Wochenmarkt soll ab Mai auf den Barmeierplatz umziehen/Politik entscheidet am Donnerstag
Enger. Der Wochenmarkt soll ab Mai auf den Barmeierplatz umgesiedelt werden. Zur Probe. Dies schlägt die Verwaltung den Politikern vor. "Alles Blödsinn", sag Reinhard Westerbeck, der seit drei Jahrzehnten auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse verkauft. "Die Kirche und das Rathaus bleiben auch dort stehen, wo sie mal gebaut wurden." Der Marktbeschicker will seine Waren unbedingt weiter auf dem Heckewerthplatz anbieten. Entschieden darüber wird am Donnerstag, 9. Februar, 17.30 Uhr im Ausschuss.
"Bevor so ein Entschluss gefasst wird, soll sich der Bürgermeister hier mal blicken lassen", sagt Westerbeck. "Dem will ich wohl was erzählen." Zum Beispiel, dass der Markthändler mit einem 18,5 Meter langen Gefährt unterwegs ist. Und ob er damit auf dem Barmeierplatz rangieren kann, stehe überhaupt noch nicht fest.
Oder auch, dass Westerbeck häufig morgens um fünf Uhr von großen Lkw seine Ware vom Großhändler geliefert bekomme. "Hier hat es noch keine Probleme mit den Anliegern wegen einer Lärmbelästigung gegeben. Ob das am Barmeierplatz auch so problemlos geht, will ich bezweifeln." Außerdem fühle er sich auf dem Barmeierplatz "wie in einer Mausefalle." "Wenn wir dorthin müssen, gibt es eine Revolution."
Ähnlich ablehnend steht auch Stefan Dominguez der Verlegung gegenüber. Der Betreiber eines Käsestandes sagt: "Wir sind nicht bereit, die Phantasien anderer Leute zu bezahlen. Ich will hier nicht weg. Und die Leute, die seit 30 Jahren hierher kommen, fühlen sich hier wohl." Vorteile durch eine möglichen Umzug sieht er nicht.
Ob der neue Platz besser sei, will Nils Thenhaus nicht generell beurteilen. Ihm kommt das Vorhaben der Stadtverwaltung einfach zu plötzlich. Es gebe noch zu viele ungeklärte Fragen. Der Fleisch- und Geflügelhändler spricht die Stromversorgung an. "Wir zum Beispiel brauchen mit unserer Kühlanlage im Wagen 380 Volt." Zudem fordert er die Klärung der Rettungswege. Und auch eine Stellprobe im Vorfeld des möglichen Beschlusses hält er für sinnvoll. Wenn die Logistik passe, stehe er einem Umzug gar nicht so ablehnend gegenüber. "Da muss man auch schauen, wie das Gesamtkonzept der Stadtplanung aussieht. Und wenn dann noch ein Weg von der Kirche zum Barmeierplatz geschaffen wird, dann ist die Strecke vom Parkplatz Heckewerthplatz bis zum neuen Marktplatz gar nicht so weit." Aber man solle so eine Entscheidung "auf gar keinen Fall übers Knie brechen."
Manfred Redeker, Leiter des für den Wochenmarkt zuständigen Fachbereiches, erklärt, die Erwägungen der Marktbeschicker nachvollziehen zu können. "Es gibt da sicherlich ein Für und Wider. Wir sind seitens der Verwaltung der Auffassung, dass die Vorteile einer Marktverlegung auf den Barmeierplatz überwiegen könnten." Gefragt sei aber schlussendlich der politische Wille. Der Vorschlag der Verlegung entstammt dem Stadtentwicklungskonzept.
Derweil sind die Kunden meinungsfreudig. "Das ist eine gute Idee", sagt Gudrun Usling, "am Barmeierplatz ist das Ambiente sehr schön, und dann könnten wir auf dem Heckewerth-Platz parken." Ilse Pape denkt da ganz anders: "Seit 40 Jahren komme ich hierher. Und der Mark war schon immer hier. Und im Sommer ist’s immer so schön."
Ab Mai kann sie womöglich prüfen, ob die Schönheit sich auch auf den Barmeierplatz überträgt.