Fabian Sander aus Bünde studiert Chemie/Umwelttechnik in Finnland / Auslandssemester in Shanghai
Bünde/Kokkola/Shanghai. Wenn schon viele Wege nach Rom führen, wie viele dann erst ins riesige China. Den Bünder Fabian Sander verschlug es zuerst nach Finnland, um von dort aus das Reich der Mitte zu bereisen, wo er in Shanghai ein Semester studierte. Für den 24-Jährigen war es gleich in doppelter Hinsicht ein Ausflug in die Fremde, ist er doch seit 2004 als Student für den englischsprachigen Studiengang Chemie/Umwelttechnik an der Universität in der finnischen Stadt Kokkola-Karleby eingeschrieben.
Der erste Kontakt nach Finnland entstand über die seit mehr als 25 Jahren bestehende Städtepartnerschaft zwischen Bünde und Jakobstad-Pietsaari. 1999, Fabian war damals 15, hatte seine Familie den jungen Jakobstader Frank Fellman zwei Wochen lang zu Gast gleich im Anschluss reiste der Bünder mit ihm in dessen Heimatstadt. Der Anfang von zahlreichen weiteren Begegnungen, die teilweise über die Deutsch-Finnische Gesellschaft in Bünde organisiert wurden, aber auch privat über seinen Freundeskreis. Bei solchen Gelegenheiten lernte Fabian Sander nicht nur gleichaltrige Jakobstader kennen, sondern auch Erwachsene, die später noch wichtige Kontakte für ihn knüpften sollten.
Zunächst einmal schloss Fabian die August-Griese-Schule in Löhne mit dem Fachabitur im Bereich Elektrotechnik ab seine Bundeswehrzeit verbrachte er danach bei der Marine. Und immer wieder zog es den Bünder nach Finnland. "Im Sommer 2004 konnte ich als Aushilfskraft den Rasen auf einem Golfplatz in Jakobstad pflegen." Während dieser Zeit wohnte er in der Gastfamilie Tapanainen, wo ihm ein Zeitungsinserat aus der Nachbarstadt Kokkola-Karleby in die Hände fiel.
Kaum Zeit zum Überlegen
Die dortige Universität meldete noch freie Plätze für ihren englischsprachigen Bildungsgang Chemie/Umwelttechnik, was den Bünder schon interessierte. "Als ich am nächsten Morgen bei der Uni anrief, sagte man mir, dass ich schon einen Tag später anfangen könne." Schock. Sein Leben krempelt man gewöhnlich nicht von einem Tag auf den anderen Tag komplett um. Viel mehr Zeit blieb dem Finnland-Fan Fabian Sander aber nicht für die Entscheidung – er wagte das Abenteuer Finnland, meldete sich an der Universität an und suchte sich erst einmal ein Zimmer. "Die Freunde aus Jakobstad haben mir in dieser Zeit sehr geholfen. Auch von der Deutsch-Finnischen Gesellschaft bekam ich gute Unterstützung", erinnert sich der Bünder im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.
Was Fabian zunächst nicht wusste: neben zwei Finnen ist er der einzige Europäer in dem Bachelor-Studiengang. Allein zwölf Kommilitonen kommen aus China, weitere aus Bangla Desh, dem Kongo, Kamerun, Somalia und aus Nepal. Mitstudentin Dong Yue war es, die Fabian ihr Heimatland China schmackhaft machte. Als sich im letzten Jahr die Möglichkeit für ein Auslandssemester in Shanghai zum Schwerpunkt Umweltfreundliche Technologien bot, griff der Bünder zu und verband den Aufenthalt mit einem Sommerurlaub, der ihn auch in die Millionenstadt Shenyang, Dong Yues Heimat, führte.
China und Finnland das sind noch einmal zwei ganz verschiedene Welten, hat der Bünder erfahren. Und spätestens seit er das neue und alte Shanghai gesehen hat, weiß er auch, dass es innerhalb dieses riesigen Landes noch krasse Gegensätze gibt. Im Nachhinein betrachtet hat ihn das Auslandssemester nicht unbedingt viel weiter gebracht, die Erfahrungen möchte er aber nicht missen. Das gilt auch für die Rückreise nach Finnland, die er allein angetreten hat. "Ich bin über Peking mit der Transsibirischen Eisenbahn bis Moskau gefahren." Der faszinierende Anblick des Mount Everest, der Besuch bei Mönchen in Tibet, die Zugfahrt durch die endlos erscheinde Mongolei all das bleibt unvergessen, ist auf Fotos festgehalten. Seit Januar studiert Fabian im dritten von vier Jahren wieder in Kokkola.
Zu Weihnachten hatte er seine Mitstudentin Dong Yue nach Bünde eingeladen. "Weihnachten ist in China kein Familienfest und hat auch keine Tradition", sagt die 23-Jährige. Geschenke für die Lieben gebe es aber gleichwohl. Das neue Jahr begrüßten beide mit Freunden auf der Insel Norderney. Eine andere Welt für Dong Yue, die noch eine weitere Gelegenheit zum Feiern hat: In China beginnt am 17. Februar das Jahr des Schweines. Und das kann man auch von Finnland aus begrüßen.