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03.09.2010
SPENGE-WALLENBRÜCK
Die Würde der Gefallenen wahren
Gedenken an den Krieg und Freude über 65 Jahre Frieden/Denkmal wird jetzt sauber und schön gemacht
VON ANDREAS SUNDERMEIER

Vor den Namen der Toten | FOTO: ANDREAS SUNDERMEIER

Spenge-Wallenbrück. Wenn Hermann Mohrmann am Kriegerdenkmal direkt auf der Grenze zwischen Bardüttingdorf und Wallenbrück steht, wird er ruhig. Sehr ruhig sogar, wenn er von seinem Bruder spricht. Von dem, der noch im März 1945 im 2. Weltkrieg fiel. Und von seinem anderen Bruder, dessen Name auch auf der langen Tafel auf der südöstlichen Seite des Denkmales eingemeißelt ist. Wenn Hermann Mohrmann allerdings den Zustand des Kriegerdenkmales betrachtet, wird er laut.

Mohrmann, mittlerweile 84 Jahre alt, versteht nicht, warum dieser stille steinerne Zeuge der Vergangenheit und ihrer Opfer so sehr verkommt. Ungepflegt ist das Denkmal. Rissig sind die Fundamente, mit Unkraut bewachsen der Vorplatz.

Hans Mohrmann ist mit dem Denkmal aufgewachsen. Direkt gegenüber haben er und seine Eltern - und Brüder - gewohnt. Im Haus der alten Gaststätte und Bäckerei Mohrmann. Von frühester Kindheit an gehört das 1913 errichtete Mahnmal zu seinem Bild Bardüttingdorfs.

Info

Erinnerungen an die Kriege

Nicht nur an die Gefallenen und Vermissten der Kriege erinnert das Denkmal. Auf dem Gedenkstein vor dem Mahnmal steht: "Zum Gedenken der Vertriebenen aus dem deutschen Osten im Jahre 1945. Zu Ehren der Gefallenen des Krieges und der Toten des großen Trecks." (-as)

Ursprünglich war es im Gedenken an die Gefallenen der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 vom örtlichen Kriegerverein errichtet worden. Nach 1918 kam an der Frontseite eine Tafel mit den Namen der Gefallenen des 1. Weltkrieges dazu. Dieser Verein war auch bis zu dessen Auflösung 1945 für die Pflege des Denkmales verantwortlich.

Danach kümmerten die Gemeinden Wallenbrück und Bardüttingdorf sich darum. Seit 1952 stehen an den beiden Seiten die Namen der Toten und Vermissten des 2. Weltkrieges.

Schon zu dieser Zeit kümmerte sich Mohrmann um das Andenken der Menschen und um das Denkmal. Er selbst war als Soldat im Krieg und bis 1948 in amerikanischer und französischer Gefangenschaft gewesen.

Nach seiner Rückkehr engagierte er sich in der Kriegsgräberfürsorge. Er arrangierte unter anderem die Feiern zum Volkstrauertag am Denkmal. Und erinnert sich noch an die Zeit, als dort alles propper gepflegt war. Als bei den Feiern neben Pastor und Bürgermeister natürlich auch die Vertreter der Vereine und sogar Soldaten des Bundeswehrstützpunktes Augustdorf dabei waren.

"Bis zur Stadtwerdung 1969 war die Pflege des Denkmales kein Problem. "Die Gemeindearbeiter aus Wallenbrück und Bardüttingdorf hielten das Denkmal mit der Anlage immer in Ordnung", sagt Mohrmann. Danach war die Stadt Spenge für die Pflege zuständig. Nach Auskunft Mohrmanns nicht besonders engagiert. Erst jüngst hat die Stadt zwar zwei Bäume gefällt, deren Wurzeln die Grundmauern des Denkmales zu sprengen drohten. "Doch weitere Reparaturen gab es nicht", beklagt Mohrmann.

Das wird sich jetzt ändern. Gestern erklärte Spenges Beigeordneter Klaus Heienbrok auf NW-Anfrage: "Innerhalb der nächsten 14 Tage wird der Platz sauber und schön gemacht und auch die Risse werden beseitigt." Vor eineinhalb Wochen erst, so Heienbrok weiter, hätte das Kreisbauamt das Bauwerk auf Statikmängel untersucht. Die gebe es nicht, erklärte Heienbrok.

Hermann Morhmann ist kein Ewig-Gestriger. Er macht sich Gedanken um die Vergangenheit. Und um die Zukunft. Denn das Denkmal mit den Namen der Gefallenen erinnert ihn nicht nur an die schreckliche Zeit des Krieges. "Wir sollten dieses Denkmal schon aus Dankbarkeit für den Frieden erhalten. Und dass wir hier daran erinnert werden, dass wir seit 65 Jahren keinen Krieg mehr haben."

Er wünscht sich, dass sich "vielleicht die Bürger aus Wallenbrück und Bardüttingdorf und die Vereine ein wenig mehr zuständig fühlen. Die Pflege könnte dann unter der Koordination der Stadt laufen."

Dann, an einem gepflegten Denkmal würde er auch gern wieder an den Obergefreiten Wilhelm Mohrmann und an den Gefreiten Ernst Mohrmann denken. Und an die Namen all jener, die dort verewigt sind. Und die er alle noch aus seiner Jugend kennt.

Alles das ganz ruhig. Ohne Ärger.


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