Enger (uki). Kaum hatte Moderator Björn Weis vom Verein "Neues Forum Enger" die Bühnentreppe erklommen, da schickte der starke Wind hinter ihm einen Wasserfall von der Dachplane herunter. Ein Glücks-Omen vielleicht, denn gerade rechtzeitig zu Beginn des "Poetry Slams" am Samstag Abend hörte der Regen auf, so dass sich doch noch eine größere Gruppe von Zuhörern einfand. Und die freuten sich, dass sie da waren.
Der Dichterwettstreit verblüffte vor allem die bisherigen Nichtkenner, zum Beispiel Ursula Schömer aus Abenden in der Eifel. Sie ist jedes Jahr zum Adventsbummel in Enger bei ihrem Bruder zu Besuch. Nie hatte sie einen Poetry Slam erlebt. Jetzt war sie nach dem ersten Vortrag verblüfft: "Spitze! Die Texte - super!"
Auf der kleinen Bühne gaben sich Christoph Wind, Anna Vodegel, Tim Schütz und Dominik Lenze das Mikrofon in die Hand, nachdem Björn Weis die Spielregeln erklärt und einige Zuschauer für das Bedienen der Wertungstafeln gewonnen hatte. Mit Sabri Wittlands vergnüglichem Einführungsvortrag - sie fand über 500 bessere Tätigkeiten als Fußball gucken - war das Publikum gut eingestimmt.
In den Wettbewerbstexten weihnachtete es mehrfach: Es ging um Geheimnisse der Weihnachtsindustrie, ironisch gegrölte "sanfteKlänge" des Engeraner Adventsbummels zu später Stunde und immer gleiche Utensilien auf allen je besuchten Weihnachtsmärkten. Die Tücken der Fortbewegung - entweder Platten mit Rad, Auto und Bus oder Verspätung mit der Bahn - führten zum resignierten Plan, zu Fuß zu gehen. Und schließlich spiegelte der "Elektrosmog im Kopf" eine verkabelte Welt, in der "kurz" zum belastenden Stichwort wurde.
Im anschließenden Stechen setzte sich Dominik Lenze gegen Tim Schütz durch, der eine über den MP3-Player hinausreichende Bedeutung von Musik gekonnt ins Spiel brachte. Dominik überzeugte das Publikum wohl vor allem mit seinen rhythmischen Wortreihen und dem Hip-Hop-Charakter seiner Vorträge.
Amüsiert zeigten sich die Zuschauer, als er zerknüllte Textblätter aus den Hosentaschen fingerte. Aber auch die knappen bildhaften Aussagen seiner Texte über eine graue Welt und verblödenden TV-Konsum ("ich brauche depressive Phasen, weil ich sonst ja nichts zu tun hätte") hatten es in sich.
Dieter Schnelle vom Büdchen der Grundschule Enger kommentierte: "Ich kannte keinen Poetry Slam und konnte auch mit der Ankündigung nichts anfangen, aber das war gut. Hervorragend. Ich bewundere den Mut der jungen Leute, und sie haben die Texte klasse vorgetragen."