Dirk Begemann trainiert seine Bluthunde Matty und Frida für das lebensrettende "Man Trailing"
Kreis Herford. Die Stirn liegt in tiefen Falten, die langen Ohren hängen weit herunter, die halb geschlossenen Augen sind blutrot unterlaufen - aber die Nase ist stets hellwach: Bluthunde sind auf den ersten Blick wahrlich keine Schönheiten. Es sind Charakterköpfe und mit solchen Hunden arbeitet Dirk Begemann (38), Hausmeister an der Olof-Palme-Gesamtschule, am liebsten.
Vor sechs Jahren fiel Begemann "in Liebe" mit den rustikalen Reizen der Bluthunde, korrekter als Schweißhunde bezeichnet. Nun nennt er zwei der hierzulande seltenen Tiere der Rasse "Sankt Hubertus Hund" sein eigen. Otto Normalverbraucher kennt die Tiere aus vielen amerikanischen Filmen, wenn sie zielstrebig unter Geheul und Gekläffe entlaufenen Strafgefangenen oder Sklaven hinterher hetzen. In den letzten Jahren sind die feinnasigen Vierbeiner international zum anerkanntesten Spürhund avanciert.
Für Begemann sind sie ideale Tiere, denn er braucht keine Hunde, die ihn einfach nur durchs Leben begleiten, sondern Tiere, mit denen man "richtig arbeiten kann." Und das tut er mehrmals in der Woche, indem er auf den "Trail" (Spürpfad) geht. Dann dürfen Matty (5) und Frida (2) zeigen, wie gut ihr Geruchssinn wirklich ausgebildet ist. Man merkt ihrem Besitzer an, wie stolz er mittlerweile auf die rund 44 Kilo schweren und 62 Zentimeter hohen Hunde ist: "Wir sind beim Aufspüren von Personen eine Einheit, ich brauche nur kurze Signale des Hundes, um zu wissen in welcher Richtung es weitergeht."
Diese Hinweise sind kurze Kopfbewegungen oder die Ruten-Körperspannung. Begemann erklärt das System des Man-Trailings (Menschen-Fährtensuche): "Beim Menschen findet ein ständiger Zersetzungsprozess der Hautzellen statt. Die Zellen sind mit dem Individualgeruch ausgestattet. Durch die Thermik steigen die Hautzellen auf, fallen wieder herab und zersetzen sich. Bei idealer Luftfeuchtigkeit ein prima Nährboden für die Geruchsaufnahme durch den Hund."
An der Lippinghauser Kirche holt Begemann eine Tüte mit einer Jogginghose hervor, öffnet sie und stülpt sie Matty über die hochempfindliche Nase. Nach vier Jahren Training weiß die Hündin, was nun von ihr erwartet wird: Personensuche. Die Jogginghose gehört Begemanns Nachbarin Nicole Weißphal. Sie hat sich einige hundert Meter weiter auf einem brach liegenden Grundstück versteckt.
"Für Matty ist das hier wie eine Geruchs-Datenautobahn", sagt Begemann. Aus den zahllosen Düften und Aromen muss sie den der "vermissten" Person herausfiltern, in der Nase behalten und ihm stur und unbestechlich nachgehen. Erschwerend für die Hundenase ist, dass die Gerüche durch Wind und vorbeifahrende Fahrzeuge in der Luft verwirbelt werden. So erklärt sich der Schlingerkurs, auf dem die Hündin durch Lippinghausen läuft.
Sie überquert Asphalt, biegt in Grundstücke ein, kommt wieder heraus, dreht eine Kurve, bricht durchs Unterholz und steht nach wenigen Minuten vor der Gesuchten, die sich auf einer überwucherten Kellertreppe versteckt hatte, und springt sie an. Die Freude ist groß bei Matty - schließlich gibt’s für die sensorische Schwerstarbeit nun die Belohnung: würzige Leberwurst aus der Tube. Und viele Streicheleinheiten, denn Schweißhunde sind sanfte Tiere, die sich aber nur ungern unterordnen.
Das sollen sie auch nicht, denn sie dürfen sich nicht ablenken lassen, sondern sollen blind auf ihre Nase vertrauen. So stark, dass sie die Augen nicht einsetzen und schon mal vor lauter Eifer gegen Bäume rennen.