Enger. Keine Macht den Drogen - das ist der Standpunkt von Bernd Rammler vom Kinder- und Jugendzentrum Zebra. Seinen Standpunkt möchte er auch Jugendlichen klar machen will. Unterstützt wurde er dabei jetzt von Tobias Ulm. Der junge Mann berichtete eindringlich von seiner Drogen- und Knastvergangenheit und davon, wie er nochmal die Kurve gekriegt hat.
Rund 20 Jugendliche und auch ein paar Erwachsene hatten sich am Donnerstagabend im Jugendzentrum versammelt, um den 23-Jährigen zu erleben, der fesselnd und nah an den Zuhörern erzählte, was er erlebt hat und was Drogen aus einem Menschen machen können. Dabei nutzte er auch Musik, Rap und Gesang, um seine Botschaft zu vermitteln.
Als er in der neunten Klasse war, so erzählte Ulm, fragte ihn eine Klassenkameradin, ob er mit ihr einen Joint rauchen wolle. Aus Neugier probierte er es damals. Von da an stieg sein Haschisch-Konsum schnell an, später nahm er auch andere Drogen wie Ecstasy und LSD, bleib schließlich bei Speed hängen. Seine Abhängigkeit finanzierte er zunächst vom Taschengeld, später vom Verkauf seiner Einrichtung. Als auch das nicht mehr reichte, beging er Diebstähle. Nachdem er eine Ausbildung zum Metallbauer begonnen hatte, reichte das Geld erst einmal wieder. Doch irgendwann langten auch die knapp 700 Euro Ausbildungsvergütung nicht mehr und Tobias fing an mit Einbrüchen.
Es folgten erste Strafen wegen des Drogenkonsums und der Diebstähle. Doch Sozialstunden, Jugendarrest und eine Bewährungsstrafe beeindruckten ihn nicht. Erst ein Aufenthalt im Gefängnis aufgrund einer Verurteilung zu drei Jahren Jugendstrafe wegen der Einbrüche ließ ihn die Kurve kriegen und zur Besinnung kommen. Im Knast kam er von den Drogen weg und beendete auch seine Ausbildung. Dort kam er auch zur Musik. "Ich habe gemerkt, dass es mir durchs Rappen besser ging, das Singen in der Knastband hat mir ein Stück Freiheit gegeben".
Eindrucksvoll schilderte Tobias Ulm den Jugendlichen, was Drogen aus einem Menschen machen können. "Ich hatte Wahnvorstellungen und Verfolgungswahn, meine Gedanken galten immer der Frage, wo ich den nächsten Stoff her bekomme", sagt er. Einmal brach er sogar zusammen, hatte eine Atemlähmung und landete im Krankenhaus. "Ich habe nie härtere Drogen als Heroin oder Crack probiert, aber mit den anderen Sachen hab ich es übertrieben", sagt er. Der Entzug war hart. Schüttelfrost, Fieber, Schmerzen und Krämpfe waren nur einige der Symptome. Auch heute spürt Tobias noch Spätfolgen. "Mein Kurz- und Langzeitgedächtnis ist geschädigt und auch das Zeitempfinden hat gelitten."
Seine Erfahrungen will er jetzt einsetzen, um andere Jugendliche aufzurütteln. "Es sind auch schon Jugendliche auf mich zugekommen und haben mir erzählt dass sie kiffen. Aber viel mehr als reden kann ich nicht tun, jeder muss selbst davon weg kommen."
Dieser Meinung ist auch Bernd Rammler. "Auch in Enger haben wir mit Jugendlichen zu tun, die Drogen nehmen." Gründe für eine Drogensucht gebe es viele: manchmal sei der Druck der Gesellschaft zu hoch und man wünsche sich Entlastung, oft käme es aber auch durch Gruppenzwang im Freundeskreis dazu. "Der Zeigefinger von uns Erwachsenen ist da der falsche Weg, man muss versuchen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und ihnen Alternativen aufzeigen. Da ist es gut, wenn wir jemanden wie Tobias haben, der aus eigenen Erfahrungen berichten kann."