Volker Ziegenbruch und Tracy Brünn erklären ihre Konzepte für ihre Häuser in Enger und Spenge
Enger/Spenge. Sie sind beide einzigartig in ihrer Stadt - ihrer beider Zielgruppen sind Monteure und Arbeiter, doch ihre Wege zum Erfolg unterscheiden sich: Volker Ziegenbruch und Tracy Brünn sind die einzigen Hoteliers in Enger und Spenge. Der eine betreibt sein Haus "Zum Blücherplatz" in Spenge, die andere leitet ihr "Herzog Wittekind" in Enger.
Tracy Brünn setzt auf ihre englische Gastfreundschaft, wenn sie am Empfang des "Hotel Herzog Wittekind" steht. Man habe sich auf Monteure spezialisiert, die unter der Woche das Hotel in Beschlag nehmen: "Wir sind gut ausgebucht", freut sich die Betreiberin. Am Wochenende, wenn die reisenden Arbeiter zu Hause sind, ändert sich die Kundschaft. Dann stehen Familienfeiern auf dem Programm inklusive "Gäste von außerhalb, die Freunde und Verwandte in Enger besuchen und hier übernachten", sagt Brünn.
Auch für Volker Ziegenbruch vom Spenger "Hotel am Blücherplatz" besteht das Hauptgeschäft wochentags aus "Geschäftspartnern, die Firmen in Spenge und Umgebung besuchen" sowie aus Monteuren und Arbeitern. Viele davon kommen auch aus dem benachbarten Ausland, einige aber auch aus Asien oder den USA. Ziegenbruch: "Spenge hat kaum Tourismus zu bieten, daher kann das nicht unsere Zielgruppe sein." Keine Konkurrenz sieht Ziegenbruch in teils größeren Betrieben in Nachbarstädten wie Herford oder Bielefeld. Diese Häuser seien zu weit entfernt, außerdem "finden viele Geschäftsleute gerade kleinere Hotels gut, bei denen es so etwas wie einen ,Familienanschluss’ gibt".
Man könne und wolle auch gar keine Konkurrenz zu größeren Hotels in der Region sein, bekennt Tracy Brünn für ihr Haus: "Wir haben einfache Zimmer - ohne Stern." Ihr Konzept hat sie nach einem großen schwedischen Möbelhaus benannt, da ein Großteil der Einrichtung aus Kostengründen daher stammt. Mit zwölf Zimmern vermietet das "Herzog Wittekind" einen Raum mehr als das Haus in Spenge, vor sechs Jahren wurde das Hotel komplett renoviert. 1999 hatte Tracy Brünn das "Herzog Wittekind" zusammen mit ihrer Mutter übernommen. Diese ist auch heute noch dabei und kümmert sich um die Zimmer.
Der Arbeitsbereich der Geschäftsführerin selbst ist eher der Empfang sowie der Gastraum, auf den die gebürtige Britin besonders stolz ist: "Gerade am Wochenende wird hier gern und lange gefeiert", sagt sie - verweist aber darauf, dass es einige Zeit gedauert habe, bis die Gaststätte vor allem von den Engeranern angenommen worden sei: "Erst seit drei oder vier Jahren läuft es richtig gut, so lange mussten wir durchhalten und uns durchkämpfen."
Damals verpasste sie dem Gastraum neben einem modernen Anstrich einen ebenso modernen Namen. Seitdem gibt es im "News Café" unter anderem einen großen Fernseher, auf dem am Wochenende Fußball übertragen wird. Weitere Einnahmen bringen Stammtische, die regelmäßig hierher kommen.
Der gastronomische Bereich ist auch das Herzstück für Volker Ziegenbruch und seine 17 Mitarbeiter. Er steht seit 26 Jahren hinter der Theke. Damals gehörte das Hotel noch seinen Eltern - erst vor zehn Jahren hat er es übernommen. Partys, Aktionen und andere regelmäßige Veranstaltungen hat er eingeführt, um die Gaststätte zu beleben. Und das ist nach seiner Meinung auch gelungen: "Wir beklagen uns nicht, wir sind zufrieden."
Und beide heimischen Hoteliers haben Pläne für die Zukunft, die sie nicht erst seit der Reduzierung der Mehrwertsteuer für Hotels von 19 auf 7 Prozent (die NW berichtete mehrfach) verfolgen. Seit die Pläne der Bundesregierung in Kraft sind, wissen beide Geschäftsführer, wie sie das eingesparte Geld einsetzen wollen: "Ich werde ins Personal investieren", erklärt Tracy Brünn. Zudem möchte sie die zwölf Zimmer des "Hotel Herzog Wittekind" mit drahtlosen Internetzugängen ausstatten. Brünn: "Das fehlt uns noch, aber es wird immer häufiger nachgefragt."
Größere Investitionen plant Volker Ziegenbruch in Spenge am Blücherplatz. Zunächst wolle er in die bestehenden Zimmer investieren, denn "die sind noch nicht alle auf dem gleichen Stand". Allerdings möchte er auch gern das gesamt Hotel erweitern. "Ich könnte mir einen Neubau hinter dem jetzigen Haupthaus vorstellen", sagt der Hotelbetreiber und Gastronom. Wenn es nach ihm geht, entstünden hier Zimmer für 10 bis 15 neue Betten. Und noch eine Idee schwebt ihm vor, die er "als Vision" bezeichnet: "In Spenge fehlt ein großer, schöner Saal, in dem man auch mit 100 oder mehr Leuten feiern kann. Darüber denke ich derzeit nach."