Opfer. Fiel wieder auf den Fußboden, als wäre er bewusstlos. Zwei junge Männer, die bei der ersten Vorstellung noch nicht anwesend waren, packten kurz entschlossen zu und trugen den Verunglückten an die frische Luft. "So schnell konnte ich gar nicht reagieren", meinte Kampeter, "toll, dass die so beherzt geholfen haben."