Linda ist wieder zugelassen / Landwirte sind sich über Qualität der Kartoffel uneins
Enger/Spenge. Linda hat einen gelben Teint und festes Fleisch. Sie ist eine Königin. Und so wird sie auch verehrt. Zumindest von vielen. Ihr wird aber auch Untreue nachgesagt. Die Kartoffelsorte mit dem beliebten Frauennamen polarisiert wie keine zweite. Jetzt wird Linda wieder gezüchtet.
Nachdem das Bundessortenamt in Hannover die Knolle erst kürzlich wieder zugelassen hat, darf Linda wieder angepflanzt und in den Handel gebracht werden.
Vorausgegangen war ein jahrelanger Kampf um die Erhaltung des Erdapfels. Linda, die seit 1974 in Deutschland angebaut wurde, führte das Bundessortenamt ab Januar 2005 nicht mehr. Der Kartoffelzüchterkonzern Europlant, Rechteinhaber der Sorte, hatte die Zulassung mit der Begründung zurückgezogen, die Linda sei zu "krankheitsanfällig". Ein Manko, das Wilhelm Brüggemeier bestätigt. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford aus Enger: "Die Linda ist unheimlich anfällig für Pilzerkrankungen." Der Spenger Landwirt Heinrich-Hermann Beckhoff sieht das ähnlich: "Sie neigt zu Viruserkrankungen, die durch Blattläuse übertragen werden."
Die Firma Europlant, die vor fünf Jahren die Zulassung der Linda zurückzog, musste sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, die Linda nur vom Markt genommen zu haben, um mit neuen, modernen Sorten Geschäfte machen zu wollen. Brüggemeier weiß: "Es gibt moderne Sorten, die ähnlich im Geschmack wie die Linda sind, aber weitaus weniger anfällig für Krankheiten."
Heinrich-Hermann Beckhoff aus Spenge hat in der Zeit, als Linda nicht zugelassen war, noch vorhandenes Saatgut der Knolle über einen Kartoffelhändler bekommen und Linda angebaut. Durch die Zulassung ist es für ihn jetzt leichter, Linda-Saatgut zu bekommen. "Ich bringe neun Kartoffelsorten an den Verbraucher, Linda ist davon eine der beliebtesten. Eine Kult-Kartoffel eben", sagt Beckhoff. "Sie hält sich unheimlich lange, bei guter Lagerung sogar von September bis Juni." Er begrüßt die Renaissance der Kartoffel.
Jetzt gibt es diese Kartoffel wieder als sogenannte freie Sorte, die lizenzfrei vermehrt werden darf. Wilhelm Brüggemeier kennt die Vorzüge der Knolle: "Sie ist gelbfleischig und festkochend - und sie entspricht den Kochgewohnheiten der Menschen." Mit der aromatischen Linda sei bereits seit ihren Anfängen ganz klar "Kundenbindung geschaffen" worden. "Jetzt bin ich gespannt, wie lange sich die Kartoffel halten wird", sagt Brüggemeier.
Kartoffel-Bauer Klaus Fischer-Riepe aus Hücker-Aschen, sieht den Wirbel um die Linda kritisch. Das Comeback der Knollle sei ein "Rückschritt in der Kartoffelzüchtung". Fischer-Riepe: "Die Linda ist eine sehr alte Sorte. Von 1974 bis heute haben sich die Zuchtziele aber geändert." Der Trend gehe ganz klar zur Kartoffel mit flachen Augen, glatter Schale und gleichförmigem Aussehen. "Linda hingegen hat tiefe Augen und damit hohe Schälverluste. Das stört die Verbraucher", sagt Fischer-Riepe.
Zudem sei sie "untreu": "Je nach Witterung im Sommer verändert die Linda ihre Kocheigenschaft. Im trockenen, heißen Sommer lagert sie mehr Stärke ein und kocht dann nicht mehr fest. Sie fällt auseinander und ist als Salatkartoffel ungeeignet", sagt Fischer-Riepe. In den Sorten Belana, Cilena und Leyla habe er gute Alternativen gefunden. "Ich brauche die Linda nicht", sagt er.
Eine ähnliche Meinung hat Kartoffelbauer Jobst-Heinrich Reinkensmeyer aus Enger: "Ich habe der Linda keine Träne nachgeweint. Es gibt bessere Kartoffeln." Sieben Jahre lang hat er die Sorte auf seinem Kartoffelhof angebaut. Den Hype um die Kult-Knolle macht er nicht mit: "Ich kann der Linda nichts Außergewöhnliches abgewinnen."
Linda wird geliebt und sie wird verflucht. Treue Freunde verzeihen ihr den unförmigen Körperbau und die tief liegenden Augen. Andere suchen sich eine neue Liebe.