Gütersloh. Wenn der Zirkus Universal Renz am 29. April seine Zelte auf dem Marktplatz aufschlägt, werden drei langjährige Mitarbeiter des Artistenteams fehlen: Nena, Petra und Katja. Die 25-jährige Braunbärin Nena ist am Samstag in Kassel von einem Polizisten erschossen worden. Aus Sorge um ihr Wohl sind ihre beiden Schwestern Katja und Petra gestern vorzeitig ins Winterlager geschickt worden.
"Wir wollten uns und den Bärinnen den Rummel nicht zumuten", sagt Sprecher Holger Fischer. Das Interesse der Medien sei enorm. Die behördlichen Auflagen hätten einen Auftritt in Gütersloh ohnehin verhindert. Denn obwohl die drei seit vier Jahren im Zirkus Renz leben , dürfen sie nur unter Aufsicht ihres Ex-Besitzers, des Dompteurs Eddy Laforte, in die Manege. Nur dieser habe zur Zeit die erforderliche Genehmigung. Der ehemalige Zirkusdirektor weile aber im Ausland. "Wir konnten ihn noch nicht erreichen, um ihn über das Schicksal seines Bärenkindes zu informieren", sagt Fischer. Laforte hatte die drei Schwestern vor 25 Jahren per Hand aufgezogen.
Das Schicksal der Bärin machte gestern bundesweit Schlagzeilen, bewegte nicht nur das Zirkusteam. Laut Fischers Schilderung sei Nena, vom Personal unbemerkt, am Sonntagmorgen mit ihrer Schwester aus dem 150 qm großen Außengehege ausgebrochen. Nena habe ihre Freiheit ruhig, auf dem Hinterteil in einem Bachlauf sitzend und an Sträuchern knabbernd, genossen. "Keineswegs sind die Bären durch die Straßen marschiert", beteuert Fischer.
Mehrere Schüsse aus der Dienstwaffe
Einer der von einer Passantin alarmierten Polizeibeamten habe sich Nena genähert. "Der nächste Wohnwagen war fünf Meter entfernt, es ist nicht nachvollziehbar, dass der Beamte niemanden informiert hat", sagt Fischer. Nena habe sich bedroht gefühlt und zugebissen. Der Beamte tötete das Tier mit mehreren Schüssen aus seiner Dienstwaffe. Der erst dann alarmierte Zirkusdirektor Daniel Renz habe die Schwester von Nena am Ohr ins Gehege zurückgeführt. Fischer: "Bären sind Wildtiere; bedrohen sie Menschen, müssen sie getötet werden. In dieser Situation war das aber nicht notwendig."
Danny Renz, der 15-jährige Sohn des Direktors, sei über den Tod der Bärin geschockt. Er trainiere seit zwei Jahren mit den drei Bärinnen, habe ein enges Verhältnis zu ihnen.
Dass Haltung und Dressur von Exoten im Zirkus, zumal bei im Verhalten schwierigen Bären, bei Tierschützern umstritten sind, sich die Kritiken an diesem Vorfall entzünden können, weiß Fischer. Er rechnet in Gütersloh, das, wie er sagt, für "aktive Tierschützer" bekannt ist, mit Protesten. Die bundesweit aktive Organisation "Vier Pfoten" fordert die Beschlagnahmung der Bärinnen und ein Verbot der Wildtierhaltung. 2007 hätte Katja bereits Danny Renz schwer verletzt.