Enger. In nur wenigen Minuten hat Jasmin den Berg bezwungen. "Das war gar nicht so schwer", sagt die Elfjährige und seilt sich langsam aus luftiger Höhe ab. Es ist Kirschblütenfest – und da ist in der Widukindstadt nichts unmöglich. Schon gar nicht, den Gipfel zu stürmen.
Enger will hoch hinaus an diesem Wochenende. Während sich Jasmin aus ihrer Sicherheitsmontur schält, warten an dem sechs Meter hohen Kletterturm in der Mathildenstraße schon weitere Gipfelstürmer. Christian Fiebich seilt die Kletterer an. Und er gibt ihnen Tipps, wie sie die Steilwand am besten bezwingen. "Die Kraft sollte man nicht nur auf die Arme, sondern auch auf die Beine verteilen", sagt er.
Während sich der nächste Kletterer an den Aufstieg macht, begrüßt Bürgermeister Klaus Rieke auf dem Barmeierplatz eine echte Prinzessin. Madeline I. ist aus Engers sächsischer Partnerstadt Lichtenstein angereist und hat mit Antonia, Anne-Sophie und Clara auch gleich ihre Hofdamen mitgebracht.
"Für mich ist das schon etwas Besonderes, hier mitfeiern zu dürfen", sagt die 13-jährige Rosenprinzessin. Vor allem, weil die Städtepartnerschaft in diesem Jahr seit 20 Jahren besteht. "Und in dieser Zeit hat unsere Freundschaft Früchte getragen", betont Lichtensteins Bürgermeister Wolfgang Sedner.
Bei frühsommerlich-warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein strömen mittlerweile tausende von Menschen durch die Innenstadt. Ein Losverkäufer preist lautstark seine Gewinne an. Am Stand gegenüber rattert ein Glücksrad. Es riecht nach Bratwurst und Popcorn. Ein kleines Mädchen zupft an seiner Zuckerwatte und stopft sich die rote Leckerei genussvoll in den Mund. Ein klebriger Bart bleibt zurück.
"Besser könnte es gar nicht laufen", sagt Festorganisatorin Kumiko Ogawa-Müller und strahlt. "Ich bin rundum zufrieden." Die Vereine hätten sich "richtig ins Zeug gelegt", und an allen Tagen sei es proppevoll in der Innenstadt gewesen. "Am Samstagabend kam man gar nicht mehr durch", sagt sie.
Auch bei der Gewerbeschau unter Tage herrscht großer Andrang. Tausende von Menschen schieben sich durch die Tiefgarage, informieren sich über die neuesten Trends für Heim und Garten oder lassen es sich bei einem Snack und einem Glas Wein gut gehen.
Besondere Schokolade gibt es am Stand von Marcus Pilarski und Heike Pitke. Auf die süße Nascherei pressen sie die Fotos ihrer Kunden. "Wir können jedes digitale Bild umwandeln und auf die Oberfläche der Schokolade drucken", sagt Pilarski und ergänzt: "Auch die Fotos sind dann essbar."
Zurück an der Oberfläche wirbeln die Karussells. Die Fahrgäste kreischen vor Vergnügen. Kumiko Ogawa-Müller allerdings ist gedanklich schon beim Kirschblütenfest 2011: "Ich überlege jetzt schon, was wir im nächsten Jahr machen."