Spenge/Hücker-Aschen (nw/cap). Durch Wald und Wiesen reiten, den warmen Rücken des Pferdes und den Wind in den Haaren spüren - für viele hat allein das schon eine heilende Wirkung. Im Warmenautal ist genau dies das Ziel: Dort begreifen die Betreuer seit acht Jahren das Reiten als Therapie und Fördermaßnahme. Jetzt erhielt die Einrichtung vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten eine Auszeichnung.
"Wir freuen uns sehr über die Verlängerung, aber auch über die Erweiterung des Gütesiegels", sagt Dr. Melanie Horstmann, die als Heilpädagogin und Sportwissenschaftlerin das Zentrum leitet. Denn vor fünf Jahren ist das Team bereits für seine heilpädagogische Förderung ausgezeichnet worden.
Jetzt kam der Bereich des Behindertenreitsports dazu. "Insgesamt gibt es vier Gebiete des Gütesiegels - mal sehen, wann wir den dritten Bereich anstreben", sagt Horstmann.
Auch Bürgermeister Bernd Dumcke kam zur Übergabe der Auszeichnung: "Das Warmenautal als therapeutische Einrichtung ist einmalig im Kreis. Für Spenge ist es besonders schön, dass wir uns so vielfältig aufstellen."
Zur Zeit werden insgesamt 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Warmenautal betreut - einzeln oder in Gruppen. "Das sind beispielsweise Kinder mit Entwicklungsstörungen, geistiger Behinderung oder Verhaltensauffälligkeiten", erklärt Melanie Horstmann. Es gehe dabei nicht unbedingt ums Reiten allein: "Es soll eine Beziehung zum Pferd aufgebaut werden: Das kann allein durch das Beobachten der Herde auf der Weide geschehen."
Die Therapie mit und auf dem Pferd verbessere unter anderem die motorischen und sensorischen Fähigkeiten, die sozialen Kompetenzen und die kognitiven Fähigkeiten.
Und auch die Pferde sind darauf gezielt geschult: "Unsere Therapietiere haben nach ihrer Grundausbildung eine spezielle Ausbildung absolviert", erklärt Melanie Horstmann. Sie seien täglich im Herdenverband auf der Weide und würden regelmäßig ausgleichend trainiert.
Gemeinsam mit einem Team aus Pädagogen, Sportwissenschaftlern und Praktikanten fördert Melanie Horstmann die Vernetzung zu Schulen, Ärzten und anderen Therapeuten. "Generell ist vor Beginn des heilpädagogischen Voltigierens und Reitens eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung nötig", sagt Horstmann.
Die Auszeichnung feierten alle Therapeuten, Kinder und Gäste gebührend beim großen Sommerfest. Der Hof war dafür zum ersten Mal für jeden geöffnet und über 500 Besucher nutzen die Chance, sich über das therapeutische Reiten zu informieren.