Enger. Als Streifenpolizist Verbrecher verfolgen oder als Ermittler Mörder überführen: Für Philip Biermann (15) ist Polizist der Traumberuf. Er war gestern mit anderen Jugendlichen aus Enger und Spenge in der Wache Enger, um sich von erfahrenen Polizisten etwas über ihren Beruf erzählen zu lassen. Doch bis die jungen Menschen die rote Kelle zeigen werden, ist es noch ein weiter Weg.
Die Voraussetzungen müssen stimmen: Berufsberater Jürgen Tücke von der Polizei Herford erklärte den fünf Jugendlichen, was nötig ist, um in Nordrhein-Westfalen Polizist zu werden. Man muss zum Beispiel Abitur oder Fachhochschulreife, das Sportabzeichen und einen Führerschein haben. Wer zum Einstellungstest eingeladen wird, muss unter anderem am Computer Logik-, Rechtschreibungs- und Grammatikfragen beantworten, Reaktionstests absolvieren und sich ärztlich untersuchen lassen. Rollenspiele, Vortragen und ein persönliches Gespräch gehören auch dazu.
Die angehenden Ordnungshüter studieren an der Fachhochschule für Verwaltung NRW einen dreijährigen Bachelor-Studiengang. Staatsrecht, Kriminalistik und Psychologie stehen auf dem Lehrplan. Die Studenten bekommen in Schloß Holte-Stukenbrock aber auch praktische Fertigkeiten wie Fahr- und Schießtrainings verpasst. Die jungen Polizisten fahren ebenfalls als dritte Kraft auf Streifenwagen mit.
Dann folgt "Polizeidienst von der Pike auf", wie es Tücke ausdrückt. Die frischgebackenen Kommissare werden "zwischen zehn bis 15" Jahre als Streifen- oder Bereitschaftspolizisten eingesetzt. "Das ist eine sehr vielschichtige Arbeit, vom Parkverstoß bis zum schweren Verkehrsunfall ist alles dabei", sagt Tücke, "bei allen Wetterlagen und zu jeder Tageszeit." Die Polizisten hätten die Möglichkeit, sich auf bestimmte Gebiete zu spezialisieren, Führungspositionen zu erarbeiten oder ein Master-Studium zum Polizei-Rat zu beginnen.
Für Biermann klingt das alles sehr gut, auch Annica Hup (16) ist interessiert. "Der Beruf ist sehr vielfältig, man sitzt nicht nur im Büro." Biermann hat sich mit seiner mittleren Reife bei anderen Länderpolizeien beworben, Hup besucht noch ein Berufskolleg und könnte es in zwei Jahren in Nordrhein-Westfalen versuchen. "Mein Traum ist es, Polizist zu werden", sagt Biermann. In diesem Jahr haben sich 6.400 Menschen in NRW als Polizist beworben, 1.100 wurden genommen. Das Verfahren für das kommende Jahr läuft bereits.