Bünde/Berlin. "Wetten dass...?" ist vorbei – zumindest mit Gottschalk. "Gottschalk live" ist da. Hinter den Kulissen – manchmal auch mittendrin – ist ein Bünder. Jens Westerbeck berät das neue TV-Format in Sachen Unterhaltung und sieht die Show – so gut es noch geht – aus Zuschauersicht. Ein nicht zu unterschätzender Blickwinkel, den Gottschalks freier Berater hat.
Wenn Jens Westerbeck über Thomas Gottschalk spricht, spürt man fast seinen nach oben gerichteten Blick – obwohl Gottschalk nur wenige Zentimeter größer sei. Dass Westerbeck in das Team von "Gottschalk live" gekommen ist, war Zufall – dass er vor anderthalb Jahren nach Berlin ging allerdings nicht.
Der 34 Jahre alte Bünder schreibt Texte für Atze Schröder und andere Comedians und erhielt dafür im vergangenen Jahr den RTL-Comedy-Preis. Bei der After-Show-Party nach der Verleihung lernte Westerbeck den Produzenten von "Gottschalk live" kennen. "Ich sagte ihm, dass ich auch gern für Gottschalk arbeiten würde." Der Produzent sagte nur: "Okay, melde Dich." Das tat der Bünder und hatte kurz darauf ein Vorstellungsgespräch beim großen Showmaster persönlich. "Da war ich beeindruckt", erinnert sich Westerbeck.
Im früheren Leben als Yacht-Broker aktiv
"Ich kannte ihn ja nur als den großen Wetten-dass-Moderator und durfte früher am Samstagabend auch deswegen länger aufbleiben. Als ich ihm vor ein paar Wochen gegenüber saß, dachte ich nur: Mann, ist das eine Erscheinung", schwärmt Jens Westerbeck noch heute. Gottschalks überschwängliche Art habe ihn dazu veranlasst, im Gespräch nach einer Fernbedienung zu suchen, mit der er den Star-Talkmaster und Moderator leiser stellen könne. "Am Ende bot er mir eine Probewoche in seinem Team an. Wir waren uns einig, dass wir gut zusammenpassen."
Jens Westerbeck ist aber weder Journalist noch TV-Macher. Er ist wie er ist. Hat im vergangenen Jahr sein Buch "Boatpeople" herausgebracht, in dem er über seine Jahre erzählt, in denen er reichen Leuten als Yacht-Broker Schiffe und Boote verkauft hat. Er schreibt auch Texte für Comedians und hat sich einen Blick bewahrt, der der Sendung mitunter zugute kommt – den Blick des Zuschauers. In den morgendlichen Redaktionskonferenzen zählt es zu seinen Aufgaben, die Nachrichtenlage aus Sicht der Unterhaltung zu betrachten. "Von dem insgesamt 20-köpfigen Redaktionsteam bin ich begeistert. Nicht nur dass es allesamt journalistische Schwergewichte sind, sondern die Stimmung ist ebenfalls fantastisch."
Da die Sendung sozusagen im Geburtskanal der Tagesschau laufe, in der kurz darauf eher ernst über den Tag berichtet werde, zähle es zu seinen Aufgaben, für die Unterhaltung zu sorgen. "Und wenn es Politik sein muss, dann probiere ich, sie lustig zu gestalten. Denn in der heutigen Zeit solle man nicht schon vor den Nachrichten schlechte Laune verbreiten, sondern unterhalten. "Außerdem wollen wir ja auch nicht als Konkurrenz zu den Nachrichten auftreten."
"Mix aus dem Wahnsinn des Tages"
Bei "Gottschalk live" werde zurzeit noch an verschiedenen Stellschrauben gedreht, erklärt Westerbeck. "Was wir machen, ist ja auch ein Experiment." Das Studio, in dem Thomas Gottschalk sitzt, sei keine Kulisse, sondern täglicher Arbeitsplatz der Redaktion. "Wir sind dort den ganzen Tag und machen einen bestmöglichen Mix aus dem Wahnsinn des Tages. Allerdings mit einer Portion Lockerheit aufbereitet und thematisch so ausgewählt, dass der Zuschauer nach der Sendung meint, das Glas ist halbvoll und nicht halbleer. Da sehe ich meinen Auftrag."
Westerbeck selbst zählt sich zu den kleinsten Lichtern im Team. "Es ist ja nicht so, dass ich da den Job auf Lebenszeit habe. Ich gehe auch weiterhin meinen unternehmerischen Tätigkeiten in Bünde nach, schreibe an der Fortsetzung meines Buches, das voraussichtlich im Herbst erscheinen wird und an Texten für Comedians." Das Schönste an der Arbeit bei der täglich erscheinenden Sendung "Gottschalk live" sei aber – und da widerspricht er den Kritikern der Sendung, oder kommt ihnen zuvor – "dass man es am nächsten Tag wieder besser machen kann – und das machen wir."
Viel wichtiger ist das der BUPRÄ jetzt weg ist.