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12.08.2010
SPENGE
Rosige Zeiten für Existenzgründer
Immer mehr Menschen im Kreis Herford wagen den Schritt in die Selbstständigkeit
VON MAREIKE PATOCK

Erfolgreiche Unternehmerin | FOTO: ELKE BORKOWSKI

Spenge. Jeanette Grieses Arbeitswoche ist oft lang: "Für meinen Betrieb geht manches Wochenende drauf", sagt die Inhaberin des Spenger Rosenfachbetriebs "Garden of Roses". Obwohl der Alltag als Selbstständige oft anstrengend ist, hat die 42-Jährige ihren Schritt nie bereut. Der eigene Chef sein - das ist nicht nur für Griese reizvoll: Im Kreis Herford machen sich immer mehr Menschen selbstständig.

Die Initiative Wirtschaftsstandort Kreis Herford berät jährlich etwa 200 angehende Existenzgründer. "40 bis 50 davon machen sich letztlich selbstständig", sagt Geschäftsführer Klaus Goeke. Im vergangenen Jahr sei die Zahl noch einmal deutlich nach oben gegangen. Goeke führt das auf die Wirtschafts- und Finanzkrise zurück: "Viele, die von Arbeitslosigkeit bedroht waren, haben sich selbstständig gemacht."

Die Existenzgründungen seien über alle Branchen verteilt: Sowohl im Handwerk als auch in der Industrie, in der Dienstleistungsbranche oder im Einzelhandel entstünden neue Unternehmen.

Das Positive: Viele Jungunternehmer können sich heute langfristig auf dem Markt behaupten. In den 90er Jahren seien etwa 70 Prozent aller Existenzgründer nach kurzer Zeit gescheitert, berichtet Goeke. Heute arbeiteten rund 70 Prozent erfolgreich.
Dazu trägt auch die Wirtschaftsinitiative bei. Zwar gibt es keine finanzielle Unterstützung. Dafür steht die Einrichtung den Selbstständigen mit Rat und Tat zur Seite - vor und nach der Existenzgründung.

Auch Jeanette Griese hat sich vor neun Jahren, als sie mit ihrem Rosenfachbetrieb an den Start gegangen ist, an die Wirtschaftsinitiative gewandt. "Das war eine fruchtbare und sehr persönliche Zusammenarbeit", sagt sie. "Die Türen der Wirtschaftsinitiative waren immer weit geöffnet."

Für die Landschaftsgärtnerin eine wichtige Anlaufstelle, denn gerade in der Zeit nach der Gründung hätten sich viele Fragen ergeben. Einige Probleme seien sogar existenzbedrohend gewesen. Damals sei die Geiz-ist-geil-Mentalität groß in Mode gewesen. "Alles musste billig sein", erinnert sich Griese. Da sei es schwer zu vermitteln gewesen, dass Qualität ihren Preis habe. "Das hat die Existenz schon belastet." Ebenso belastend sei die Euro-Einführung gewesen. "Da wollte erstmal keiner mehr etwas kaufen."

Dennoch: Griese hat auch die schwierigen Zeiten gemeistert. Heute floriert ihr Betrieb. Drei Mitarbeiter hat sie angestellt, und ihre Kunden kommen mittlerweile aus ganz Nordrhein-Westfalen.
Für die Wirtschaftsinitiative ist Grieses Unternehmen ein Beispiel für eine vorbildliche Existenzgründung. Das Erfolgsrezept der 42-Jährigen: "Man muss an sich und seine Sache glauben - und mit viel Herzblut an die Arbeit gehen."


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