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04.02.2012
ENGER/SPENGE
Zurück in die Glaubensgemeinschaft
Kirchen machen es Rückkehrern heute leicht / Viele suchen das Gespräch
VON MARTINA CHUDZICKI

Ein gut überlegter Schritt | FOTO: ANDREAS SUNDERMEIER

Enger/Spenge. 20 Minuten - länger dauert es nicht, wenn ein getaufter Christ nach einem Kirchenaustritt wieder Mitglied einer Gemeinde werden möchte. 20 Minuten - so lange dauert zumindest in der evangelischen Kirche der rein formale Akt. Die meisten Menschen, die in die Kirche zurück kehren möchten, haben sich aber viel länger und sehr intensiv mit diesem Schritt auseinander gesetzt. So wie Veronika und Hans Hasenohr aus Enger. Ein Jahr lang besuchte Hans Hasenohr jeden Sonntag den Gottesdienst in der Stiftskirche, verfolgte jede Predigt ganz genau. Dann war er sich sicher, dass er wieder ein Mitglied der Kirchengemeinde Enger-Mitte sein wollte.

An Glauben hat es dem Ehepaar nie gefehlt. Und doch entschied es sich Ende der 90er Jahre, aus der Kirche auszutreten. Beide haderten mit der Institution Kirche, fanden in ihr auf viele ihrer drängenden Sinn- und Lebensfragen keine Antworten mehr. Zu einem Schlüsselerlebnis wurde ein Besuch in Brasilien, wo sie in einer Klosterschule freiwillige Projektarbeit leisteten. Und auf einen Glauben trafen, der so ganz anders war, als der als institutionalisiert empfundene Glaube daheim: offen, fröhlich, lebensbejahend und voller Hingabe. "Das hat in uns die Sehnsucht nach einer solchen Gemeinschaft geweckt," erinnert sich Hans Hasenohr. Beide begaben sich auf die Suche, lasen viel, fanden schließlich eine neue Glaubensheimat in den Thesen des Esotherikers Thorwald Dethlefsen. "Irgendwann kamen wir dann an einen Punkt, an dem wir wussten, dass wir uns für einen Weg entscheiden müssen. Damals sind wir ganz bewusst aus der evangelischen Kirche ausgetreten."

Gut zehn Jahre später ist es ein schwerer Schicksalsschlag, der sie zurück in die evangelische Kirche führt. Völlig unerwartet stirbt die ältere der beiden Töchter. Es ist die Gemeindepfarrerin, die den beiden Trost spendet - auch mit ihrer Predigt zur Beerdigung. Und ohne zu hinterfragen, ob Hans und Veronika Hasenohr überhaupt noch Mitglieder der Kirche sind. Als kurze Zeit später die Mutter von Veronika Hasenohr erkrankt und ins Koma fällt, ist die Pastorin wieder da, spendet Trost, betet und singt mit der Kranken. "Da war er auf einmal da, der Gedanke: Ja, ich fühle mich auch in dieser Kirche geborgen", erinnert sich Veronika Hasenohr. Es dauert noch jenes Jahr, dann entscheiden sich beide zum Wiedereintritt in die Kirche.

Grundsätzlich begrüßen es die Pfarrer vor Ort, dass den Rückkehrern der Wiedereintritt in die Kirche mittlerweile so leicht gemacht wird. Das war nicht immer so, erinnert sich Pastorin Petra Schmuck aus Enger. "Früher entschied das Presbyterium darüber, ob jemand wieder aufgenommen werden soll." Heute gilt: wer es nicht will, muss nicht einmal das Gespräch mit dem Pastor suchen. Die Aufnahme ist - quasi anonym - auch in der Wiedereintrittsstelle in Herford möglich. Doch das wollen die wenigsten. Die meisten, so erlebt es auch die Spenger Pastorin Brigitte Janssens, suchen das Gespräch.

Oft sind es pragmatische Gründe, die Menschen in die Kirche zurück bringen: Jemand möchte kirchlich heiraten, sein Kind taufen lassen oder ein Patenamt übernehmen. Wieder andere wechseln die Konfession oder treten ganz neu in die Kirche ein. Vor allem viele Russlanddeutsche, die über keine Papiere verfügen, lassen sich oft in Deutschland noch einmal taufen und treten der Kirche bei.

Einen Gottesdienst, in dem die Rückkehrer offiziell - und damit öffentlich - vor den Altar treten, gibt es nicht mehr. "Das war für viele Betroffene oft nicht so angenehm," erinnert sich Petra Schmuck. In Spenge lädt Brigitte Janssens die neuen Gemeindemitglieder unverbindlich zu einem Gottesdienst mit Abendmahl ein, um den Wiedereintritt auch in einem feierlichen Rahmen zu vollenden.

Auch die katholische Kirche macht es Menschen mittlerweile leicht, in die Gemeinde zurückzukehren. Zwar entscheidet der Erzbischof in Paderborn nach wie vor über jede einzelne Bitte um Wiederaufnahme. Doch das ist in der Regel reine Formsache. "Unser Pfarramt hilft den Menschen beim Ausfüllen der notwendigen Formulare," so Pfarrer Ansgar Heckeroth. "Wir wollen ihnen die Rückkehr so leicht wie möglich machen." Das liegt - wie in der evangelischen Kirche - durchaus auch im eigenen Interesse. Denn nach wie vor übersteigt in beiden Kirchen die Zahl der Austritte die der Eintritte erheblich.

Das Ehepaar Hasenohr fühlt sich in seiner Kirchengemeinde wieder wohl. "Es ist wie in der Geschichte vom verlorenen Sohn. Zwar wurde kein Willkommensfest für uns gefeiert, aber die Aufnahme war sehr herzlich."


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