Bünder Imker befürchten Verluste wegen des ungünstigen Winterverlaufs / Schaukasten am Museum
Bünde. Es klingt paradox: Weniger die große Kälte der letzten Wochen als vielmehr der warme Winteranfang hat den Bienen hierzulande zu schaffen gemacht. Mitglieder des Bünder Imkervereins blicken mit Sorge auf die nächsten Tage, wenn sie bei ansteigenden Temperaturen die Kästen erstmals öffnen werden.
Bis Anfang Januar gab es bei uns noch Temperaturen von zehn Grad plus und mehr. "Bei solchen Temperaturen bilden die Bienen noch keine wärmende Kugel", weiß Ernst-Georg Koch. Statt dessen gingen sie noch einmal in die Brut, normalerweise sei der Oktober und November die letzte Brutzeit im Jahr und Ende Februar die nächste. "Im Januar wurde es dann richtig frostig", erinnert sich auch August Gusowski, 2. Vorsitzender des Vereins. Doch das ist gar nicht das Hauptproblem. Um über den Winter zu kommen, können Bienen seinen Worten nach auch in einem einfachen Holz bei zweistelligen Minusgraden überleben, da es im Inneren mollig warm ist.
Während der Brutzeit in der zurückliegenden Frostperiode mussten die Bienen aber zusätzlich die Königin und die Brut ernähren. Hauptsorge der Imker ist deshalb, dass das Futter knapp geworden sein könnte. "Ein Nachfüttern bei Minusgraden wäre nicht ohne Kälteverluste möglich", sagt Ernst-Gerhard Koch.
Einen vorsichtigen Blick hat er gestern bei drei Grad plus schon in einen seiner Bienenkästen gewagt und entdeckte erfreulicherweise lebende Bienen. Am Wochenende soll es etwa sechs Grad warm werden. "Dann werde ich prüfen, ob noch genügend Futter vorhanden ist." Eventuell will der Imker mit Zuckerteig nachfüttern.
Koch rechnet wie August Gusowski mit Verlusten. Im schlimmsten Fall könnten sogar ganze Bienenvölker verhungert sein. Auch die Varoa Milbe bereite in diesem Winter große Probleme. Die Frühtracht, der erste Honig im Jahr, dürfte deshalb geringer als sonst ausfallen.
In der für Imker eher ruhigen Winterzeit haben sich Ernst-Gerhard Koch und August Gusowski weiter Gedanken gemacht, den Imkerverein Bünde und Umgebung und ihr Hobby bekannter zu machen. Dazu soll Anfang Mai am Bünder Museum – alter Eingang Striedieckscher Hof – ein Schaukasten aufgehängt werden. "Die Besucher können dort die Entwicklung eines Bienenvolkes verfolgen", so Gusowski, der wie seine Kollegen den Stand betreuen will. Ein kleines Volk mit etwa 2.000 Bienen soll hier Platz finden. Vor allem für Kinder könnte dies interessant sein, glauben die Imker. Der Museumsleiter habe bereits zugestimmt. Eventuell soll noch eine Info-Tafel dazu aufgestellt werden. Ihren Unterstand im Museumsgarten und den alten Bienenstand wollen sie dagegen aufgeben. Mit Veranstaltungen, die dort geplant sind, sei dies nicht zu vereinbaren, so Koch.