Spenge. Es ist bedrückend still auf dem Reiterhof. Die Zufahrt ist mit einem weißen Band gesperrt. Sonst erinnert nichts mehr an den Absturz eines Sportflugzeugs, bei dem am Sonntag beide Insassen aus Spenge starben (nw-news.de berichtete).
Die ausgebrannten Wrackteile der zweisitzigen Propellermaschine sind mittlerweile mit einem Lkw abtransportiert worden. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig nehmen die Überreste in Augenschein. Die Ursache des Absturzes, bei dem der 39-jährige Pilot und sein 56-jähriger Begleiter ums Leben kamen, ist bislang ungeklärt.
"Er war ein erfahrener Pilot", sagt der Engeraner Christian Rothschild. Genau wie er selbst sei der 39-Jährige Mitglied im "Verein für Segelflug Wittekind Enger" und im "Herforder Verein für Luftfahrt"gewesen. "Ich wäre jederzeit bei ihm in die Maschine eingestiegen", versichert Rothschild. Nach Informationen der NW soll der 39-jährige Spenger bereits seit seinem 19. Lebensjahr ein begeisterter Flieger gewesen sein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte gestern auf Anfrage der NW, dass der Pilot "kein blutiger Anfänger" gewesen sei.
In Oerlinghausen normal abgehoben
Der Spenger hatte das Ultraleichtflugzeug, das dem Herforder Verein gehört, für einen Flug am Sonntag ab 12.30 Uhr gechartert. Startpunkt war der Flugplatz Oerlinghausen (Kreis Lippe). Dass es schon dort Probleme gegeben habe, glaubt Georg Hemkendreis nicht. "Sonst wäre der Pilot nicht geflogen", sagt der Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft. Der Zweisitzer sei in Oerlinghausen normal abgehoben.
Die Unglücksmaschine – ein Ultraleichtflugzeug vom Typ Eurostar – sei neueren Baujahrs gewesen, sagt Hemkendreis. "Vielleicht fünf Jahre alt", vermutet er. Generell seien Ultraleichtflugzeuge weit verbreitet: "Sie werden viel von Privatleuten und Vereinen zur Hobbyfliegerei genutzt."
"Die Eurostar ist ein bewährtes Flugzeug", betont auch Rothschild, der die Unglücksmaschine mit der Kennung D-MV HF viele Male selber gesteuert hat. Er sei beispielsweise mit der Propellermaschine in die neuen Bundesländer und auch in die Alpen geflogen.
Fallschirm für das Flugzeug
Vereinsflugzeuge würden generell sehr gut gewartet. "Und für Flugzeuge gelten viel strengere Wartungs- und Prüfauflagen als etwa für Autos", erklärt der Engeraner Hobbyflieger.
Das Ultraleichtflugzeug verfügt über ein eigenes Rettungssystem. Wenn der Pilot im Cockpit bei einer Notlage einen roten Griff zieht, wird automatisch ein Treibsatz gezündet. "Ein Fallschirm schießt raus, an dem dann die ganze Maschine hängt", erläutert Rothschild. Bei der Unglücksmaschine hat der Pilot ganz offensichtlich den Fallschirm aktiviert. Er wurde neben den Wrackteilen gefunden.
"Aber man muss schon eine gewisse Höhe haben, damit der Schirm das Flugzeug abfangen kann," erklärt Rothschild. Eine sogenannte Black-Box, einen Flugschreiber, habe die Maschine nicht gehabt. Von der ursprünglichen Idee, einen Abstecher zur Nordsee zu machen, hätten die beiden Spenger offensichtlich wegen der schlechten Wetterbedingungen im Norden Abstand genommen, sagt ein Polizeisprecher. "Hier bei uns in OWL war nicht das tollste Wetter, aber Flugwetter", sagt Rothschild.
So entschlossen sich die Spenger zu einem Rundflug, der über ihre Heimatstadt führte. Nach Informationen der NW wollten sie auch Fotos von oben machen.