Schulausschuss: Eltern der Realschule Nord wollen, dass Dreizügigkeit nicht generell gilt
Bünde. Die Realschule Nord hat zurzeit viel zu schultern. Einerseits muss sie trotz eigener Not Räume als Dauerleihgabe an das Gymnasium abtreten, andererseits muss sie - nicht zuletzt durch enorme Elternbeteiligung - Überzeugungsarbeit bei Grundschuleltern leisten. Denn die Diskussion über die Einführung einer Sekundarschule hat viele Eltern von Viertklässlern verunsichert.
Im Schuljahr 2012/13 wechseln in Bünde weniger Grundschüler auf weiterführende Schulen als es im Schulentwicklungsplan (SEP) mit Stand April 2010 prognostiziert wurde. Mit eingerechnet sind darin auch schon Einpendler aus Hiddenhausen und Kirchlengern. Nach der Rechnung hätten am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium sechs und an der Realschule vier neue Klassen gebildet werden müssen. Laut einer Neuberechnung (Stand Januar 2012) sind laut Verwaltung im Sommer aber nur fünf beziehungsweise drei Eingangsklassen nötig.
Diese reduzierten Zügigkeiten sorgen zumindest vorübergehend für eine gewisse Entspannung, was die Raumproblematik betrifft. Nach Umbaumaßnahmen stellt die Realschule dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium (FvSG) drei Klassenräume zur Verfügung. "Das machen wir auch nicht einfach mal so", sagte der stellvertretende Konrektor der Realschule, Guido Brodziewski-Blomenkamp, gestern im Gespräch mit der NW. Denn die Realschule verliert dadurch drei kleinere Kursräume, die sie auch selbst gut gebrauchen könnte.
Auf der anderen Seite wird der Platzbedarf am FvSG in den kommenden Jahren, bedingt durch den Gebundenen Ganztag, weiter steigen. Jens Ransiek, stellvertretender Leiter des Gymnasiums, spricht von einer "Unterdeckung von zurzeit 20 Klassenräumen". Dieses Defizit werde durch die Räume der Realschule und im kommenden Jahr durch den Abgang des doppelten Abiturjahrgangs aber nur teilweise kompensiert. "Denn nächstes Jahr rückt ein sehr starker neuer Oberstufenjahrgang nach", so Ransiek. Zudem brauche man sechs Räume für die Ganztagsbetreuung, die seit 2011 für neue Schüler bis zur Klasse 9 am FvSG gilt. "Das heißt, dass wir in vier Jahren sechs komplette Züge im Gebundenen Ganztag haben", so der stellvertretende Schulleiter. Der Bedarf steige also weiter.
Der Schulausschuss soll am Montag über die Zügigkeiten, die sich nach neuer Berechnung ergeben, entscheiden. Die Beschlussvorschläge sehen für das FvSG aber lediglich für das kommende Schuljahr eine Fünfzügigkeit vor. Die Reduzierung auf drei Züge bei der Realschule Bünde-Nord könne man in dem Vorschlag hingegen als "generelle Entscheidung" interpretieren, so Meike Stühmeyer-Freese, die sowohl der Elternpflegschaft wie auch der Elterninitiative "Pro Realschule Bünde-Nord" angehört. "Wir wollen nicht, dass die Dreizügigkeit auch für die Zukunft festgelegt wird, sondern dass - genau wie beim Gymnasium - jedes Jahr neu geprüft wird", erklärt die Mutter, die sowohl ein Kind am FvSG wie auch an der Realschule Bünde-Nord hat. "Dass die Realschule in diesem Jahr nur drei Eingangsklassen hat, ist aufgrund der wenigen Grundschulabgänger nun einmal so. Aber danach steigen die Zahlen wieder. Und außerdem müsste jedes Jahr auf’s Neue der Elternwille berücksichtigt werden", so Stühmeyer-Freese.
Dass eine Verunsicherung unter Eltern von Viertklässlern wegen der vermeintlich unsicheren Zukunft der Schule vorhanden sei, sei auf dem Tag der offenen Tür der Realschule zu merken gewesen. Das bestätigte auch Guido Brodziewski-Blomenkamp. Allerdings habe eine starke Überzeugungsarbeit einen Großteil dieser Unsicherheit abbauen können. "Wir kämpfen nicht, wir überzeugen durch die Darlegung der Gründe, warum wir uns für unsere Kinder für diese Schule und ihr grandioses Konzept entschieden haben." Eine generelle Reduzierung auf drei Parallelklassen könne bei Eltern wieder ein falsches Bild schaffen. Zudem sei die Einführung der Sekundarschule längst nicht entschieden.
Im Übrigen wünsche sich Meike Stühmeyer-Freese mehr Beteiligung von Grundschuleltern in der Elterninitiative "Pro Realschule Bünde-Nord". "Denn wir tun das nicht für uns und unsere Kinder. Die werden ihre Schullaufbahn an der Realschule auf jeden Fall beenden."