Enger/Spenge. Seit September 2005 dürfen Jugendliche schon mit 17 Jahren Auto fahren. Nur in Begleitung eines erwachsenen Autofahrers. Bisher handelt es sich dabei um einen Modellversuch. Jetzt will die Bundesregierung dieses Procedere zu einem Gesetz machen.
Annette Paulus würde das begrüßen. Die Fahrlehrerin und Kraftfahreignungsberaterin aus Enger sagt, dass sie in den vergangenen Jahren mehr 17- als 18-jährige Fahranfänger ausgebildet hat. Sie weiß: "Das Jahr tut gut." Wenn die 17-Jährigen dann mit Begleitung führen, bringe das eine Menge Vorteile mit sich: "Theoretisch können die Jugendlichen mit Sechzehneinhalb ihre Ausbildung beginnen. Sie sind dann noch beeinflussbar. Das wirkt sich positiv aus, wenn es um die Sensibilität in Sachen Drogen oder Alkohol geht. Aber auch, wenn es um Beeinflussbarkeit durch den Mitfahrer geht."
Klar umreißt auch Sven Tengeler, ihr Kollege aus Enger, diesen Ansatzpunkt: "Der gefährlichste Beifahrer ist der gute Freund." Besser sitze da tatsächlich die ältere Respektperson auf dem Beifahrersitz. Der müsse man nichts beweisen. "Die wirkt als Ruhepol. Sie gibt Sicherheit und hält vielleicht auch einfach nur gute Tipps bereit. Denn eingreifen darf sie natürlich nicht."
Autofahren ist kein Spaß
Seit fünf Jahren dürfen Jugendliche mit 17 ihren Führerschein machen. Eine lange Zeit. Und dennoch sagt der Pressesprecher der Kreispolizei, Rainer Koch, gestern: "Unsere Problemgruppe sind immer noch die 17- bis 24-Jährigen." Die jungen Leute seien wesentlich risikobereiter als die anderen Fahrer. Koch: "Bei ihnen muss ins Bewusstsein kommen, dass Autofahren kein Spaß ist. Es braucht da eine große Bereitschaft zu Konzentration und natürlich auch eine große Menge Verantwortungsbewusstsein."
Derzeit setzt die Polizei auf die zahlreichen sogenannten Partykontrollen und Kontrollen nahe der Diskotheken.
Zudem gehen die Beamten in die Fahrschulen und Schulen und bieten Übungen auf den Verkehrsplätzen an. Das teilt Rainer Koch mit.
Tengeler sieht auch einen Unterschied zwischen 18-jährigen Fahranfängern und 17-jährigen: "Die älteren sind vielleicht ein wenig weiter im Leben, haben mehr Gefühl für Verantwortung; gehen aber auch mit viel mehr Elan zur Sache und fahren zackiger."
Als "super positiv" beurteilt auch Henrik Kronsbein, Fahrlehrer aus Spenge, den Führerschein mit 17. Er gibt allerdings zu bedenken: "Irgendwann wird es den Jugendlichen auch langweilig, immer in Begleitung zu fahren. Das haben mir Eltern berichtet." Also sollte man sehen, dass die Zeit der Begleitung nicht zu lang wird. "Das nutzt sich sonst ab. Die Jugendlichen fühlen sich sonst gegängelt." Er empfiehlt eine Zeit des gemeinsamen Fahrens von "vielleicht einem halben Jahr."
Kreispressesprecher KlausWöhler weiß, wie viele junge Fahrer im Kreis den Führerschein mit 17 gemacht haben: 5.000. "Während anfangs etwa ein Viertel der Führerscheinbewerber das begleitete Fahren mit 17 Jahren machen wollte, sind heute mehr als 40 Prozent der Führerscheinbewerber daran interessiert."
Aber die dürften dann eben nicht allein fahren. Wöhler: "Begleitperson kann jeder sein, der mindestens 30 Jahre alt ist, seit 5 Jahren einen Führerschein besitzt und im Verkehrssünderregister in Flensburg nicht mehr als 3 Punkte hat." Im Führerscheinantrag müsse zwar nur eine Begleitperson benannt werden. In der Praxis würden aber häufig zwei Personen benannt, meist die Eltern. Nach oben hin sei die Zahl der Begleitpersonen nicht begrenzt. Melanie Niederbremer vom Straßenverkehrsamt teilt mit: "Wir hatten einen Antragsteller, der acht Personen benannt hat."
Ob sich die Jugendlichen an diese Vorschrift halten? Im Straßenverkehrsamt seien bisher lediglich zwei Fälle bekannt, in denen Jugendliche unerlaubt ohne Begleitperson gefahren waren. Denen hat das Amt den Führerschein entzogen.
Zudem beantragen pro Jahr 40 Jugendliche beim Straßenverkehrsamt, auf bestimmten Strecken ohne Begleitperson fahren zu dürfen. "Hierbei", sagt Wöhler, "handelt es sich durchweg um Fahrten zur Ausbildungsstelle oder zur Berufsschule. Aus Gründen der Verkehrssicherheit genehmigt das Amt diese Anträge aber nur in Ausnahmefällen."
ZWISCHENRUF - Sicher fahren macht Spaß
Das Gefährdungspotenzial im Straßenverkehr durch die Gruppe der jungen Fahrer ist besonders groß.
Und wenn durch den Führerschein mit 17 viele der Fahranfänger vernünftiger, souveräner, verantwortungsvoller, einfach besser fahren, als die anderen, dann tut die Bundesregierung sehr gut daran, dieses Modell gesetzlich zu verankern.
Und wenn dann auch noch die Begleiter durch ihre neue Aufgabe eine Art Auffrischungskursus erleben, dann fahren auch die vielleicht ein wenig überlegter – und besser.
Nach Polizeisprecher Rainer Koch ist Autofahren kein Spaß. Aber: Souverän und gekonnt Autofahren kann Spaß machen.
Und Ihre Meinung? Schicken Sie eine Email anAndreas.Sundermeier@ihr-kommentar.de oder hinterlassen Sie uns direkt ihren Kommentar in der unten stehenden Kommentarfunktion!
stehenden Code hier ein*: