Enger/Spenge. Die Wirtschaft wächst wieder. Doch trotz Aufschwung droht manchen Unternehmen schon die nächste Krise: In vielen Branchen gibt es zu wenig geeignete Fachkräfte. Ein Problem, das auch Firmen in Enger und Spenge Sorge bereitet.
"Ich könnte sofort drei Kälteanlagenbauer brauchen, aber ich bekomme keine", sagt Diedrich Weber. Der Geschäftsführer des Engeraner Handwerksunternehmens CCD Weber weiß, wie schwer geeignete Fachkräfte zu finden sind.
Regelmäßig sucht er Kältetechniker über das Internet. "Zwei- bis dreimal im Jahr bekomme ich daraufhin eine Bewerbung."
Zu wenig, um den Bedarf zu decken: "Aus der Not heraus nehme ich auch Quereinsteiger aus der Heizungs- oder Elektrobranche", sagt Weber.
Für den Mangel an Kältetechnikern - sie bauen zum Beispiel Klimaanlagen - hat der Geschäftsführer durchaus eine Erklärung: "Der Beruf ist ziemlich speziell, steht nicht so im Fokus." Dadurch sei es auch schwierig, Auszubildende zu finden.
Beim Sondermaschinenbauer Bergmann und Steffen in Spenge-Bardüttingdorf fehlt es derzeit zwar noch nicht an Fachkräften. Geschäftsführer Uwe Bergmann ist sich jedoch sicher: "Das kommt auf uns zu." Auf längere Sicht würden Mechatroniker und Maschinenbau-Mechaniker gebraucht. "Da sehe ich auf Dauer Bedarf."
Um den zu decken, brauche es in erster Linie geeignete Auszubildende. Die jedoch seien nicht leicht zu finden. Unter anderem, weil es heute tendenziell mehr Studenten als Lehrlinge gebe: "Viele wollen eine höhere Laufbahn einschlagen."
Der demographische Wandel werde die Situation in Zukunft weiter verschärfen, meint der Bardüttingdorfer Geschäftsführer. "Da wird der Nachwuchs fehlen."
Kritisch beurteilt Bergmann aber auch das Bildungsniveau vieler Schulabgänger: "Das hat abgenommen." Ähnlich sieht das Volker Gerloff: "Ich mache mir schon Sorgen wegen des Schulabschluss-Niveaus", sagt der Geschäftsführer des Engeraner Maschinenbau-Unternehmens "Multivac Marking and Inspection" (früher MR Etikettiertechnik). Es sei dadurch immer schwieriger, geeignete Lehrlinge zu finden. "Da könnte ein Fachkräftemangel auf uns zukommen."
Beim Spenger Polstermöbelhersteller Frommholz herrscht momentan noch kein Bedarf. "Die Möbelbranche leidet noch unter der Krise", sagt Seniorchef Dirk-Walter Frommholz. Zurzeit gebe es auf dem Markt mehr Polsterer und Tischler als gebraucht würden. Dennoch ist sich Frommholz sicher: "Das Problem wird kommen." In fünf bis zehn Jahren werde es einen Fachkräftemangel geben.
Zum Beispiel bei den Näherinnen. Bisher habe es genügend gut ausgebildete Kräfte auf dem Markt gegeben, da viele Textilfirmen schließen mussten. "Aber das wird sich ändern", meint Frommholz.
Um den Fachkräftemangel auszugleichen, plädiert der Engeraner Geschäftsführer Diedrich Weber dafür, auch ausländische Spezialisten leichter einstellen zu können und die Vorgaben zu lockern. "Das wäre sinnvoll."
Viele Unternehmen in Enger und Spenge setzen aber noch auf ein anderes Pferd: Sie bilden aus. "Denn schließlich", sagt Dirk-Walter Frommholz, "müssen wir auch an morgen denken."