Enger. Ein kleiner Zählfehler am Wahlabend stürzt die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Enger jetzt in heftige Turbulenzen. Es scheint, als müssten die Genossen ohne ihren bisherigen Vorsitzenden Jörg Pultermann in den neuen Rat einziehen.
Pultermann, erst seit einem Jahr als Fraktionsvorsitzender im Amt, war zwar über Platz 1 auf der Reserveliste eigentlich gut abgesichert. Doch dann konnte die SPD überraschend 14 ihrer 15 Ratsmandate durch Direktkandidaten besetzen. Der 15. Sitz war wackelig, denn im Wahlbezirk 8 – in Enger-Mitte – war es zu einer Pattsituation gekommen (die NW berichtete). Eigentlich hätte das Los am kommenden Dienstag darüber entscheiden sollen, ob dieser Wahlbezirk an die SPD oder an die CDU fällt. Am Montag aber ließ Wahlleiter Wilhelm Freese auf Anraten der Kreiswahlleitung den umstrittenen Bezirk unter Mitwirkung von zwei Zeugen erneut auszählen. Und siehe da: In der Hektik des Wahlabends hatten sich die freiwilligen Wahlhelfer vor Ort offenbar verzählt. Nicht viel, in den Auswirkungen aber gewaltig.
Statt der ausgezählten 223 Stimmen erhielt SPD-Kandidat Michael Kuhlmann jetzt 224 Stimmen – und damit genau eine Stimme mehr als der CDU-Mann Marcel Leeferink. Diese eine Stimme reichte aus, um Michael Kuhlmann als 15. Fraktionsmitglied direkt für die SPD in den Rat zu heben. Für Fraktionschef Jörg Pultermann zog somit die Reserveliste nicht mehr und er war damit aus dem Rat gekickt.
Kein Wunder, dass es bei den Engeraner Sozialdemokraten trotz des an und für sich hervorragenden Wahlergebnisses jetzt erst einmal betretene Gesichter gibt. "Es war absolut nicht vorhersehbar, dass wir alle unsere Sitze direkt holen," bedauert ein hörbar enttäuschter Jörg Pultermann im Telefongspräch mit der NW. "Die bundespolitische Stimmung hat das ja nun nicht erwarten lassen!"Wie es weitergeht, möchte der noch amtierende Fraktionsvorsitzende nicht kommentieren: "Das muss die Fraktion machen, und der gehöre ich ja nun nicht mehr an."
Die macht sich derweil Gedanken, wie sie "aus diesem Dilemma rauskommen kann", so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Joachim Heisig. Auch er ist völlig überrascht davon, dass die SPD alle Sitze im Rat direkt geholt hat: "Das hat es noch nie gegeben. Bei der letzten Wahl ist sogar noch Platz 8 von der Reserveliste in den Rat gezogen. Darum stand Jörg Pultermann ja auch auf Platz 1, damit wir völlig sicher sein konnten, dass er wieder drin ist."
Auch Heisig weiß nicht, wie es weitergehen wird. Auf alle Fälle wird es in den nächsten Tagen intensive Fraktions-Gespräche geben. Aber dass Jörg Pultermann tatsächlich "ganz raus ist", sieht Heisig irgendwie noch nicht.
Die jetzt der SPD überraschend zugute gekommene zusätzliche Stimme im Wahlbezirk 8 war in der ersten Auszählung übrigens fälschlicherweise der FDP zugeschlagen worden. In der zweiten Auszählung erhielt jetzt Udo Hagemeier nur noch 71 statt der zunächst gezählten 72 Stimmen. An der Sitzverteilung im Rat ändert die erneute Auszählung nichts.
In Spenge entscheidet das Los
Auch in Spenge gab es bei der Wahl des kommunalen Parlaments eine Pattsituation. Im Wahlbezirk 4 (Wallenbrück/Bardüttingdorf) hatten sowohl Martin Morgret von der CDU als auch Bernd Wiegmann von der UWG 30,30 % der Wählerstimmen erhalten.
Cornelia Meier-Englschalk, Wahlmanagerin im Spenger Rathaus, ließ den Bezirk ebenfalls neu auszählen. Dabei wurde das Ergebnis vom Wahlabend bestätigt. "Das hat uns nicht überrascht," so Meier-Englschalk. "Der Wahlbezirk war in zwei Stimmbezirke aufgeteilt und von zwei voneinander unabhängigen Wahlvorständen ausgezählt worden, die beide zum selben Ergebnis gekommen waren." Deshalb entscheidet das Los darüber, welcher Kandidat in den Rat einziehen darf – ein Novum in Spenge.(maw)