Stadtbibliothek bereitet sich aufs Jubiläum vor / Sieben Millionen Besucher seit 1984
Gütersloh. In ganz Gütersloh gibt es keine Einrichtung, die vergleichbar populär ist. Mit 300.000 Besuchern im Jahr ist die Stadtbibliothek, noch vor Nordbad und Welle zusammen, die Einrichtung mit dem größten Besucheraufkommen der Stadt. Und das, obwohl sie bereits ein Silberjubilar ist.
Doch anders als manch anderer in die Jahre gekommener Jubilar, glänzt die Stadtbibliothek noch immer mit frischem Auftritt. 600.000 Medienentleihungen jährlich, vordere Platzierungen im Deutschen Bibliotheks-Index, ein gleichbleibend guter Ruf als Modelleinrichtung: Die 25 Jahre seit Eröffnung des Gebäudes an der Blessenstätte haben der Bibliothek wenig anhaben können. "Man darf mit dem Zustand unserer Einrichtung sehr zufrieden sein", sagte Leiter Wolfgang Sieveking gestern bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms.
Bürgermeisterin Maria Unger nannte die Stadtbibliothek einen "Kompass durch den Informationsdschungel; sie leistet eine wichtige Arbeit gerade im Bereich der Leseförderung und Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche." Die erfreulichen Zahlen - seit 1984 mehr als sieben Millionen Besucher - belegten die Wertschätzung der Gütersloher für ihre Bibliothek.
Die Bürgermeisterin verwies auf die rasante Medienentwicklung. Arbeitete man 1984 noch mit Mikrofiches und Floppy-Discs - "darüber können wir heute nur schmunzeln" (Unger) - so könnten sich die Nutzer heute kostenfrei Medien von der Webseite der Bibliothek herunterladen und werden vor Ablauf der Leihfrist per Mail an den Rückgabetermin erinnert.
Sieveking sagte, die Bibliothek verfolge konsequent die mediale Entwicklung. Jüngstes Beispiel: Videofilme, zuletzt kaum noch nachgefragt, wurden aus dem Bestand genommen. Sieveking führte einige Meilensteine der vergangenen 25 Jahre auf: Die Managementseminare ab 1990 (kaum ein Bibliothekar in Deutschland, der nicht irgendwann nach Gütersloh pilgerte und Impulse mitnahm), die Wiedereröffnung der Kinder- und (später) Elternbibliothek 1994 (jeder zweite Bibliothekskunde ist unter 18), die Einführung von Benutzergebühren 1996 (damals 25 Mark, heute 20 Euro/Jahr), die Eröffnung der Computerbibliothek im selben Jahr (mit acht PC-Plätzen), der Abschied von Gründungsleiterin Ute Klaassen 1997, die Gründung des Literaturvereins 2003 und die Erweiterung der schulbibliothekarischen Arbeit 2004.
Was die Zukunft bringe? Das, so Sieveking, sei nicht so leicht einzuschätzen. Sich gegen das Internet zu behaupten und bei den eigenen Online-Angeboten aufgrund des Urheberrechtes an Grenzen zu stoßen, sei ein Problem. Auch fließe das Geld nicht mehr wie früher. "Wir müssen uns darauf einrichten, mit weniger, allenfalls gleichen Ressourcen auszukommen", sagte Sieveking. Zwei Sparrunden bei den Stadtfinanzen hätten ihre Spuren hinterlassen.
Auch inhaltlich stellt Sieveking eine Verschiebung fest: Geschichtsbücher sind kaum noch gefragt, selbst Sachbücher immer weniger, stattdessen brummen Kinder- und Jugendliteratur sowie Romane. Sicher sei für ihn aber eines: "Gelesen wird immer, Und öffentliche Bibliotheken werden immer ihren Platz in der Bildungslandschaft haben." Gütersloher Kultur